11.02.2019 10:20 Uhr - 2. Bundesliga - PM Vereine, red

Kurpfalz Bären lassen sich "nach Rückschlägen nicht aus der Spur bringen"

Leona SvirakovaLeona Svirakova
Quelle: SG 09 Kirchhof
Die Überraschung blieb aus: Die SG 09 Kirchhof musste sich dem Aufstiegsaspiranten der 2. Handball-Bundesliga, den Kurpfalz Bären, mit 29:36 geschlagen geben.

SG-Trainer Christian Denk konnte einem fast leidtun: Seine unermüdlichen Versuche an der Seitenlinie, Einfluss auf den Spielverlauf zu nehmen - die auch noch zu einer Zeitstrafe führten - fruchteten nichts. Die Gäste aus Ketsch ließen ab der 11. Spielminute keinen Zweifel über den späteren Sieger aufkommen und brannten in der Melsunger Stadtsporthalle ein kleines Feuerwerk ab. Kate Schneider war stolz auf ihr Team: "Insgesamt gesehen war dies ein tolle Mannschaftsleistung, was nach dem bitteren Ausrutscher gegen Nürtingen nicht unbedingt zu erwarten war. Aber wir hatten gegen die taktischen Manöver unseres Gegners immer die passende Antwort."

Die Frage sei nach diesem Spiel erlaubt. Gibt es eine weibliche Form von "Bären"? Ja, die gibt es: Bärinnen. Ist aber nicht sehr geläufig. Und würde mit seinem niedlichen Unterton wohl kaum zu den Kurpfalz Bären, dem Künstlernamen der TSG Ketsch, passen. Der Aufstiegsaspirant der 2. Handball-Bundesliga der Frauen, dessen gar nicht niedliche und höchst aggressive Abwehr der SG 09 Kirchhof den Zahn zog, die bei der 29:36 (14:18)-Heimniederlage letztlich chancenlos war.

"Wir haben uns verunsichern lassen", gestand SG-Trainer Christian Denk. Von der harten Gangart der Gäste, deren 3:2:1-Deckung sich bisweilen in eine undurchlässige Mauer verwandelte, an der die Kirchhofer Angriffsversuche abprallten wie Gummibälle. Dabei waren sie gut gestartet, die Gastgeberinnen. Hatten zweimal die schnelle Mitte des Gegners unterbunden und bis zum 5:4 (11.) ansatzweise den Raum genutzt, der die Fokussierung der Ketscher Defensive auf Torjägerin Sabljak schuf.

Kirchhof "musste was riskieren"




Doch schon zu diesem frühen Zeitpunkt war jeder Treffer ein hartes und bisweilen schmerzhaftes Stück Arbeit. Die vielen Textilproben des Gegners blieben ungeahndet, der daraufhin immer rustikaler zur Sache ging. Und nach Ballgewinnen beim Umschalten den Turbo einschaltete. Zudem war im Positionsangriff die höchst explosive Carmen Moser nicht zu stoppen.

Als dann auch noch Torfrau Stockhorst auftaute, war´s um die SG geschehen. Beim 9:6 durch Samira Brand (16.) hatte das Schneider-Team die Partie gedreht, beim 16:9 durch Saskia Fackel (25.) drohte gar eine Lehrstunde des Aufsteigers von 2016. Die Kirchhof aber abwenden konnte. Denn als Leona Svirakova die überragende Moser raus nahm, geriet der Kurpfälzer Angriffsmotor erstmals ins Stocken. Und die Linkshänderin selbst sowie Diana Sabljak und Christin Kühlborn verkürzten durch drei Treffer in Folge auf 14:17 (29.). Tom Löbich: "Gut, dass wir nach der Enttäuschung des letzten Sonntags völlig gelassen geblieben sind. Hut ab vor dieser eindrucksvollen Reaktion!"

Das ermunterte den SG-Coach ("Ich musste was riskieren") nach der Pause aufs Ganze zu gehen. Auch Saskia Fackel genoss nun eine Sonderbehandlung und den Pfälzer Beton wollte er mit einer siebten Feldspielerin knacken. Doch der Schuss ging nach hinten los. Trotz einiger Ballgewinne zogen die Bären wieder auf 21:14 davon (34.). Dank der Paraden von Sabine Stockhorst, die selbst einmal ins leere Kirchhofer Tor traf. "Du musst gegen sie unheimlich lange mit dem Wurf warten, um sie irgendwie auszugucken", beschrieb Leona Svirakova die "Magie" der ehemaligen Erstligatorfrau.

Nur die 27-jährige selbst hatte Stockhorst halbwegs drauf - zu wenig, um vielleicht doch noch eine Aufholjagd zu starten. Immerhin: Kirchhof kämpfte unverdrossen, so dass sich die Kurpfalz Bären erst nach Sommerrocks Treffer zum 26:31 (55.) so richtig auf der Siegerstraße wähnen konnten. Dr. Robert Becker: "Dieses Spiel hat den Charakter dieser verschworenen Einheit wieder einmal aufgezeigt, die sich auch nach Rückschlägen nicht aus der Spur bringen lässt." Nun, einen zarten Hinweis auf ihr weibliches Geschlecht gibt es auch: Das linke Ohr des Bären auf dem Gäste-Trikot hat einen dezenten Ohrring. Niedlich.