06.02.2019 10:00 Uhr - 1. Bundesliga - chs und PM Blomberg

"Mein Knie kann nicht mehr": Vorzeitiges Karriereende für Nationalspielerin Franziska Müller

Zuletzt noch bei der Europameisterschaft aktiv: Franziska MüllerZuletzt noch bei der Europameisterschaft aktiv: Franziska Müller
Quelle: Michael Schmidt
Die Deutsche Nationalspielerin Franziska Müller bleibt aufgrund ihrer anhaltenden Kniebeschwerden auch weiterhin krankgeschrieben und fällt für die HSG Blomberg-Lippe in der Handballl Bundesliga Frauen bis Saisonende aus. Dies ist gleichbedeutend mit ihrem Karriereende, da die Linksaußen ihren zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht mehr verlängern wird. Dies ist das Resultat aus zahlreichen Gesprächen zwischen der Spielerin, den Vereinsverantwortlichen und Mannschaftsarzt Dr. Titus Bertolini in den vergangenen Wochen und Monaten.

"Franzis Kniebeschwerden sind uns seit Jahren bekannt. Sie hat sich jedoch immer in den Dienst der HSG gestellt, sehr oft die Zähne zusammengebissen, um weiter mit ihrem Einsatz zum Erfolg der Mannschaft beizutragen. Bereits im Vorfeld dieser Spielzeit haben wir intensiv diskutiert, inwieweit ein weiteres Jahr unter dieser großen Belastung noch tragbar für sie ist", sagt HSG-Geschäftsführer Torben Kietsch und ergänzt: "Unter Einbindung eines reduzierten und individuellen Trainingspensums für Franzi haben wir versucht, mit ihr die gesamte Saison bestreiten zu können."

Doch die Hoffnungen der Lipper gingen nicht auf, Müller bestritt zehn Partien für die HSG und konnte dort 46/23 Tore erzielen. "Nicht zuletzt wegen ihrer langjährigen Verdienste, aber natürlich auch aufgrund der Fürsorgepflicht gegenüber der Spielerin, haben wir mit ihr nunmehr entschieden, dass es keinen Sinn mehr hat, sich noch weiter durch die laufende Spielzeit buchstäblich zu quälen", so Kietsch und betont: "Für uns ist das sowohl sportlich, als auch menschlich, ein Riesenverlust, zählt Franzi doch seit Jahren zu unseren Top-Torschützinnen und Führungsspielerinnen."

"Deutliches Fortschreiten des Knorpelverschleißes"




"Franzi hatte ja leider schon in sehr frühen Jahren einen Riss des vorderen Kreuzbandes am linken Kniegelenk erlitten. Sie klagte in den letzten Monaten immer wieder über Schmerzen im Knie. Bei MRT-Untersuchungen stellte sich das Kreuzbandtransplantat zwar als intakt dar, im äußeren Gelenkkompartiment hatte sich aber ein viertgradiger Knorpelschaden (= Knorpeldefekt) entwickelt, der Ursache für ihre Beschwerden ist", so Blombergs Mannschaftsarzt Dr. Titus Bertolini und ergänzt: "Mit intensiven physiotherapeutischen Behandlungen sowie anderen vielfältigen Maßnahmen konnten wir zumindest eine vorübergehende Besserung erzielen."

Müllers Karriere startete in jungen Jahren in Berlin, zunächst beim SV BVG 49, später dann bei den Füchsen Berlin, 2010 wechselte sie dann ins Lipperland, wo sie nun achteinhalb Jahre Leistungsträgerin war, 641 Erstligatore erzielte und auch Nationalspielerin wurde. Neben diversen Einsätzen für die DHB-Nachwuchsteams hat sie für die A-Nationalmannschaft 31 Länderspiele (59 Tore) absolviert. Noch bei der Europameisterschaft im vergangenen Dezember war sie für die DHB-Auswahl in Frankreich aktiv.

"Ein aktuelles MRT zeigt aber nun ein deutliches Fortschreiten des Knorpelverschleißes. Eine Belastung des Kniegelenkes unter Leistungssportbedingungen ist jetzt leider nicht mehr möglich und auch nicht anzuraten", so Bertolini und Franziska Müller ergänzt: "Mein Herz will noch - aber mein Knie kann nicht mehr. Wenn man sein Karriereende nicht selbst bestimmen kann, ist es ganz bitter, das hatte ich mir anders gewünscht und vorgenommen."

"Am Ende ist Gesundheit das Wichtigste"




Für die 28-Jährige steht allerdings fest: "Am Ende ist aber die Gesundheit das wichtigste! Deshalb war es der einzig richtige Schritt, auch wenn diese Entscheidung mich sehr traurig macht und ich einige Zeit brauchen werde, um dies zu verarbeiten", so Müller, die abschließend erklärt: "Ich hoffe, ich konnte in Blomberg meine Spuren hinterlassen. Ich bin dankbar für alles, was ich mit der HSG erleben durfte. Mein Dank gilt meiner Familie und Freunden, den Verantwortlichen der HSG, den Trainern und Betreuern, Dr. Titus Bertolini, den Physios, den großartigen HSG-Fans und natürlich meinem Team für die Unterstützung in all den Jahren."

"Dass uns Franzi nicht mehr zur Verfügung steht, ist ein herber Schlag. Vor allem natürlich sehr schade und traurig für sie - aber auch für unsere Mannschaft, das Nationalteam, unsere Sponsoren und Anhänger. Sie war über Jahre eine der torgefährlichsten Außenspielerinnen der Liga und hat ja auch diese Saison schon bereits wieder an die 50 Tore erzielt", so Trainer Steffen Birkner, der zudem meint, dass "wir jetzt noch etwas mehr zusammenrücken müssen, um diesen Ausfall auffangen zu können. Auf Linksaußen müssen nun vor allem Angela Steenbakkers und Ndidi Agwunedu zeigen, was in ihnen steckt. Auch Nele Franz kann auf dieser Position Akzente setzen."

"Wir sind sehr traurig, dass sich jetzt bewahrheitet, was in den vergangenen Monaten zu befürchten war. Als eines der Gesichter der HSG Blomberg-Lippe werden wir Franzi nun alle Türen offen halten, dass sie auch zukünftig in anderer Rolle dem Verein verbunden bleibt. Zu gegebener Zeit werden wir dies mit ihr diskutieren. Und natürlich werden wir sie am letzten Spieltag gebührend verabschieden", sagt HSG-Geschäftsführer Torben Kietsch abschließend.


Grafik: HSG Blomberg-Lippe