13.12.2018 12:14 Uhr - Europameisterschaft - fcb

Nationaltrainer richten Appell an EHF: Gebt den Spielerinnen mehr Regenerationszeiten!

Kim Rasmussen: "EHF, wir brauchen eure Hilfe, um die Spieler besser vor Verletzungen zu schützen."Kim Rasmussen: "EHF, wir brauchen eure Hilfe, um die Spieler besser vor Verletzungen zu schützen."
Quelle: Michael Heuberger
Am Mittwoch verletzte sich Rumäniens Superstar Cristina Neagu am Knie. Nationaltrainer Ambros Martín hatte bereits am Vortag kritisiert, dass einige Teams zwei der drei Hauptrunden-Spiele binnen 24 Stunden bestreiten müssen. Sein Gegenüber Kim Rasmussen hatte mehrmals betont, dass bei mehreren Nationalmannschaften Schlüsselspielerinnen aufgrund von Verletzungen nicht am Turnier teilnehmen können. Beide, wie auch Bundestrainer Henk Groener, nehmen die Causa Neagu nun zum Anlass, um an die EHF zu appellieren, sich mehr um die Gesundheit der Spielerinnen zu sorgen.

Unter den Nationaltrainern gab es offenbar in den vergangenen Tagen bei der Europameisterschaft ein zentrales Thema, das gärte und vermutlich noch den konkreten Anlass der Verletzung von Cristina Neagu im letzten Hauptrundenspiel Rumäniens gegen Ungarn benötigte, um in breiter Front an die Medien zu gelangen. In den letzten beiden Pressekonferenzen am Mittwoch, dem Spiel der Rumäninnen und der Ungarinnen und abends, als die Niederlande sich gegen Deutschland durchsetzten, war es den Nationaltrainern ein Anliegen, mehr Regenerationszeiten zu fordern.

"Ich habe mich in den letzten Tagen mit vielen Trainern hier unterhalten. EHF, wir brauchen eure Hilfe, um die Spieler besser vor Verletzungen zu schützen", appellierte der ungarische Trainer Kim Rasmussen an den Kontinentalverband. Er machte deutlich, dass der internationale Spielplan im November, vor der EM, entzerrt werden müsse, um die Spieler vor der EM ausruhen zu lassen. "Es ist physisch und mental sehr schwer, am letzten Wochenende vor der Europameisterschaft in der Champions League tausende Kilometer zu reisen", stellte Rasmussen fest.

Rasmussen hat zwei konkrete Ideen. Hoffentlich, so der Däne, könne die EHF "den Spielerinnen (und den Trainern) ein freies Wochenende vor dem Turnier" verschaffen. Dies sei auch zum Wohle der Qualität der Spiele bei der Europameisterschaft. "Wir wollen hier die besten Spielerinnen sehen. Es sind so viele verletzt und nicht hier. Vielleicht kann man das Turnier in Zukunft auch eine Woche nach hinten verlegen", lautet der zweite Vorschlag Rasmussens, der in bestimmten Jahren freilich mit dem Weihnachtsfest kollidieren würde. "EHF, bitte tut etwas!", sekundierte Rumäniens Ambros Martin.

Bundestrainer Henk Groener sprang am Abend, nachdem er seine Analyse zum Spiel gegen die Niederlande abgegeben hatte, ebenfalls auf das Thema an. "Bei uns ist Kim Naidzinavicus wegen ihrer Verletzung nicht dabei, auch bei den Niederlanden fehlen Spielerinnen, die verletzt sind. "Wir sollten darüber nachdenken, wie wir den Kalender so gestalten, dass wir die besten Spielerinnen im besten Turnier der Welt dabei haben", stimmt Groener indes mit Rasmussen überein, wiederholte fast seine Worte. "Die Verantwortlichen sollten eine Lösung finden", forderte der Bundestrainer.


Wer die Spiele der Rumäninnen aufmerksam beobachtet hat, konnte feststellen, dass Cristina Neagu von 352 möglichen Spielminuten 335 auf dem Feld war. Auch war zu sehen, dass sich die Spielerin direkt vor ihrer Verletzung mehrmals ans Knie gefasst hatte. Ihr als Wettkämpferin dürfte es dennoch nicht in den Sinn gekommen sein sich auszuwechseln. Neagu ist, auch wenn einige Teamkolleginnen aufgeholt haben, nach wie vor die Schlüsselspielerin der Rumäninnen. Die Knieverletzung ist überdies keine Momentaufnahme. Der Körper reagiert auf eine Dauer-Überbelastung, zu wenig Regeneration.

Das Thema Überlastung ist eines, das auch die Spielergewerkschaft GOAL im Männerhandball schon lange umtreibt. Marcus Rominger, früher Torhüter in Wallau und eine der Führungsfiguren der Gewerkschaft, sitzt auch in Gremien der EHF, um die Interessen von Spielerinnen und Spielern zu vertreten. Eine Situation wie in Dänemark, wo die Spieler aktiv in alle Entscheidungen der Liga eingebunden sind, sei aus Sicht von GOAL insgesamt erstrebenswert. Es geht unter anderem um die Sommerpause, die vor allem in Olympia-Jahren zu kurz ist - und eben um Ruhezeiten vor einer EURO.

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