11.12.2018 22:25 Uhr - Europameisterschaft - fcb

Niederlande verlieren krachend gegen Norwegen

Katrine Lunde war ein starker RückhaltKatrine Lunde war ein starker Rückhalt
Quelle: sportseye.de
Die Niederlande haben gegen Rekord-Europameister Norwegen noch nie ein Punktspiel gewonnen. Die Skandinavierinnen schienen indes noch nicht so richtig in das Turnier gefunden zu haben. Dies konnte Oranje, das Halbfinale vor Augen, eine Siegchance eröffnen, zumal, da Groot wieder mit von der Partie war. Doch es kam anders: Der Start verunglückte den Niederländerinnen völlig. Norwegen fand über die starke Kristine Lunde (16 Paraden) zum gefürchteten Konterspiel, gewinnt mit 29:16 (15:7) und hat nun, wie die deutsche Mannschaft und Ungarn, vier Punkte.

Die niederländische Kapitänin Nycke Groot war am Sonntag im Spiel gegen Rumänien unglücklich mit dem Rücken in das Knie von Mitspielerin Debbie Bont gerutscht. Danach klagte Groot über einen Migräneanfall und hatte nicht weitergespielt. Die Mannschaft hatte den Ausfall in hervorragender Manier kompensiert und spielerische und mentale Stärke gezeigt. Gegen Norwegen am Dienstag stand Groot nun im Angriff wieder von Beginn an auf dem Spielfeld. Ihr riskantes Anspiel auf Debbie Bont, deren 150. Länderspiel, landete jedoch in den Armen von Norwegens Camilla Herrem.

Groots Gegenüber Stine Oftedal hatte einen glücklicheren Einstieg ins Spiel. Den ersten Siebenmeter verwandelte sie ebenso, wie sie sich kurz darauf zum 0:2 durchsetzte. Hinter der Abwehr sicherte Lunde mit zwei Paraden ab. Norwegen gelang es in der frühen Phase wesentlich besser, bravourös, in die Nahtstellen der gegnerischen Deckung zu stechen als der niederländischen Mannschaft, die sich von den aggressiv heraustretenden Gegenspielerinnen verunsichern ließen. Nach dem 0:4, Løke vom Kreis, rief Helle Thomsen ihre Spielerinnen zur Seitenlinie. Polman übernahm die Spielsteuerung.

Tess Wester konnte sich erst in der zehnten Spielminute ihre erste Parade notieren lassen. Da lag Norwegen schon mit 1:5 vorne. Kurz darauf, Brattset hatte Polman gefoult, waren die Niederlande erstmals in Überzahl, doch die norwegische Rückraumspielerin Reistad setzte den Torreigen auf der Gegenseite fort. Ein technischer Fehler brachte die Sieben von Thorir Hergeirsson gleich wieder in Ballbesitz, ein wenig später betrat Hollands Kramer den gegnerischen Kreis. Norwegen erhöhte auf 2:7, ehe Polman nach einer Viertelstunde für den erst dritten niederländischen Torerfolg sorgte.

Dieser Treffer schien die Initialzündung für Oranje zu sein. Die mit einer Auszeit unterband Thorir Hergeirsson einen Lauf der Niederländerinnen, die rasant auf 5:7 verkürzt hatten. Norwegen deckte nach der Besprechung wieder konzentriert und kompakt. Marta Tomac übernahm die Spielsteuerung von Reistad, von der rechten Seite traf Kristiansen. Reistad stellte beim 5:9 (20.) den alten Abstand wieder her. Dann konterte Solberg zum Fünf-Tore-Vorsprung. Thomsen suchte weiterhin einen effektiv spielenden Rückraum. Nycke Groot kehrte neben Estavana Polman aufs Spielfeld zurück.

Bei den Niederlanden wurde nichts besser. Vor allem die Fehlerzahl blieb hoch. Nach dem 7:13 nahm Helle Thomsen abermals eine Auszeit und wollte beim Stand von 7:13 die Köpfe ihrer Spielerinnen aufrichten. Die Norwegerinnen hatten sichtlichen Spaß an diesem Spiel entwickelt. Die gute Leistung von Lunde im Rücken, die die Niederländerinnen zu genauen Würfen, meist ans Gehäuse, zwang, ließ überdies nicht daran zweifeln, wer hier als Sieger vom Feld gehen würde. Der besten ersten Halbzeit der Niederlande im Turnier, gegen Rumänien, waren die bisher schlechtesten 30 Minuten gefolgt.

Neun Paraden hatte Katrine Lunde nach der ersten Spielhälfte auf ihrem Konto. Mit 7:15 hatten sich die Teams zum Gang in die Kabinen getrennt. Delaila Amega sollte danach das Spiel von Oranje steuern und setzte gleich den Unterarmwurf zum 8:16. Der Metzingerin gelang es einige Zeit lang, das niederländische Angriffsspiel zu beruhigen. Die Deckung war auch nicht mehr ganz so löchrig. Aber im Angesicht von Kristine Lunde versagten die Nerven weiterhin. Jacobsen konterte nach 42 Minuten zum 11:22. Der Unterschied war weiter gewachsen. Lunde hatte weitere sechs Male pariert.

So fügte Norwegen der Geschichte der Spiele gegen die Niederlande einen weiteren Lehrfilm an. Bei Lunde hatte man dabei das Gefühl, dass sie den Ball bei gegnerischen Würfen magisch anzog. Oranje half es wenig, dass Wester sich überaus deutlich steigern konnte. Die anderen Stammspielerinnen saßen da, 24 Stunden vor dem Spiel gegen Deutschland, schon längst draußen. Diese Gunst der Stunde nutzte indes auch Norwegen, sodass, abgesehen von Sulland, viele junge Spielerinnen auf dem Feld waren. Am Ende blieb es bei dem deutlichen Unterschied, Norwegen gewinnt mit 29:16.

12.12.2018 - Aktualisierte Lage: Deutschland unter Zugzwang, Fünfervergleich weiter möglich

11.12.2018 - "Kreis-Joker" Buceschi sticht: Rumänien dreht gegen Spanien das Spiel

11.12.2018 - Debbie Klijn im Interview Teil 1: "Bin überzeugt, dass in Deutschland mehr Potenzial steckt, als viele denken"

10.12.2018 - Xenia Smits: "Können aus der Niederlage gegen Ungarn sehr viel lernen"

10.12.2018 - Machtdemonstration: Russland wirft sich ins EM-Halbfinale und Dänemark aus dem Medaillenrennen