09.12.2018 16:31 Uhr - Europameisterschaft - fcb

Deutschlands Handballerinnen verlieren Nervenschlacht gegen Ungarn mit dem letzten Wurf

Szimonetta Planeta und Ungarn haben nun ebenfalls vier PunkteSzimonetta Planeta und Ungarn haben nun ebenfalls vier Punkte
Quelle: Michael Schmidt
Mit einer offensiven Abwehrformation machten die Ungarinnen es der deutschen Mannschaft im ersten Aufeinandertreffen seit 2013 schwer ins Spiel zu finden. Über die eigene Deckungsleistung gelang dies der DHB-Auswahl schließlich nach 20 Minuten. Ein 1:4- bzw. 4:7-Rückstand konnte egalisiert werden. Nach dem 12:10-Halbzeit-Vorsprung der Magyarinnen kämpfte die deutsche Mannschaft weiter und lag teilweise mit einem Tor vorne. Doch am Ende hatten die Ungarinnen bei dieser temporeichen Nervenschlacht das bessere Ende für sich. Hafra setzte den 26:25-Siegtreffer.

Die ungarische Mannschaft begann mit einer angriffslustigen 5:1-Abwehr. Aniko Kovacsics störte den Spielaufbau der DHB-Auswahl auf vorgezogener Position. Und sie tat dies erfolgreich. Nach drei Minuten konterte Lukacs zur 3:0-Führung der Magyarinnen. Erst anschließend netzte Smits mit einem Distanzwurf erstmals für Deutschland. Das Timing der Sieben von Henk Groener passte in der frühen Phase noch nicht so recht. Ungarn spielte mutiger, kam in die Nahdistanz und dadurch, nicht nur über den Gegenstoß, zu leichten Chancen. Stolle und Smits trafen aus neun Metern Aluminium.

Das Team von Kim Rasmussen hatte gut begonnen und vergab dennoch eine Vorlage, die deutlicher war als das tatsächliche 4:1. Mehrmals landete der Wurf ebenfalls bei einer Halbchance im Nichts. Dennoch war es nach knapp 500 Sekunden am Bundestrainer zur Auszeit zu buzzern. Nach zehn Minuten konterte Lukacs jedoch zum 5:1. Auf der einen Seite Jubel, auf der anderen Seite hängende Köpfe - einige gute Blocks hatten der Groener-Sieben bisher nicht gereicht, um auf Kurs zu kommen. Da kam die erste Eckerle-Parade wie gerufen. Stolle konnte daraufhin auf 5:4 (15.) verkürzen.

Einige technische Fehler hatten den Vorteil der Ungarinnen abschmelzen lassen. Rasmussen unterbrach das Spiel. Danach erhöhten Szabo und Schatzl zwar auf 7:4, doch das Konzept von Henk Groener, mit zwei Wechseln zwischen Abwehr und Angriff zu agieren, Grijseels für Bölk und Schmelzer für Behnke, ging auf. Stolle und Schmelzer egalisierten beim 7:7. In der 20. Spielminute war das Spiel wieder offen. Über die starke Abwehr, kein Gegentreffer in sechs Minuten, kämpfte sich das DHB-Team vollends ins Spiel. Grijseels sorgte beim 8:7 für die erste deutsche Führung.


Hatte Ungarns Torhüterin Blanka Biro ihrem Team bislang den Rücken gestärkt, so tat sie dies mit ihren Paraden sechs und sieben weiterhin. Dinah Eckerle hatte sich noch kaum auszeichnen können, auch nicht als Kovacs frei zum 10:9 (27.) durchstach. Ein von beiden Seiten mit offenem Visier geführtes Duell hatte sich entwickelt. Die deutschen Angreiferinnen spielten mutig, Smits mit ihrem schnellen Antritt und der guten Ballverteilung am auffälligsten. Grijseels steuerte das Spiel gekonnt, auch wenn es kurz vor der Sirene nicht mehr gelang, die Chance zum 12:11 sauber herauszuspielen.

Kovacsics besorgte kurz nach dem Seitenwechsel das 13:10 für Ungarn. Die deutsche Mannschaft jagte mühevoll hinterher. Die Deckung war zunächst nicht mehr so stabil, zugleich war die Qualität der gegnerischen Würfe teils äußerst beachtlich, so beim 16:13-Heber von Kovacsics. Aufseiten der DHB-Auswahl lief es offensiv nur bei Stolle wie am Schnürchen, die Rückraumrechte netzte beim 16:14 (39.) schon zum sechsten Mal. Steigern konnte sich auch Eckerle, ihre vier Paraden erhielten zumindest den Rückstand aufrecht. Ungarn wechselte derweil Lakatos im rechten Rückraum ein.

Das Duell schien zunehmend hochklassig und spannend zu werden. Nach dem 17:15 (42.) hatte Henk Groener Gesprächsbedarf. Stolle setzte sich danach erneut zweimal in Serie durch und verkürzte jeweils auf ein Tor, da die Ungarinnen ebenfalls das Spiel schnell und kaum Fehler machten. Während einer Zeitstrafe gegen Ungarns Kovacsics parierte Kiss dann den Siebenmeter von Geschke, der das 19:19 bedeutet hätte. Kurz darauf machte Bölk es aus vollem Lauf besser. Weitere Fehler auf beiden Seiten folgten. Beide Teams taten sich schwer, die Nerven im Griff zu behalten.

Zehn Minuten vor Schluss brachte Behnke Deutschland beim 20:21 abermals in Vorlage. Ungarns beste Werferin Lukacs antwortete, der siebte Torerfolg der 23-Jährigen. Im Gegenzug traf die ein Jahr jüngere Stolle zum achten Mal. Nach Smits" 23:24-Treffer erkämpfte Berger fünf Minuten vor Schluss den Ball, doch der Pass von Grijseels auf Behnke kam nicht an. 110 Sekunden vor Schluss (24:24) rief Groener die Spielerinnen nochmals zu sich. Smits verwandelte danach einen Freiwurf direkt, Schatzl egalisierte im Nachsetzen. Nach einem Pfostentreffer von Smits setzte Hafra den 26:25-Siegtreffer.

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