12.12.2018 22:32 Uhr - Europameisterschaft - fcb

21:27 gegen Niederlande: DHB-Team verpasst Halbfinale deutlich und EM-Rang neun um ein Tor

Kelly DulferKelly Dulfer
Quelle: Michael Schmidt
Zwischen Deutschland und den Niederlanden kam es aufgrund der vorherigen Ergebnisse zu einem K.O.-Spiel. Ein Sieg Deutschlands ließe das DHB-Team um Platz fünf kämpfen, die nötige Höhe, um noch das Halbfinale zu erreichen, war ohnehin unwahrscheinlich. Doch im Spiel lag dann tatsächlich fast von Beginn an Oranje vorne, und das trotz 17 Paraden von Dinah Eckerle. Die DHB-Auswahl hatte gegen den Favoriten Offensiv-Probleme, unterlag mit 21:27 (10:13) und wird wegen eines Tores nur EM-Zehnter. Die Niederlande und Rumänien sind im Halbfinale, Norwegen spielt um Rang fünf.

Auf niederländischer Seite ruhten bei Anpfiff alle Augen auf Nycke Groot. Nationaltrainerin Helle Thomsen hatte vor der Partie erklärt, die Kapitänin sei, nach der Migräne-Attacke am Sonntag, noch nicht bei voller Leistungsstärke. Gestern hatte dies gegen Norwegen für erhebliche Probleme gesorgt. Letztlich hatte es ein 16:29-Debakel gegeben, während die DHB-Auswahl einen Ruhetag genoss und sich in Ruhe auf das Spiel vorbereiten konnte. Henk Groener ersann, mit Luisa Schulze am Kreis anzufangen und setzte sie an die Spitze einer 5:1-Defensive.

Schulze setzte tatsächlich die ersten zwei Treffer, Eckerle parierte einmal. Doch weitere Würfe der DHB-Auswahl gingen ans Gebälk. Einen Abspielfehler nutzte Dulfer zum 2:2-Ausgleich. Die Nervosität im Abschluss war beim DHB-Team groß. Die Niederlande zogen mit Polman, Abbingh und van der Heijden im Rückraum ein technisch sauberes Spiel auf und banden Dulfer am Kreis geschickt ein. Polmans 5:2-Führungstreffer (6.) folgte. Die DHB-Abwehr war in diesen ersten Momenten oftmals zu langsam auf den Beinen, im Angriff fehlte die nötige Durchsetzungsfreude.

Nach zehn Minuten hatte Oranje bereits achtmal Richtung Tor geworfen, Deutschland erst dreimal. Das zeigte, mit welcher Verve der amtierende Vize-Europameister in der frühen Phase agierte. Und das galt auch für die Deckung. Daher ging die Strategie von Henk Groener nicht auf. Er wechselte Kapitänin Julia Behnke ein und zog die Deckung auf 6:0 zurück. Dahinter begann Dinah Eckerle zu brillieren. Nach ihrer fünften Parade kam überdies Großmann zu einer freien Wurfchance und verkürzte auf 6:5. Als Polman abermals erhöhte, unterbrach Groener nach 15 Minuten das Spiel.

Die Torhüterinnen, Wester und Eckerle, prägten das Spiel weiterhin mit grandiosen Reflexen. Die DHB-Auswahl konnte sich bei der Bietigheimerin und ihren bislang sieben Paraden bedanken, dass sie noch im Spiel waren. Dulfer und Bont sorgten dann aber nach 22 Minuten beim 11:8 für eine weitere Drei-Tore-Vorlage des Favoriten. Während Geschke Ruhe in den Angriff brachte, wirkte der Rückzug, Bölk kam aufs Feld, in einigen Momenten unkoordiniert. Hinzu kam Pech bei Abprallern. Doch auch die Niederlande spielten nicht fehlerfrei, sodass ihr Vorsprung kaum wuchs.



Zwar waren kaum deutsche Anhänger im Sportpalast von Nancy, doch die norwegischen Fans unterstützten das DHB-Team nach Kräften. Ein deutscher Erfolg würde ihr Team ins Halbfinale bringen. Beim 13:11-Halbzeitstand für die Niederlande waren sie und das deutsche Team, das im Erfolgsfall am Freitag in Paris um den fünften Platz würde kämpfen dürfen, noch hoffnungsvoll. Mit dem Schritte-verdächtigen 15:11-Treffer von Polman (34.) schwand diese Hoffnung wieder etwas mehr, zumal das deutsche Aufbauspiel zu Beginn der zweiten Halbzeit teils haarsträubend war.

Schlechte gewählte Abschlüsse von Bölk und Smits sowie Tess Wester verhinderten nach der Pause, dass das DHB-Team aufholen konnte. Beim Stand von 16:13 (41.) holte Henk Groener die Mannschaft an die Seitenlinie. Angie Geschke ersetzte Bölk erneut, sie brachte aber jetzt die nötige Ruhe nicht mit. Delaila Amega, zunächst auf der linken Seite mehrmals gestoppt, erhöhte über rechts auf 17:13. Amelie Berger, die zuvor ebenfalls mehrere Fehlversuche hatte, antwortete. Doch Treffer von Amega und Polman zum 20:15 (47.) nagten weiter an der Moral der DHB-Auswahl. Die Hoffnung schwand.

Die erfahrene Oranje-Sieben gingen mit einem deutlichen Vorsprung in die Schlussphase. Trotz der inzwischen 17 Reflexe von Eckerle zogen sie ihr Spiel einfach durch. Im Gegensatz dazu hatte der DHB-Rückraum über die gesamte Spielzeit etliche Probleme. Die Qualität der Entscheidungen und der Abschlüsse waren nicht gut genug, um den EM-Zweiten und WM-Dritten Niederlande aus dem Turnier zu werfen. Oranje bewahrte problemlos den Vorsprung, feierte in der Deckung jeden geblockten Ball und erreicht - Amega traf zwei Sekunden vor Schluss - mit 27:21 das Halbfinale.