13.12.2018 10:24 Uhr - Europameisterschaft - Björn Pazen, dpa sowie HP DHB und fcb

"Grenzen aufgezeigt bekommen" - Deutsche Handball-Frauen nehmen Optimismus mit auf Heimreise

Die deutschen Frauen wurden von den Niederlanden gestopptDie deutschen Frauen wurden von den Niederlanden gestoppt
Quelle: sportseye.de
Heimreise statt Halbfinale: Für die deutschen Handballerinnen hat sich der Medaillentraum bei der Europameisterschaft in Frankreich nicht erfüllt. Nach einer 21:27 (11:13)-Niederlage gegen den WM-Dritten Niederlande beendete die junge DHB-Auswahl das Turnier auf Rang neun. "Wir haben heute unsere Grenzen aufgezeigt bekommen", sagte Bundestrainer Henk Groener. "Wir haben gesehen, dass wir noch nicht zur Weltspitze gehören."

Bei einem Erfolg gegen die Niederlande hätten die deutschen Frauen in Paris um Platz fünf gespielt. Für das Erreichen des Halbfinals wäre hingegen nach den vorherigen Ergebnissen des Tages ein Kantersieg mit zwölf Toren Differenz nötig gewesen. "Wir sind natürlich enttäuscht, denn wir wären gerne nach Paris gefahren", sagte Rückraumspielerin Emily Bölk.

"Wir haben gesehen, dass wir noch nicht zur Weltspitze gehören. Gegen die Niederlande haben wir uns zu viele technische Fehler im Angriff geleistet und mit zu wenig Mut gespielt. Es war ein verdienter Sieg für die Niederlande. Sie haben stark gespielt, vor allem in der Abwehr und beim Gegenstoß. Wir konnten sie nicht knacken, weil wir nicht denselben Druck ausgeübt haben wie sonst. Wir haben zudem auch nicht die Abwehr gestellt, wie wir sie wollten", so Bundestrainer Henk Groener auf der Pressekonferenz.

In der Vorschlussrunde kämpfen am Freitag die Niederlande und Gastgeber Frankreich sowie Olympiasieger Russland und Rumänien um den Einzug ins Endspiel. Dort muss der WM-Dritte von 2015 aber auf seinen Topstar verzichten: Welt-Handballerin Cristina Neagu zog sich gegen Ungarn eine schwere Knieverletzung zu und musste mit Verdacht auf Kreuzbandriss ins Krankenhaus.

"Auch die Niederlande haben wichtige Verletzungen gehabt. Wir haben Kim vor dem Turnier verloren. Ich denke, wir sollten darüber nachdenken, wie wir den Kalender so gestalten, dass wir die besten Spielerinnen im besten Turnier dabei haben und dass sie nicht verletzt sind. Die Verantwortlichen sollten eine Lösung finden", regt Bundestrainer Henk Groener dabei auch eine Fortführung der Diskussion hinsichtlich der Belastung an.

Groener: "21 Tore sind zu wenig"




Wie schon bei der 25:26-Niederlage am Sonntag gegen Ungarn, die letztlich die Chance auf das Halbfinalticket kostete, hatte die deutsche Mannschaft gegen die Niederlande mit Ausnahme von Geschke Probleme im Abschluss, vergab schon vor der Pause zu viele Chancen. "21 Tore sind zu wenig", bemängelte Groener. Weil aber die Abwehr sicher stand und Torfrau Dinah Eckerle erneut überragte, war man zur Halbzeit beim 11:13 noch in Schlagdistanz.

Aber auch nach dem Seitenwechsel setzte sich die Serie von technischen Fehlern und einfachen Ballverlusten fort. "Wir waren mit dem Kopf nicht richtig dabei, haben zu viele technische Fehler gemacht und zu viele Bälle weggeschmissen. Bei unserem Team war die Nervosität heute sehr hoch. Sie waren das bessere Team", stellte Eckerle fest. Dennoch konnten sich die teilweise ebenfalls nervös aufspielenden Niederländerinnen zunächst nicht entscheidend absetzen. Erst ab dem 19:15 wurde der Vorsprung deutlicher. Das war auch ein Verdienst von Estevana Polman, der Lebensgefährtin von Fußballstar Rafael van der Vaart, die mit sechs Toren beste Werferin der Oranjes war.

In der Endabrechnung hat Deutschland 4:6 Zähler und liegt damit zwei Punkte hinter dem punktgleichen Trio Rumänien, Norwegen und Ungarn. Dem ohne Punkte in die Hauptrunde eingezogenen Titelverteidiger aus Skandinavien fehlte nach einer grandiosen zweiten Stufe am Ende im Direktvergleich ein Tor für den Einzug in die Vorschlussrunde. Somit hat Rekord-Europameister Norwegen (sieben Titel) zum ersten Mal seit 18 Jahren ein EM-Halbfinale verpasst - auch wegen der sensationellen 32:33-Auftaktniederlage gegen die DHB-Auswahl - und spielt nun gegen Schweden um den fünften Platz.

Dinah Eckerle: "Wir können stolz sein und darauf aufbauen"




Im Halbfinale treffen hingegen am Freitag Olympiasieger Russland auf Rumänien und Gastgeber Frankreich auf die Niederlande. Helle Thomsen, Trainerin der Niederlande, dankte dabei auch dem früher für Oranje tätigen Bundestrainer: "Danke Henk, dass du die Grundlage gelegt hast, auf der ich aufbauen darf. Wir sind wirklich glücklich, dass wir das Halbfinale erreicht haben." Der Bundestrainer versprach fortan seinem Heimatland die Daumen zu drücken: "Ich wünsche den Niederlanden alles Gute. Es wird eine toughe Herausforderung. Aber das anzuschauen macht am meisten Spaß." Anschauen können dies auch die deutschen Fans, alle Partien gibt es im Livestream.

"Wir haben mit unserem jungen Team ein sehr gutes Turnier gespielt. Wir können stolz sein und darauf aufbauen. Wir freuen uns auf das nächste Turnier und wollen uns bis dahin weiter verbessern", so Dinah Eckerle in ihrem Fazit. "Gleich nach dem Spiel ist die Enttäuschung noch relativ groß, Insgesamt können wir aber mit den Ergebnissen, die wir hier erzielt haben, zufrieden sein", meinte auch Angie Geschke, die gegenüber der Homepage des DHB anfügte: "Erst haben wir uns kleiner gemacht, als wir sind, dann größer und dann kam der Druck dazu. Mit etwas Abstand werden wir sehen, dass wir hier gute Resultate erzielt haben."

Bundestrainer Henk Groener zog ebenfalls ein positives Turnierfazit: "Wir haben dennoch eine tolle Europameisterschaft gespielt, wir haben besser gespielt, mehr als manche es erwartet hatten. Kompliment für die Leistung des Teams." Auch Emily Bölk blickte nach der Partie positiv in die Zukunft: "Insgesamt können wir stolz sein, was wir hier gegen Weltklassemannschaften gezeigt haben. Mit ein bisschen Zeit wird sicherlich was aus unserer Mannschaft werden."

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