29.04.2019 10:02 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine, red

"Genau das wollten wir eigentlich verhindern": VfL Oldenburg wird von der SG BBM Bietigheim überrannt

Oldenburgs Abwehr konnte Anna Loerper nicht stoppenOldenburgs Abwehr konnte Anna Loerper nicht stoppen
Quelle: Thorsten Helmerichs, VfL
Am 23. Spieltag der Handball Bundesliga Frauen (HBF) setzte sich die verletzungs- und krankheitsgeplagte SG BBM Bietigheim klar und aufgrund der Personalsituation überraschend deutlich mit 43:22 (23:10) auswärts beim amtierenden deutschen Pokalsieger VfL Oldenburg durch. Mit dem 22. Saisonerfolg konnte der Spitzenreiter die Tordifferenz zum punktgleichen Verfolger Thüringer HC weiter ausbauen.

Mit dem Ziel etwas für die Tordifferenz zu tun war die SG BBM Bietigheim nach Oldenburg gekommen. Dies ist dem Meisterschaftsfavoriten beim 43:22 (23:10) Sieg eindrucksvoll gelungen. "Genau das wollten wir eigentlich verhindern, aber Bietigheim hat von Beginn an Gas gegeben und so gut wie keine Fehler gemacht. Jedes unserer Tore wurde gleich umgehend mit einem eigenen bestraft. Die erste Sechs von Bietigheim ist so ziemlich das Beste was wir in der Bundesliga haben, wenn die Vollgas geben, um ihr Torverhältnis aufzubessern ist für uns sehr schwer dagegenzuhalten. Wir müssen uns jetzt schnell wieder auf den nächsten Gegner konzentrieren", zeigte sich Niels Bötel beeindruckt vom Spiel des Gegners.

Die Vorzeichen vor der Partie gegen den Tabellenelften konnten schlechter kaum sein für die SG BBM, denn die verletzungs- bzw. krankheitsbedingten Ausfälle der Nationalspielerinnen Karolina Kudlacz-Gloc, Maura Visser, Charris Rozemalen und Ines Ivancok sorgten vor dem Anwurf für Sorgenfalten bei SG BBM-Cheftrainer Martin Albertsen, dem somit lediglich neun, teilweise angeschlagene, Feldspielerinnen zur Verfügung standen. Da der punktgleiche Verfolger Thüringer HC bereits gestern mit 32:22 überraschend deutlich bei Frisch AUF Göppingen gewann, lag der Druck in der sehr gut gefüllten EWE-Arena bei der SG BBM.

Oldenburg konnte nur einmal ausgleichen




Bietigheim zeigte vom Start weg, dass sie nicht vorhatten sich vom VfL in die Meisterschaftssuppe spucken zu lassen und gaben gleich Vollgas. Die Enztälerinnen zeigten über die komplette Spielzeit eine kämpferische und spielerische eindrucksvolle Vorstellung. Hinzu kam die taktische Finesse von Trainerfuchs Martin Albertsen, der auf eine 5:1-Anfangsformation setzte und damit Oldenburg vollkommen überraschte.

Einzig zu Beginn des Spiels konnte Jenny Behrend einmalig zum 1:1 ausgleichen. Danach zog der Favorit nach und nach davon. Kaum waren acht Minuten gespielt lag der VfL bereits mit 3:8 hinten. Jeder Fehler der Gastgeberinnen wurde gnadenlos mit einem Tor bestraft. Hervorzuheben aus einer bärenstarken Mannschaftsleistung waren die überragenden Aktionen von Torhüterin Valentyna Salamakha, die den Kasten souverän sauber hielt und die gesundheitlich angeschlagene Dinah Eckerle ließen das SG-Torhüterduo glänzen. Ein Doppelpack von Kim Naidzinavicius knapp zehn Minuten vor der Halbzeitpause zum 7:18 brachte der SG BBM schließlich die erste zweistellige Führung. So ging es für den VfL bereits beim Halbzeitstand von 10:23 nur noch um Schadensbegrenzung.

Wer nun glaubte, Bietigheim würde wegen der angespannten Personalsituation einen Gang zurückschalten, sah sich getäuscht. Denn aufgrund der engen Tabellenkonstellation im Kampf um den Titel, machten die Bietigheimerinnen dort weiter, wo sie im ersten Durchgang aufgehört hatten. Konnten die Gastgeberinnen in den ersten fünf Minuten der zweiten Halbzeit das Spiel noch einigermaßen offen gestalten wurden sie in den folgenden zwölf Minuten vom Titelaspiranten regelrecht überrollt. Die heute in Abwehr und Angriff stark aufspielende Kim Naidzinavicius markierte einen Siebenmeterdreierpack zum 13:27 und Antje Lauenroth legte einen Doppelpack zum 13:29 nach.

Oldenburg schafft Klassenerhalt




Im Minutentakt tauchten die Gäste nun frei vor Ferenczi und Renner auf und versenkten die Bälle nahezu unbehelligt im VfL-Tor. Gleichzeitig konnten die sichtlich überforderten Grün-Weißen das Tor der Gäste so gut wie nie ernsthaft in Gefahr bringen. Zwölf Minuten vor dem Ende war der Rückstand somit auf 15:37 angewachsen und es konnte einem Angst und bange um den VfL werden.

So ganz abschlachten lassen wollten sich die Gastgeberinnen dann aber doch nicht. Mit jeweils drei Treffern in den letzten zehn Minuten sorgten Kim Birke und Kristina Logvin dafür, dass es am Ende nicht noch schlimmer kam für den VfL. Etwas Erfreuliches gab es am Ende des Tages dann aber doch noch aus Sicht des VfL zu berichten. Dank der 19:27 Heimniederlage von Halle gegen Blomberg haben die Grün-Weißen bereits drei Spieltage vor Saisonende den Klassenerhalt geschafft. Am kommenden Samstag ist man zu Gast beim Tabellenletzten TV Nellingen.

Ein zufriedener SG BBM-Cheftrainer Martin Albertsen sagte nach dem Sieg: "Meine Gratulation geht an mein Team, das eine super Leistung abgeliefert hat. Mir standen heute wenige Spielerinnen zur Verfügung, diese haben aber eine fokussierte Leistung gezeigt und überragend gespielt. Es war ein wichtiger Sieg im Kampf um die Deutsche Meisterschaft, welcher wegen der unfassbar dünnen Personaldecke in dieser Höhe für mich nicht vorhersehbar war."