15.04.2019 08:42 Uhr - 1. Bundesliga - PM Bad Wildungen, Wolfgang Seitz - Südwestpresse, red

Vipers ärgern Tussies lange: TuS Metzingen findet erst nach zwei Auszeiten ins Spiel gegen Bad Wildungen

Julia Harsfalvi setzt sich gegen Anna Spielvogel durchJulia Harsfalvi setzt sich gegen Anna Spielvogel durch
Quelle: Tobias Baur, TuS
Die TuS Metzingen gewinnt das Erstliga-Duell gegen die HSG Bad Wildungen Vipers mit 33:28 (15:15). Angeführt von der überzeugenden Sabine Heusdens lieferten die Vipers auswärts in Metzingen trotz des erneuten Rumpf-Kaders einen großen Kampf ab und spielten eine Halbzeit lang absolut auf Augenhöhe mit dem Favoriten aus Metzingen. Am Ende hat die Kraft jedoch nicht ganz gereicht.

Nach dem Spiel war man sich einig. "Trotz mäßiger Leistung war der Sieg am Ende ungefährdet", sagte TuS-Trainer André Fuhr. "Das müssen wir besser machen", blickte Anika Niederwieser vornehmlich auf die erste Spielhälfte zurück, in der nicht nur ihr die Aggressivität in der Abwehr fehlte. Unterm Strich stand gegen die HSG Bad Wildungen Vipers ein 33:28-Sieg, an den man über weite Strecken der ersten Spielhälfte nicht so richtig glauben wollte.

Die Vorzeichen vor dem schwierigen Auswärtsspiel in Metzingen standen alles andere als gut: Zu den schon seit Wochen verletzten Spielerinnen gesellte sich nun auch noch Anna Frankova, die wegen einer Entzündung im Fuß pausieren musste, was somit die Personalnot bei den Vipers noch weiter verschärfte. Doch momentan hat man den Eindruck, dass je schwieriger die Situation zu sein scheint, desto enger rückt das Team zusammen. Genau dies war auch am Samstagabend wieder die große Stärke der Vipers.

Vipers mit Minikader, Metzingen fehlt Einstellung




Die Vipers waren zwar nur mit zehn Spielerinnen da, die machten den TusSies aber mächtig zu schaffen. Allen voran Torhüterin Manuela Brütsch, die im ersten Abschnitt acht Paraden? notiert bekam, Sabine Heusdens hatte vorne ihr Visier ganz genau eingestellt, wurde allerdings bei den Würfen auch kaum gestört. "Was sie kann war ja nicht unbekannt und wurde im Vorfeld auch klar angesprochen", so der TuS-Trainer. Allein die Umsetzung hat nicht gepasst. "Abwehr ist zu 80 Prozent eine Frage der Einstellung." Genau diese hat Fuhr zu Beginn vermisst.

Die TuS rannte praktisch vom Anpfiff weg einem Rückstand hinterher, der zeitweise bedrohliche Ausmaße annahm. So bat TuS-Trainer André Fuhr nach 20 Minuten beim 7:12 bereits zur zweiten Besprechung, hatte zu diesem Zeitpunkt schon etliches getauscht im pinken Ensemble und damit neue Impulse gesetzt. Das Timeout zeigte seine Wirkung und der hohe Kräfteverschleiß, verursacht durch das gefürchtete Metzinger Tempospiel, machte sich in der Schlussphase der ersten Halbzeit bei den Vipers bemerkbar. So konnte das Heimteam bis zum Halbzeitpfiff wieder zum 15:15 ausgleichen.

Ab dem 9:13 (23.) ging es voran, bezeichnenderweise hatten Julia Harsfalvi und Kelly Vollebregt zuvor aber noch zwei freie Einschussmöglichkeiten vergeben. Das Problem mit der Chancenverwertung war nach Wiederanpfiff wie wegradiert, zwei andere blieben. Die TusSies bekamen fast keinen Abpraller zu fassen, hatten defensiv zwar zugelegt, ließen an den Kreis aber einiges durchrutschen, wo die Vipers so gut wie alles reinmachten.

Bad Wildungen setzt auf zusätzliche Feldspielerin




Es war eine relativ unspektakuläre zweite Halbzeit, in der die TuS Metzingen mit einem schnellen Dreierpack durch Maren Weigel, Kelly Vollebregt und Julia Harsfalvi die Weichen stellte. Zwar schlichen sich in der zweiten Halbzeit auf Grund der schwindenden Kräfte vermehrt technische Fehler im Angriff ein, die dem Heimteam dann ihr schnelles Konterspiel ermöglichte. Doch die Gäste gaben zu keinem Zeitpunkt auf, kämpften sich nun mit Anne Bocka im Tor, die nahtlos an die gute Torhüterleistung der ersten Halbzeit anknüpfte, mehrfach auf zwei Tore zurück. Die HSG Bad Wildungen war aber nicht gewillt, abreißen zu lassen, blieb bis zum 24:22 (43.) dran.

Die Vipern spielten oft ohne Torhüterin, mussten da einige Gegentreffer schlucken, wobei die TusSies Vorsicht walten ließen, erst aus sicheren Positionen das leere Gehäuse anvisierten, beziehungsweise die schnelle Mitte eben noch ein bisschen schneller machten. Zudem konnte man mit einer engen Beschattung für Heusdens deren Entfaltungsdrang dämmen. Bis zum 29:23 (50.) teilten sich Patricia Kovacs (3) und Tamara Haggerty (2) die Tore. Damit war der Fall geritzt, Julia Harsfalvi setzte den Schlusspunkt zum 33:28. Am Ende fehlte Maren Weigel mit einer Muskelverletzung, die noch diagnostiziert werden muss.

Besonders erfreulich auf Seiten der Vipers war auch der erneute Kurzeinsatz von Marieke Blase: Sie konnte neben mehreren gelungenen Aktionen auch ihr erstes Tor nach der einjährigen Verletzungspause beisteuern. Entsprechend wurde der Treffer vom gesamten mitgereisten Vipers-Anhang bejubelt.

Bremmer: "Ganz großes Kompliment an Sabine Heusdens"




"Ich habe heute großen Respekt vor der Mannschaft. Wir sind mit einem sehr kleinen Kader angereist und haben es trotzdem geschafft Metzingen von Anfang an unter Druck zu setzen. Wir haben mit Mut und frei aufgespielt. Ganz großes Kompliment an Sabine Heusdens, die wieder die ganze Mannschaft mitgenommen hat", so Vipers-Trainerin Tessa Bremmer, die ergänzte: "Am Ende hat man gemerkt, dass uns etwas die Wechselmöglichkeiten gefehlt haben - aber wir können sehr stolz auf unsere Leistung sein. Jetzt gilt es, dass gute Gefühl in die nächsten Spiele mitzunehmen und wenn wir so weiterspielen, werden wir sicher noch den einen oder anderen Punkt einfahren können."

Metzingens Trainer André Fuhr resümierte: "30 Minuten lang haben wir keine Einstellung gefunden und dann ist es immer schwer, Handball zu spielen. In der zweiten Hälfte kamen wir über Kampf und Einsatz zurück. Wenn man dann ein Spiel noch klar gewinnt, zeugt es von der Qualität, die wir uns erarbeitet haben."

Patricia Kovacs, Spielerin des Spiels, wollte nicht verraten, wie der Coach die Auszeiten gestaltete. "Das willst du nicht wissen", meinte sie vielsagend. Die österreichische Nationalspielerin weiter: "In der ersten Halbzeit hat die Aggressivität gefehlt, mit der wir dann später das Spiel drehen konnten. Es geht nicht immer so wie in Oldenburg, und vielleicht sind Spiele wie gegen Bad Wildungen sogar besser für unsere Entwicklung." Anika Niederwieser sieht bei sich selbst Fortschritte. "Das Timing wird immer besser, damit bin ich zufrieden, mit unserem Spiel nicht. Es wurde erst besser, als wir Heusdens in Manndeckung genommen haben, nach Balleroberungen das Spiel schnell machen konnten."