19.02.2019 13:06 Uhr - Weltmeisterschaft - BP, HP DHB

Groener: "Wir müssen unbefangen herangehen"

Henk GroenerHenk Groener
Quelle: Michael Schmidt
Seit Montag läuft in Neckarsulm der dritte und finale Regionallehrgang der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Zuvor waren Bundestrainer Henk Groener und sein Trainerstab bereits in Oldenburg und in Dortmund, um mit einem erweiterten Kader die ersten Schritte in Richtung der WM-Play-offs im Juni gegen Kroatien anzugehen.

Ab 18. März folgt dann der nächste Lehrgang, in den die beiden Test-Länderspiele gegen die Niederlande am 22. März in Groningen (bereits ausverkauft) und am 23. März (Anwurf 16.45 Uhr, Karten unter www.dhb.de/tickets) in Oldenburg eingebettet sind.

Am Rande des vergangenen Regional-Lehrgangs in Dortmund stand der Niederländer Groener (58) dhb.de Rede und Antwort zum Stand der Dinge bei den DHB-Frauen und speziell dem Blick nach vorne auf WM-Play-offs, Weltmeisterschaft im Dezember in Japan und den Traum von Olympia.

Mit den Regionallehrgängen wurde und wird die Aufarbeitung der EM 2018 in Frankreich beendet - und der Blick geht nach vorne. Haben Sie mit etwas Abstand neue Erkenntnisse zu Ihrem ersten Turnier als Bundestrainer gewonnen?

Henk Groener:
Ich habe alle Rückmeldebögen der Spielerinnen ausgewertet, und die sind genau wie ich zum größten Teil zufrieden mit der EM, wenn man von der Niederlage gegen Ungarn absieht. Wir haben viele taktische Schlüsse aus der EM gezogen, zum Beispiel, dass wir in der ersten und zweiten Welle mit mehr Mut agieren müssen oder dass wir im Positionsangriff noch mehr Druck auf den Gegner ausüben müssen. Generell ist die wichtigste Erkenntnis der EM: Wenn wir den Kopf frei haben, spielen wir richtig guten Handball. Wenn wir zu viel nachdenken, wie zum Beispiel im Vorfeld des Rumänien-Spiels, verkrampfen wir. Wir müssen also unbefangen an solche Partien herangehen.

Das heißt: Diese Punkte werden mit Blick auf die WM und die WM-Play-offs angegangen?

Henk Groener:
Die WM ist das entscheidende Turnier in Sachen Olympiaqualifikation, und wir wollen nach Tokio. Dafür müssen wir in Kumamoto unter die ersten Sieben kommen. Das ist machbar, wird aber auch nicht einfach. Denn neben den starken Europäern kommen dort Mannschaften wie Südkorea, Brasilien oder Angola dazu. Und wenn du in eine starke Vorrundengruppe gelost wirst, kannst du Probleme bekommen.

Wie bei den Männern ändert sich das WM-Spielsystem - weg von Achtel- und Viertelfinale hin zu Hauptrundengruppe. Ist das besser oder schlechter für Ihr Team?

Henk Groener:
Das ist eine gute Frage. Da die Mannschaften die Punkte aus der Vorrunde mitnehmen, kann ein schwacher Start schon das frühe Aus im Kampf ums Halbfinale bedeuten. Andererseits kannst du dir in der Hauptrunde einen Ausrutscher erlauben, was in der K.o.-Phase das Aus bedeuten würde. Es hängt also erst einmal ab, wie stark unsere Vorrundengruppe ist. Momentan noch wichtiger: Erst einmal müssen wir uns für die WM qualifizieren, ehe wir über den Modus sprechen.

Also sprechen wir über die WM-Play-offs im Juni - wie schätzen Sie den Gegner Kroatien ein, der bei der EM den 16. und letzten Platz belegt hatte?


Henk Groener:
Kroatien war bei der EM dabei, das heißt, sie können nicht so schlecht sein, denn andere hatten das Turnier verpasst. Die Mannschaft befindet sich in einem Umbruch, und wir wissen momentan noch nicht, ob von den Routiniers, die in Frankreich nicht dabei waren, nicht einige zurückkommen, schließlich geht es um WM und Olympia. Wir nehmen aber die Favoritenrolle an und wollen zweimal 60 Minuten Vollgas geben, um bei der WM dabei zu sein und dort den nächsten Schritt zu machen. Eines muss man aber auch bedenken: Das Spiel ist der Abschluss der Saison, da muss man auch sehen, wer wie fit ist.

Welche Schwerpunkte setzen Sie in der Vorbereitung auf diese Spiele, speziell im März-Lehrgang mit den Testspielen gegen die Niederlande?

Henk Groener:
Wir haben eine Woche, die wir intensiv nutzen werden. Wir werden einige junge Spielerinnen, die schon in den Regionallehrgängen dabei waren, nominieren, damit ich sie auch im Kreis der Mannschaft beobachten und ihr Potenzial sehen kann. Wie schnell es geht, dass man sich als Neuling gleich in die Mannschaft spielen kann, haben Amelie Berger und Mia Zschocke im Vorjahr bewiesen. Sie haben in den Tests gegen Russland ihr Länderspieldebüt gehabt - und waren dann wenige Wochen später bei der EM dabei. Nicht nur, weil Franzi Müller leider ihre Karriere beenden musste, werden wir bei der WM eine andere Mannschaft haben als bei der EM. Wir haben aus dem Nachwuchs einige Spielerinnen im Blickfeld.

Und die Niederlande sind ein idealer Gegner, um das Potenzial und die Entwicklung zu testen?

Henk Groener:
Das ist aus vielen Gründen ideal: Beide Mannschaften haben keine lange Anreise, beide können vor Ort bei idealen Bedingungen trainieren, beide haben je ein Heimspiel, beide können sich also vor ihren Fans präsentieren, die Hallen werden voll sein. Und sportlich gesehen, sind die Niederlande natürlich ein Topgegner. Beide Seiten werden viele neue Spielerinnen testen, und bei den Niederlanden ist die Situation mit dem neuen Nationaltrainer Emmanuel Mayonnade natürlich auch besonders. Für ihn ist es die Premiere.

Zurück zu den Regional-Lehrgängen: Hat sich das Konzept bewährt?

Henk Groener:
Auf jeden Fall, deswegen haben wir das Konzept meines Vorgängers Michael Biegler ja auch übernommen. Erstens hat man einen erweiterten Kreis von Spielerinnen, deren Entwicklung man sehen und beeinflussen kann. Zweitens kann man sehr gut individuell und in Kleingruppen arbeiten und sehr viele spezifische Dinge angehen. Und drittens bieten diese Lehrgänge auch viel Zeit für Gespräche, sei es mit den Spielerinnen als auch den Vereinen: Stellen sie sich der Herausforderung mit Bundesliga und potenziell Nationalteam, oder stehen Studium, Job oder Ausbildung eher im Vordergrund?