10.12.2018 10:40 Uhr - Europameisterschaft - Björn Pazen, dpa und Felix Buß und HP DHB

"Irgendwie immer der Wurm drin" - DHB-Frauen nach dem Rückschlag gegen Ungarn

Alicia Stolle erzielte neun Treffer gegen UngarnAlicia Stolle erzielte neun Treffer gegen Ungarn
Quelle: Michael Schmidt
Mit traurigen Gesichtern und hängenden Köpfen verließen die deutschen Handball-Frauen nach dem schmerzlichen 25:26 (10:12) gegen Ungarn das Parkett. Durch die zweite Turnier-Niederlage ist der erste Halbfinaleinzug bei der Europameisterschaft seit zehn Jahren für die DHB-Auswahl in weite Ferne gerückt. Das Team von Bundestrainer Henk Groener verfügt vor dem letzten Spiel in der Hauptrundengruppe II am Mittwoch gegen den WM-Dritten Niederlande über 4:4 Punkte und hat das Weiterkommen nun nicht mehr in der eigenen Hand. "Das ist bitter", sagte Groener. "Aber das Leben geht weiter. In unserem Spiel war von Beginn an der Wurm drin."

Die deutsche Mannschaft wirkte gehemmt und legte einen Fehlstart hin. Vor allem in der Offensive lief wenig zusammen. Nach zwölf Minuten stand erst ein Treffer zu Buche, die DHB-Auswahl lag 1:5 hinten. "Wir haben zunächst die falschen Lösungen im Angriff gesucht", stellte Groener fest. Weil sich aber die Abwehr steigerte, konnte die deutsche Mannschaft den Abwärtstrend stoppen. Dank vier Treffern in Folge gelang beim 8:7 in der 21. Minute die erste Führung. Schon in dieser Phase überzeugte Rückraum-Ass Stolle.

"Am Anfang taten wir uns mit der Offensive der Ungarinnen auf der Halbposition relativ schwer. Bis wir uns da eingefunden hatten, lagen wir schon mit drei Toren zurück. Dann haben wir uns aber herangekämpft und haben letztendlich auch viele klare Chancen herausgespielt. Unser Manko war, dass wir zu oft an den Torhütern gescheitert sind", analysierte Julia Behnke. Statt den Vorsprung auszubauen, scheiterte Deutschland in der Folge häufig an der ungarischen Torfrau Blanka Biro.

So drehte Ungarn die Partie bis zum Halbzeitpfiff wieder, während auf deutscher Seite zu diesem Zeitpunkt bereits drei Pfoten- oder Lattentreffer sowie neun Ballverluste in der Statistik standen. Nach der Pause bot sich das gleiche Bild wie zu Beginn: Die deutsche Mannschaft leistete sich im Angriff erneut viele Fehler. "Wir haben heute zwei jungen Teams beim Handballspielen zugesehen. Sie haben nicht immer die Lösungen gefunden", erklärte Henk Groener nach dem Spiel in der Pressekonferenz mit Blick auf die Angriffsleistungen.

Dieses Mal konnte sich Ungarn nicht absetzen, denn nun steigerte sich DHB-Torfrau Dinah Eckerle, die gegen Spanien die Matchwinnerin gewesen war. Vorne blieb Stolle unaufhaltsam, der Ausgleichstreffer zum 19:19 in der 47. Minute blieb Emily Bölk vorbehalten. Als die nach dem Seitenwechsel ebenfalls starke Julia Behnke vom Kreis zum 21:20 traf, schien der Sieg möglich. Doch in der hektischen Schlussphase hatte Ungarn die besseren Nerven.

Alicia Stolle: "Enttäuscht über das Ergebnis"




"Immer wenn wir dran waren oder hätten vorbeiziehen können, haben wir einfache Tore kassiert oder wir haben Pfosten oder Latte getroffen - das passt zu so einem Spiel", so Bundestrainer Henk Groener. "Ich denke, wir haben zu viele Chancen liegengelassen. Wir haben gut verteidigt, aber irgendwie haben die Ungarn alle Abpraller bekommen", haderte Ina Großmann in einigen Situation auch mit dem Schicksal und die neunfach erfolgreiche Alicia Stolle konstatierte: "Es war ein sehr schweres und enges Spiel. Ich bin ein wenig enttäuscht über das Ergebnis. Wir hätten mindestens einen Punkt verdient gehabt, speziell mit der Führung kurz vor Schluss, aber da haben wir in der Abwehr nicht energisch genug zugepackt. Mir wäre der Sieg lieber gewesen als die neun Tore."

"Es tut weh, wenn du kurz vor Schluss führst und am Ende verlierst. Aber das passt zu diesem Spiel", resümierte Groener. "Am Ende so ein Tor zu kassieren und kurz vor Schluss auch zwei Abpraller nicht in unsere Hände zu bekommen, sondern dann noch mal schnelle Gegentore - das ist natürlich sehr ärgerlich", befand Julia Behnke. "Wir hätten mindestens einen Punkt verdient gehabt, speziell mit der Führung kurz vor Schluss, aber da haben wir in der Abwehr nicht energisch genug zugepackt", so Alicia Stolle. "Die Enttäuschung ist groß, mit einem Sieg hätten wir einen großen Schritt machen können. Das haben wir verpasst. Bitter!", so Ina Großmann.

"Wir lagen mit einem Tor vorne und haben zweimal den Ball bekommen. Es ist schade, dass wir nicht clever genug waren", so Bundestrainer Henk Groener, der anfügte: "Wir hatten im Angriff Probleme ins Spiel zu kommen aber sie haben immer gekämpft. Wir haben nicht leider gewonnen, aber der Kampfgeist war großartig." An den furiosen Auftritt beim 29:23 gegen Spanien zum Auftakt der Hauptrunde konnten die deutschen Frauen aber nicht anknüpfen und haben nur noch geringe Aussichten auf eine Reise nach Paris, wo am Freitag die Halbfinals und das Spiel um Platz fünf steigen.

Um die theoretische Chance zu nutzen, muss - sofern sich die erhoffte Schützenhilfe in der komplizierten Lage in der Gruppe einstellt - ein Sieg gegen die Niederlande her. "Darauf konzentrieren wir uns jetzt", sagte Groener. "Wir schauen jetzt auf uns. Wir müssen dieses Spiel natürlich analysieren. Wir wollen in den nächsten zwei Tagen regenerieren. Am Mittwoch haben wir dann noch ein Endspiel gegen die Niederlande. Wir wollen den Kopf oben behalten und wieder angreifen", so Julia Behnke. Alicia Stolle ergänzte: "Gegen die Niederlande werden wir alles für den Sieg tun. Wir wollen am Mittwoch einen weiteren Schritt nach vorne machen."

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