08.12.2018 15:09 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß

Ina Großmann: "Gegen Spanien haben wir den ersten Schritt gemacht, das hier zu genießen"

Ina GroßmannIna Großmann
Quelle: sportseye.de
Am Freitag gelang der DHB-Auswahl ein Auftakt nach Maß in die Hauptrunde der EM in Frankreich. Die Mannschaft habe gegen Spanien "den ersten Schritt gemacht, das hier zu genießen", erzählt Ina Großmann. Die 28-Jährige ist noch relativ frisch im Nationalteam, sie ist erst seit diesem Jahr im Kader. Am Samstagmittag sprach sie sie handball-world.news über ihre ersten Schritte auf diesem neuen Terrain. Dazu gehört auch, dass sie seit dem Sommer auch erstmals außerhalb Schwabens Handball spielt, beim Thüringer HC.

Ina, du bist noch relativ neu in der Nationalmannschaft. Wie kam es denn zum ersten Kontakt mit dem Bundestrainer?

Ina Großmann:
Das war Anfang des Jahres, im Januar, als Henk (Groener, Anm. d. Red), glaube ich, quasi alle Vereine besucht hat. Da wurde ein "auserwählter Kreis", nennen wir es mal so, zum Gespräch eingeladen. Das war der erste Kontakt. Der Lehrgang war dann erst im Februar. Ich meine, da waren 20 Spielerinnen eingeladen. Unter anderem durfte ich auch kommen.

Es gibt inzwischen auch diese Regionallehrgänge. Wie spielt sich denn so eine Maßnahme ab?

Ina Großmann:
Das ist gar nicht so ein Riesending. Dieses Jahr hatten wir jetzt drei davon, einen im Süden, einen im Norden und einen so ungefähr in der Mitte Deutschlands. Dann werden die Spielerinnen, die im Umkreis aktiv sind, eingeladen.

Man trainiert drei Tage, es werden Gespräche geführt, und dann ist es auch schon wieder vorbei. Das sind kurze Maßnahmen, wo man vor allem auch individuell trainiert und gewisse Dinge absprechen kann und dafür mehr Zeit hat als in einem "großen" Lehrgang.

Man bekommt einfach in jeder Hinsicht Unterstützung, wo man sie braucht, ob das jetzt im Kraftbereich ist oder im athletischen, individuellen, wie auch immer. Man bekommt immer Hilfe. Man muss sich nur melden (lächelt.

Du spielst jetzt seit dieser Saison beim Thüringer HC. Du hast vorher jahrelang in Metzingen gespielt und kommst ja auch aus Schwaben. Wie hat sich das für dich angelassen, das erste Mal in der Fremde zu sein?


Ina Großmann:
Ja, das ist schon etwas anderes. Der Fahrweg nach Hause ist länger als früher. Ich fühle mich beim Thüringer HC sehr wohl. Die Mannschaft ist cool. Wir haben viel Spaß. Sportlich läuft es dann halt auch.

Toll war, dass wir die Hauptrunde der Champions League erreicht haben. Es sah am Anfang nicht unbedingt so aus, als ob uns das gelingen könnte. Es ist schön, dass wir da im Januar weiterspielen dürfen.

Ich fühle mich wohl. Ich wohne direkt in Erfurt - toll, mal direkt in einer Stadt zu wohnen. Klar, es ist ein bisschen weiter weg von zuhause. Aber die dreieinhalb Stunden kann man fahren.

"Spaß" ist ein gutes Stichwort. Das habt ihr im ersten Hauptrundenspiel gegen Spanien zum ersten Mal so richtig ausgestrahlt. Wie hast du das auf dem Feld wahrgenommen?

Ina Großmann:
Ich glaube, man hat vor allem in der ersten Halbzeit gesehen, dass da Spaß und Freude dabei waren. Dann funktioniert vieles viel leichter. Wir sind auch mit einer relativ deutlichen Führung in die Kabine gegangen. Ich habe von vielen gehört, dass es Spaß gemacht hat zuzuschauen. Das hört man gerne.

Wenn man sieht, wie wir Ende September gegen Russland und allgemein in den Spielen vor dieser Europameisterschaft aufgetreten sind, auch gegen Spanien im März - einfach locker und befreit -, dann merkt man, welches Potenzial in dieser Truppe steckt. Aber natürlich hatten wir auch andere Spiele. Wenn der Kopf ein bisschen mitspielt, wenn jeder seinen eigenen Anspruch hat, wird es schwieriger. Aber gerade im ersten Hauptrundenspiel gegen Spanien hier in Nancy hat man gesehen, dass wir gut daran tun, weniger verkopft zu spielen (schmunzelt).

Welche Rolle spielt der Bundestrainer Henk Groener dabei, dass ihr genau das schafft, auf dem Feld entspannt zu sein? Ist er ein guter Kommunikator?

Ina Großmann:
Auf jeden Fall! Er will uns immer vermitteln, dass das cool ist, was wir hier haben und dass wir etwas draus machen sollen. Wir sollen uns nicht so viele Gedanken machen. Wir haben jetzt mit diesen zwei Punkten gegen Spanien in der Hauptrunde auch etwas erreicht, was uns wahrscheinlich die wenigsten zugetraut haben. Wir sollen das genießen. Gegen Spanien haben wir den ersten Schritt gemacht

Wie soll es nun weitergehen? Ungarn ist wohl ein ähnliches Kaliber wie Spanien?

Ina Großmann:
Ja, anscheinend geht es in eine ähnliche Richtung. Wir hatten am Samstagmorgen eine kurze Video Session. Wir tun gut daran, jetzt nur auf dieses Spiel zu gucken und an die Leistung gegen Spanien, vor allem in Halbzeit eins, anzuknüpfen. Dann schauen wir, was rauskommt. Wir wollen wieder eine gute Abwehr spielen. Das war gegen Spanien genauso, wie wir es haben wollen, mit einer starken Dinah Eckerle hinten drin. Dann kommen wir in unser schnelles Spiel. Da tun wir uns deutlich einfacher, als wenn wir immer Sechs gegen Sechs.

Das ist dann auch das Spiel, in dem du dich wohlfühlst?

Ina Großmann:
Genau! Laufen! Laufen! Laufen!

Was machst du dann zwischen den Spielen, um mal ein bisschen runterzukommen?

Ina Großmann:
Das ist ganz unterschiedlich. Wir haben nicht so viel Zeit zwischen den Spielen. Mal ist man beim Physio, oder wir spielen zusammen UNO oder man trinkt Kaffee. Einfach das Typische, was man so macht, wenn man das Hotelleben genießt (schmunzelt). Aber das hat alles vor und Nachteile. Hier in Nancy sind wir halt relativ weit außerhalb. So viel Zeit in die Stadt zu fahren hat man gar nicht. Man hat mit Training, Video, Physio so viele Termine, dass du jetzt eh nicht ewig in der Stadt rumhängen kannst. Daher stört mich das bisher nicht (schmunzelt).