11.12.2018 15:29 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß

Debbie Klijn im Interview Teil 1: "Bin überzeugt, dass in Deutschland mehr Potenzial steckt, als viele denken"

Debbie KlijnDebbie Klijn
Quelle: sportseye.de
Debbie Klijn erhielt im Januar dieses Jahres die Zusage des DHB, Nationaltrainerin der Torhüter zu werden. Seither sind elf ereignisreiche Monate vergangen, in denen sie Kontakte zum Nachwuchs und der Liga knüpfte und diese mit Leben füllt. Dabei steht für Klijn, die im Jahr 1999 als 23-Jährige zum TSV Bayer 04 Leverkusen gewechselt war und danach bis 2011 fast durchweg in der Bundesliga im Tor stand, das offene Wort im Mittelpunkt - und die mentale und sportliche Unterstützung, sodass die Spielerinnen, bei der EM Dinah Eckerle und Isabell Roch, ihre eigenen Ziele erreichen können.

Frau Klijn, Sie sind nun seit beinahe einem Jahr Torwarttrainerin der deutschen Nationalmannschaft. Wie war das damals und wie sind Sie mit der Entwicklung seither zufrieden?

Debbie Klijn:
Zunächst einmal hatten wir diesen Umbruch. Zehn Nationalspielerinnen haben aufgehört. Wir mussten also erst analysieren, wo wir stehen. Außerdem mussten wir eine Mannschaft zusammenstellen, die gut zusammenpasst. Das haben wir eigentlich ganz schnell hinbekommen, auch durch die Länderspiele gegen Spanien im März dieses Jahres.

Was die Torhüter angeht, war es eigentlich klar, als Clara Woltering und Katja Kramarczyk aufgehört haben, dass das die Chance für Dinah Eckerle sein würde, sich zu beweisen und dass sie die Führungsrolle unter den Torhüterinnen übernehmen soll. In den Regionallehrgängen haben wir auch versucht, uns viele Talente anzuschauen. Ich konnte mir da ein sehr gutes Bild verschaffen, das hat ganz viel gebracht.

Das Potenzial bei den Torhüterinnen ist da, aber die Spielerinnen müssen alle hart arbeiten. Das fängt im Verein. Ich glaube, dass die meisten Torhüterinnen, mit denen wir arbeiten, Ziele haben. Darum geht es. Das fängt alles mit Arbeit bei einem selbst an.

Wie wollen Sie mit diesen Regionallehrgängen diesen Prozess, dass die Spielerinnen an sich arbeiten, unterstützen?

Debbie Klijn:
Wir wollen dort auf die Spielerinnen zugehen und sie unterstützen, wenn sie Fragen haben. Wir machen Vorschläge, wie man bestimmte Sachen angehen kann und sprechen auch klar die Baustellen an, an den gearbeitet werden kann oder soll. Diese Vorschläge werden sehr offen angenommen, von jeder Spielerin. Das zeigt schon, dass sie bereit sind weitere Schritte zu machen. Regelmäßig bin ich auch bei Bundesligaspielen, und es fällt mir dort etwas auf. Dann sucht man eben das Gespräch und redet darüber.

Hinzu kommt der telefonische Kontakt mit den Torwart-Trainern der Bundesligateams. Dort tauschen wir uns auch aus. Das ist wichtig, um einen Weg zu finden, wie wir am besten mit einer bestimmten Spielerin umgehen können. Das waren sie natürlich auch nicht gewohnt. Dieses Vertrauen muss wachsen. Aber es wird sehr gut angenommen, von allen Trainern, mit denen ich gesprochen habe. Das sind momentan natürlich vor allem die Trainer von Bietigheim (Dinah Eckerle) und Metzingen (Isabell Roch). So versuchen wir die Entwicklung der Spielerinnen voranzutreiben.

Abgesehen von den Spitzentorhüterinnen, wie zufrieden sind Sie mit dem Kontakt zum Nachwuchsbereich?


Debbie Klijn:
Da kommt mir zugute, dass ich ja weiterhin Torwarttrainerin in Buxtehude bin. Dort arbeite ich mit Katharina Filter und Lea Rühter mit zwei Talenten. Außerdem war ich in die Vorbereitung der U20-Weltmeisterschaft eingebunden. Da war ich eine Woche lang vor Ort und konnte auch mit Sarah Wachter (TV Nellingen, Anm. d. Red.) arbeiten. Und so komme ich auch in Kontakt mit jungen Spielerinnen in der Regionalliga. Das vergrößert das Potenzial an guten Torhüterinnen weiter.

Der DHB hat in diesem Jahr auch schon einen Torhüter-Lehrgang ausgerichtet. Dort konnten wir uns ein recht vollständiges Bild über den Nachwuchs machen. Wieland Schmidt und Maik Nowak haben uns dabei unterstützt. Der Input, den sie liefern, ist interessant und wichtig. Jeder sieht immer etwas anderes. Es ist ja nicht so, dass, was ich sage, immer stimmt. Diese unterschiedlichen Perspektiven müssen zusammenwachsen. Ich finde es sehr schön, wie offen wir alle damit umgehen. Das ist nicht selbstverständlich, dass jeder diese offenen Gespräche annimmt.

Können Sie auch Ideen aus der Niederländischen Handballakademie einbringen, die die Grundlage für diesen Erfolg der niederländischen Nationalmannschaft ist?

Debbie Klijn:
In einem kleinen Land wie den Niederlanden ist so etwas viel einfacher zu organisieren. Dort werden 20 Spielerinnen an einem Ort zusammengezogen und man arbeitet mit ihnen. Ich habe bemerkt, dass in Deutschland alles ein bisschen umfangreicher ist, auch die Entfernungen zum Reisen sind natürlich größer.

Ob dieses Konzept, das die Niederlande haben, in Deutschland funktionieren würde, weiß ich nicht. Aber wir sind gerade dabei, verschiedene Konzepte und Ideen zusammenzufügen und zu schauen, was die beste Lösung für Deutschland sein könnte. Ich bin davon überzeugt, dass in Deutschland mehr Potenzial steckt, als viele denken und wissen. Es wäre schön, wenn wir auch Schritte machen könnten, um auf längere Sicht dieses Potenzial im A-Nationalteam aufs Spielfeld zu bringen.