22.02.2019 18:02 Uhr - 1. Bundesliga - Christian Stein

Neckarsulm-Neuzugang Birna Berg Haraldsdottir: "Ich bin ein richtiger Handball-Nerd"

Birna Berg HaraldsdottirBirna Berg Haraldsdottir
Quelle: TuS Metzingen
Kurz vor dem Gastspiel bei der TuS Metzingen hat die Neckarsulmer Sport-Union noch einmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Aus der ersten dänischen Liga wechselte die Isländerin Birna Berg Haraldsdottir nach Schwaben. Die 25-Jährige spricht über ihre bisherigen Stationen in Skandinavien, über den Sieg gegen Deutschland bei der WM 2011 und ihre ersten Eindrücke von der Bundesliga.

Du hast nun dein erstes Spiel für dein neues Team bestritten und gleich gegen ein Topteam gespielt. Was sagst du nach dem Spiel und was sind deine Ziele für die kommenden Wochen, Monate und Jahre?

Birna Berg Haraldsdottir:
Erst einmal möchte ich Aarhus United für die Freigabe zum Wechsel danken und die Chance, die ich hier bekommen habe. Ich bin wirklich froh, dass das erste Spiel vorbei ist und jetzt kann es nur noch aufwärts gehen.

Ich denke, wir müssen über das Metzingen-Spiel nicht lange nachdenken. Es ist wichtig, dass wir die positiven Dinge aus der Partie mitnehmen, denn die nächsten Begegnungen sind wirklich wichtig und es gab wirklich viel Positives.

Es war eine gute Lehrstunde für mich um zu sehen wie meine Mitspielerinnen spielen und wie alles abläuft. Vor dem Spiel hatte ich mit meinem Team nur zweimal trainiert - daher hatte ich keine Idee, was ich zu erwarten hatte.

Das einzige Ziel von mir in dieser Saison ist mein bestes zu geben, damit die Neckarsulmer Sport-Union auch in der nächsten Saison in der 1. Bundesliga spielen wird. Zusammen schaffen wir das, denn ich fühle mich wirklich wohl hier und jeder im Verein ist nett und hilfsbereit.

"Die norwegische wie auch die dänische Liga wachsen"




Du hast in deiner Laufbahn bislang in vier skandinavischen Ligen gespielt. Was ist dein Eindruck aus deiner Zeit in Island, Schweden, Norwegen und Dänemark und wie beurteilst du die Entwicklungen in den letzten Jahren?

Birna Berg Haraldsdottir:
Ich denke, sowohl die norwegische wie auch die dänische Liga wachsen. Alle Ligen sind sehr unterschiedlich, aber natürlich sind einige Dinge ähnlich.

Ich habe in Island begonnen und der Handball ist dort nicht auf einem professionellem Level, es ist ein Breitensport, aber das ist nichts Negatives. Die Leute haben lange Arbeits- bzw. Schultage und kommen dann Abends zum Training. Die Qualität mag nicht die Beste sein, aber in den letzten Jahren wurden viele Spielerinnen Profihandballerinnen. Die besten gehen ins Ausland und dann ist es Zeit für jüngere Mädchen besser zu werden und ihre Chance in der isländischen Liga zu bekommen.

2013 bin ich nach Schweden gegangen und habe für Sävehof gespielt. In dieser Zeit war Sävehof das beste Team seit vielen Jahren, hat die schwedische Meisterschaft zehnmal in Folge gewonnen und sich auch gut in der Champions League geschlagen. Aber nun hat sich die Zeit geändert, die Liga ist ausgeglichener und das ist meiner Meinung nach gut für den schwedischen Handball.

Danach bin ich nach Norwegen gegangen und habe für Glassverket für eine Saison gespielt, bevor sie in die Insolvenz gingen. Ich mochte das Handballumfeld in Norwegen, es ist ein sehr körperliches Training und es wird viel mehr im Kollektiv Handball gespielt als in Schweden. Larvik war das beste Team für mehr als 20 Jahre und hat in der Zeit nicht viele Spiele verloren, aber wie auch in Schweden sind da nun andere Vereine, die das Kommando übernommen haben - wie die Vipers Kristiansand, Storhamar, Tertnes und Fredrikstad.

Die Liga ist nun interessanter, es ist ausgeglichener und die Vipers schlagen sich gut in der Champions League. Das ist gut für die norwegische Liga - es zeigt, dass andere Clubs das erreichen können, was Larvik international in den letzten Jahren erreicht hat. Ich bin wirklich gespannt, wie die Liga in den nächsten Jahren wachsen wird und wie sich die Vipers in der Zukunft entwickeln.

2017 bin ich dann zu Aarhus United gegangen, es ist leicht festzustellen, dass die dänische Liga die professionellste Liga von allen ist. Die handballerische Umgebung ist wirklich gut und das Interesse am Handball ist richtig groß in Dänemark. Wenn ich an den dänischen Handball denke, dann denke ich an höheres Tempo und mehr Rennen - der Handball ist wirklich schnell und aus meiner Sicht manchmal zu schnell für die Spielerinnen. Aber es ist definitiv die beste Liga in Skandinavien und mit vielen Nationalspielerinnen aus der ganzen Welt.

Die dänische Liga ist zudem sehr ausgeglichen, auch wenn Odense in dieser Saison erst einen Punkt abgegeben hat. Aber die letzten Jahre haben gezeigt, dass jeder jeden schlagen kann und daher jedes Spiel wichtig ist und man immer in guter Form sein muss. Odense wird in den nächsten Jahren stark ein, denn sie haben eine starke wirtschaftliche Basis und viele Nationalspielerinnen.

"Bereue diese Entscheidung heute nicht"




Du solltest bereits früher nach Deutschland kommen und hattest bei Koblenz/Weibern unterschreiben. Was hat damals den Plan zunichte gemacht?

Birna Berg Haraldsdottir:
Ich hatte den Vertrag mit Koblenz/Weibern unterschrieben und sollte am 1. Juli 2015 beginnen. Aber am 6. Juni habe ich die WM-Qualifikation mit der Nationalmannschaft in Montenegro betritten und nach fünfzehn Minuten im Spiel habe ich mir das Kreuzband gerissen.

Wir haben entschieden, dass es die beste Lösung für beide Parteien ist, wenn ich den Vertrag auflöse und ein Jahr mehr in Schweden in meinem gewohnten Umfeld bleibe, bei den Leuten mit denen ich schon zwei Jahre zuvor gearbeitet habe. Ich bereue diese Entscheidung heute nicht.

Hast du die Bundesliga dennoch verfolgt, auch wenn dein erster Wechsel nicht geklappt hat?

Birna Berg Haraldsdottir:
Ja, natürlich. Ich habe immer Interesse an der Bundesliga - sowohl für die Männer wie auch für die Frauen. Ich bin ein richtiger Handball-Nerd, daher schaue ich wirklich viel Handball und halte immer ein Auge auf die größten Ligen in Europa jeden Tag.

Ich wollte immer in Deutschland spielen, denn der Stil passt sehr gut zu mir. Ich war häufig in Deutschland und habe gegen deutsche Teams in der Champions League und im EHF-Pokal gespielt und wie auch schon in Dänemark mag ich es, dass hier so viele Leute an Handball interessiert sind und hier immer viele Leute die Spiele verfolgen, da macht es noch mehr Spaß zu spielen.

Welche Erinnerungen hast du an die Weltmeisterschaft 2011, als ihr mit Island gegen Deutschland gewonnen habt?

Birna Berg Haraldsdottir:
Ich erinnere mich daran, dass wir ins Spiel gegangen sind und wirklich daran geglaubt haben, dass wir gewinnen können. Wir haben das Turnier mit einem Sieg über Montenegro begonnen und ich denke, dass sowohl Deutschland wie auch Montenegro das kleine Team von Island unterschätzt haben.

Wir haben richtig klug und sehr diszipliniert gespielt. Es war eine richtig gute Erfahrung für jede einzelne und es war bislang das erste und einzige Mal, dass Island die WM gespielt hat, aber ich hoffe, dass es nicht das letzte Mal sein wird.

15.02.2019 - Neckarsulmer Sport-Union bestätigt Verpflichtung von Haraldsdóttir

13.02.2019 - Isländerin Haraldsdottir wechselt in Bundesliga

04.07.2019 - Wer kommt im Sommer - und wer geht? Die Wechselbörse der Handball-Bundesliga Frauen (HBF)