22.03.2019 20:58 Uhr - Länderspiele - chs, dpa

Deutschland verliert ersten Test gegen die Niederlande am Ende knapp

Emily BölkEmily Bölk
Quelle: Marco Wolf
Deutschland hat das erste von zwei Testländerspielen gegen die Niederlande mit 26:29 (10:14) verloren. Vor allem in der Chancenverwertung und im Unterzahlspiel haperte es beim DHB-Team, das zwischenzeitlich auch mit bis zu sieben Toren in Rückstand lag. Vor 3400 Zuschauern im ausverkauften Martini Plaza war Alicia Stolle mit fünf Toren beste deutsche Werferin. Beim Gastgeber überragte Estavana Polman mit zehn Treffern. Bereits an diesem Samstag (16.45 Uhr/Sport1) steht das Rückspiel in Oldenburg an.

Im ersten Testspiel wollte Bundestrainer Henk Groener zum Beginn keine Experimente machen und setzte auf erfahrene Kräfte in der Anfangsformation - einzig am Kreis überraschte ein wenig der Start von Meike Schmelzer, während Julia Behnke noch auf der Bank blieb. Nach einem starken Block von Kim Naidzinavicius war es dann Ina Großmann, die mit einem Gegenstoß den ersten Ball an der ehemaligen Bundesligaspielerin Tess Wester vorbeibrachte.

Deutschland legte in der Folgezeit den Spielstand vor, die Niederlande konnten aber über ihren spielstarken Rückraum mit Lois Abbingh, Estavana Polman und Laura van der Heijden das Spiel ausgeglichen gestalten. Dass man trotz einiger überhastester Würfe nicht in Rückstand geriet, das hatte man zunächst Dinah Eckerle zu verdanken. Die Bietigheimerin kaufte unter anderem beim Stand von 3:3 (5.) auch Lois Abbingh einen Siebenmeter ab.

Den zweiten durch van der Heijden mit einem Durchbruch herausgeholten Siebenmeter konnte dann allerdings Estavana Polman zum 4:3 (9.) nutzen. Bei den Niederlanden war nun Tess Wester heiß gelaufen und nach fast sechs torlosen Minuten konnte Ina Großmann als Einläuferin an den Kreis dann mit dem 5:4 (11.) die deutsche Torflaute beenden.

Die Niederlande bestraft Deutschland zweite Schwächephase




Wichtige Arbeit am Kreis leistete bei den Niederlanden auch Kreisläuferin Merel Freriks von der HSG Bensheim/Auerbach, die beiden Außenspielerinnen Angela Malestein und Martine Smeets fanden hingegen in der Anfangsviertelstunde nicht statt. Auch das deutsche Flügelspiel kam kaum zum Zuge, die einzige Torchance aus dem Spiel heraus hatte Großmann mit einem Kreisübertritt beim Stand von 3:3 liegen lassen.

Mit Emily Bölk und Julia Behnke setzte Groemer nach rund einer Viertelstunde die ersten personellen Akzente und die neue Achse erkämpfte sich auch gleich das 8:6 (16.). Bei den Niederlanden durften Celine Michielsen von der HSG Blomberg-Lippe und die ehemalige Leipzigerin Debbie Bont nun ihr Können unter Beweis stellen und das Duo hatte mit zwei Gegenstoßtoren während einer ersten Überzahl dann auch Anteil daran, dass der Vorsprung auf sieben Tore (13:6) anwuchs.

Bundestrainer Henk Groener musste bereits in der ersten Halbzeit zwei Auszeiten nehmen und beklagte, dass man im Positionsangriff "nur aus dem Stand" spielen würde. Der Rückraum, nun mit Bölk, Rode und Minevskaja nahm sich die Aufforderung zum Kreuzen zu Herzen und mit ein wenig Verzögerung gelang es zu guten Wurfchancen wie bei Bölks Rückraumkracher zum 13:7 (26.) zu kommen.

Auch in der Abwehr ging man nun aggressiv zu Werke, erzwang so Fehler bei den Gastgeberinnen und Großmann konnte mit einem Gegenstoß zum 13:10 (29.) den vierten deutschen Treffer in Folge erzielen. Das letzte Wort hatten allerdings die Niederlande, Chaarris Rozemalen sorgte aus dem rechten Rückraum für den 14:10-Pausenstand.

Polman nicht zu stoppen




In Halbzeit zwei wurde auf den Flügeln gewechselt, Amelie Berger und Kim Braun bildeten nun die Flügelzange und im Tor sollte die kurzfristig nominierte Nele Kurzke sich schnell mit den ersten Paraden einfügen. Am Kreis setzte der Bundestrainer nun auf Luisa Schulze, die mit ihrer Körpergröße die Niederlande vor eine neue Aufgabe stellen sollte.

Die Partie zu kippen gelang Deutschland nicht - Bergers Konter zum 14:12 war nur ein kurzes Trohfeuer, denn während einer Zeitstrafe gegen Naidzinavicius zogen die Niederlande direkt wieder auf fünf Tore (17:12) weg. In Gleichzahl waren die deutschen Frauen aber nun durchaus gleichwertig, hatten aber weiterhin auch Probleme mit der Chancenverwertung gegen Wester.

Dabei gab es durch eine gute Abwehrarbeit und die Paraden von Kurzke durchaus gute Chancen, um wieder ins Spiel zurückzukommen. So pendelte sich der Spielstand bei vier bis fünf Toren Vorsprung für die Hausherrinnen erst einmal ein. Stärke der Niederländerinnen blieb weiterhin das Überzahlspiel, wo man dann auch mal gut über die Außen abräumte wie bei Malesteins sehenswertem Dreher zum 22:16 (46.).

Schmelzers Hattrick sorgt für Spannung




Für die Schlussviertelstunde kam dann noch einmal ein Wechsel auf der zentralen Achse mit Mia Zschocke und Meike Schmelzer. Der Doppelpack von Alicia Stolle zum 24:20 (52.) reif dann die zweite Auszeit der Niederlande hervor. Eine falsche Sperre von Kelly Dulfer und eine Zeitstrafe gegen van der Heijden, die den Ball im Anschluss nicht rechtzeitig freigegeben hatte, konnte dann Schmelzer mit einem Doppelpack nutzen, um auf zwei Tore zu verkürzen.

Die Niederlande taten sich nun schwer Deutschlands Abwehr zu knacken, auch Polman schien nach bereits neun Toren ihr Pulver verschossen zu haben und Schmelzer konnte sechs Minuten vor dem Ende mit dem lupenreinen Hattrick jetzt das DHB-Team in die Schlagdistanz bringen. Mit einem sehenswerten Kempator von Malestein beendeten die Niederlande aber ihre Schwächephase und nachdem Zschocke dann an Wester nicht vorbeikam, konnte die Bietigheimer Rechtsaußen zum 26:23 (57.) kontern.

Den Heimsieg ließen sich die Niederländerinnen nicht mehr nehmen, auch wenn Braun mit ihrem ersten Länderspieltor und Kurzke mit einer weiteren Paraden noch einmal die Chance auf den Anschluss aufrecht erhielten. Das anschließende Anspiel auf Schmelzer misslang dann aber und Smeets sorgte mit dem 27:24 (59.) für die Vorentscheidung. Henk Groener nahm seine letzte Auszeit, doch an der Niederlage änderte das nichts. Am Ende triumphierten die Niederlande mit 29:26.

"Wir haben in den entscheidenden Phasen nicht den Druck ausgeübt, den wir spielen wollten. Zudem hat uns in der Chancenverwertung die Cleverness gefehlt", meinte Bundestrainer Henk Groener und betonte: "Das war ein Spiel, wo wir auf jeden Fall was lernen konnten, morgen wollen wir zeigen, dass wir aus der Lektion was gelernt haben." Die überzeugende Alicia Stolle meinte: "Uns hat sowohl im Angriff als auch in der Abwehr die notwendige Konsequenz gefehlt. Wir waren über 60 Minuten nicht konstant genug, aber auch nicht viel schlechter."