29.04.2019 16:50 Uhr - 2. Bundesliga - PM Vereine, red

"Daraus können wir viel lernen": Handball-Luchse gewinnen Spitzenspiel bei Kurpfalz Bären

Lena Feiniler hatte gegen Marleen Kadenbach, Kim Land und Mareike Vogel das NachsehenLena Feiniler hatte gegen Marleen Kadenbach, Kim Land und Mareike Vogel das Nachsehen
Quelle: Julian Erbeling, Kurpfalz Bären
Vor einer Rekordkulisse von 1.100 Zuschauern in der Ketscher Neurotthalle bewiesen die Handball-Luchse aus Buchholz/Rosengarten eindrucksvoll ihre Extraklasse in der 2. Handball-Bundesliga. Die Luchse konnten sich durch ihren Erfolg auf drei Punkte von den Kurpfalz Bären absetzen und ihre Spitzenposition auf 47:7 ausbauen.

Nach diesem überzeugenden Auftritt beim schärfsten Konkurrenten zweifelt keiner mehr daran, dass sie auch diese Saison als Spitzenreiter abschließen werden. Aller Einsatz der Bären-Ladies verpuffte an einer starken Abwehr der Gäste sowie an Torhüterin Mareike Vogel, die mit ihren Glanztaten die Hauptschützinnen der Bären völlig verunsicherte. Dr. Robert Becker hatte großes Verständnis für seine Mannschaft: "Wir haben heute gesehen, wie wichtig Nervenstärke und körperliche Robustheit in einem solchen Spitzenspiel den Ausschlag geben. Daraus können wir viel lernen."

Nach einer hart umkämpften ersten Halbzeit, in der die Bären-Ladies zahlreiche aussichtsreiche Situationen nicht nutzen konnten, setzte sich immer mehr die Kaltschnäuzigkeit und individuelle Klasse der Gäste durch. Die Bären-Ladies einige Probleme mit der sehr offensiv ausgerichteten 3:2:1-Deckung der Luchse. Sie ließen sich weder durch Strafzeiten noch Treffer ins "leere Tor" aus der Ruhe bringen, sondern spulten ihr Programm routiniert ab. Dabei hatte es zwischenzeitlich gut für die Bären ausgesehen.

Zur Pause schien alles möglich




In der harten, sehr körperbetonten Partie dominierten die Abwehrreihen, doch in der 16. Minute schienen die Kurpfalz Bären Ketsch den Schlüssel des Erfolgs gefunden zu haben. Als Sabine Stockhorst einige "Unhaltbare" entschärfte und Lena Feiniler zum 7:5 traf, ging ein Raunen durch die Halle. Aber die Ketscher Fans spürten, dass dieser Gegner an diesem Tag eine Nummer zu groß war. Dennoch blieb das Spiel aufgrund des kämpferischen Einsatzes lange offen und zur Pause schien noch alles möglich.

Da fast alle Aktionen der Schützlinge der Ketscher Trainerin Kate Schneider aus der Mitte kamen, reagierte die "Luchse-Bank" und beorderte die sehr offensive 3:2:1-Abwehr etwas weiter zurück, um der Mitte den Raum zu nehmen und mehr über Außen anzubieten. Diese Maßnahme wurde von Erfolg gekrönt als die überragende Spielmacherin Kim Land ihr Team wieder beim 7:8 in Führung brachte. Aber es blieb ein umkämpftes Spiel auf Augenhöhe und noch einmal konnten die "Bärinnen" in der 27. Minute durch den von Lara Eckhardt verwandelten Strafwurf mit 9:8 in Front gehen, es war die letzte Führung des Tabellenzweiten im gesamten Spiel. Wie abgeklärt der Spitzenreiter in den letzten Minuten agierte zeigten Julia Herbst mit ihrem erneuten Ausgleich und natürlich Kim Land, die in der Schlusssekunde der 1. Halbzeit das knappe 9:10 für die Gäste sicherte.

Alles was im Vorfeld dieser Spitzenbegegnung geschrieben worden war, traf auch ein. Es war ein Spiel auf Augenhöhe und die dominanten Abwehrreihen ließen kaum leichte Tore zu. Beide Torhüterinnen, Mareike Vogel bei den Luchsen und Sabine Stockhorst zeigten ihr überragendes Können. Es war aber auch zu erkennen, dass die Heimmannschaft doch sehr aufgeregt und vielleicht sogar übermotiviert in die Partie gegangen war und es an taktischer Variabilität mangelte. Trotzdem war zur Halbzeit der Ausgang des Spiels noch völlig offen.

Der zweite Durchgang blieb vier Minuten torlos, doch in Unterzahl gelang der überragenden Evelyn Schulz das 9:11, aber die Bärinnen konnten wieder verkürzen als Kim Land eine Zeitstrafe erhielt. Doch die Luchse ließen sich in der Folgezeit nicht mehr beeindrucken und bauten bis zur 42. Minute ihren Vorsprung wiederum durch Kim Land auf 12:16 aus, so dass sich Kate Schneider genötigt sah die grüne Karte zu ziehen, um ihre verunsicherte Mannschaft neu einzustellen, doch trotz Unterzahl der Gäste konnten sie den Vorsprung nicht mehr entscheidend reduzieren. Die verordnete 4:2-Abwehr funktionierte nicht wirklich und die abgeklärten HL Buchholz 08-Rosengarten warfen selbst in Unterzahl Tore, wann immer sie sie brauchten.

Steinkamp: "Entwicklungskurve des gesamten Teams zeigt steil nach oben"




Immer dann, wenn in der zweiten Halbzeit aus Bärensicht die Hoffnung auf eine Wende aufkam, schlugen die Luchse eiskalt zu. Der Drei-Tore-Vorsprung der Gäste wollte einfach nicht schmelzen, da auch beste Chancen und auch Siebenmeter-Gelegenheiten nicht vom Schneider-Team genutzt werden konnten. Die Ketscher Trainerin versuchte alles und öffnete nach dem 19:22 fünf Minuten vor Spielende die Abwehr. Aber statt der erhofften Ballgewinne wurde das Bärenteam eiskalt ausgekontert. Ein Lichtblick war dabei der unbekümmerte Auftritt der jungen Verena Oßwald, die zu vier sehenswerten Torerfolgen kam.

Bei Buchholz/Rosengarten überzeugte neben Torhüterin Mareike Vogel und Kim Land vor allem Evelyn Schulz, die als Abwehrspitze kaum zu überwinden war und am Kreis für besondere Momente sorgte. Aber auch Laura Schultze und Marleen Kadenbach machten auf den Halbpositionen ein starkes Spiel. Bei den Bären ist die starke Abwehrleistung von Lena Feiniler hervorzuheben. Auch wenn der Sieg der Luchse etwas zu hoch ausfiel, er war aufgrund der Dominanz in der zweiten Hälfte hoch verdient.

"Ich bin sehr angetan von der Leistung meiner Mannschaft, die all ihre Tugenden wie variable Deckung, körperliche Robustheit, geduldige, aber auch überraschende Angriffsaktionen durchsetzen konnte. Es ist schön zu sehen, dass die Mädels vollkommen unbeeindruckt durch äußere Umstände, total zielorientiert solch ein Spiel gewinnen wollen und auch das Können haben das zu realisieren. Besonders herausheben möchte ich die phantastische Leistung von Mareike Vogel, die besonders in der 2. Halbzeit ein wichtiger Faktor wurde. Mein besonderer Dank gilt auch Evi Schulz, die als Bollwerk in der Spitze der Abwehr kaum zu überwinden war", freute sich Luchse-Trainer Dudo Prelcec.

"Zehn Monate der gemeinsamen Zusammenarbeit zeigen immer mehr Früchte. Die Entwicklungskurve des gesamten Teams zeigt steil nach oben, so dass selbst unter schwierigen Bedingungen in Ketsch bei den ?Bärinnen? souverän nach hartem Kampf, der lange Zeit auf Augenhöhe geführt wurde, unser Sieg am Ende feststand. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei unseren zahlreich mitgereisten Fans bedanken, die den weiten Weg nach Ketsch nicht gescheut haben, um ihr Team auch in der ´Bärenhölle´ so lautstark zu unterstützen, dass sie während der gesamten Partie ein unüberhörbarer Faktor waren", war auch Matthias Steinkamp aus dem Luchse-Trainerteam sichtlicht begeistert.