02.12.2018 09:00 Uhr - Europameisterschaft - Julia Nikoleit

"Ich dachte nur: Das kann nicht wahr sein": Emily Bölk über Norwegen-Coup und ihr Siegtor

Emily BölkEmily Bölk
Quelle: Marco Wolf
Nach dem Sieg der deutschen Auswahl gegen Norwegen war sie die gefragteste Spielerin: Während ihre Mannschaftskolleginnen bereits in der Kabine verschwunden waren, stand Emily Bölk strahlend in der Mixedzone und beantwortete geduldig die Fragen zum 33:32-Sensationserfolg über den Titelverteidiger. "Ein Punkt wäre schon überragend gewesen, aber dass wir das Spiel gewinnen, ist einfach mega", freute sich die Rückraumspielerin des Thüringer HC, die den Siegtreffer für die DHB-Auswahl erzielte. Das Lob gab sie jedoch direkt weiter: "Xenia hat den wahrscheinlich besten Block ever gestellt."

Emily, Gratulation zum Sieg gegen Norwegen. Hättet ihr euch vor dem Spiel so ein Ergebnis erträumt?

Emily Bölk:
Auf keinen Fall! Hätte uns das irgendjemand vorher gesagt, hätten wir es auf jeden Fall unterschrieben, mitgenommen und eingepackt - und wahrscheinlich noch mit einem Schleifchen verziert (lacht). Es ist einfach total verrückt.

Alle sind nach dem Spiel direkt in die Mixedzone gegangen, aber ich dachte mir: Ich bleibe noch kurz sitzen und gucke mir das Ergebnis an. Es ist einfach ... so cool! Das hätte keiner gedacht; gerade nach dem Ausfall von Kim, der ein herber Rückschlag für uns war.

Warum habt ihr Norwegen schlagen können?

Emily Bölk:
Man hat gesehen, dass das Team funktioniert - und ich bin froh, dass wir es auch auf die Platte bringen konnten. Das ist die Kunst. Es kann außerhalb super im Team funktionieren, aber auf dem Spielfeld läuft es trotzdem nicht. Es war aber ein Mega-Spiel und hat richtig Spaß gemacht. Jeder hat 100 Prozent gegeben und seinen Job gemacht - und wenn eine Hilfe brauchte, ist jemand eingesprungen. Ich glaube, wir konnten Norwegen auch ein bisschen überraschen.

Nach einem zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Vorsprung war die Schlussphase extrem eng. Wie hast du die letzten Szenen - nach dem Ausgleich von Norwegen - erlebt?



Emily Bölk:
Wir hatten noch anderthalb Minuten. Das haben wir clever runtergespielt und wirklich bis zum Zeitspiel verzögert. Dann hat Xenia den wahrscheinlich besten Block ever gestellt, ich hatte gar keinen Kontakt von den Norwegerinnen. Dass der Ball dann reingeht, ist natürlich geil. Ich habe nicht viel nachgedacht und als er dann im Netz war, war ich nur glücklich.

Doch dann kam ja noch der letzte Angriff von Norwegen ...

Emily Bölk:
In der Auszeit haben wir uns gesagt: Wir kämpfen um jeden Ball und machen die Lücken zu - da waren noch 20 Sekunden. Dann hält Isa den letzte Ball noch und ich dachte nur: Das kann nicht wahr sein (schmunzelt). Ein Punkt wäre schon überragend gewesen, aber dass wir das Spiel gewinnen, ist einfach mega!

Woher habt ihr die Nervenstärke genommen, euer Spiel bis zum Ende durchzuziehen?

Emily Bölk:
Wir haben uns einfach seit der ersten Sekunde gesagt: Wir spielen unser Spiel und genießen das! Wir hatten ja eigentlich nichts zu verlieren, keiner hat erwartet, dass wir das Ding hier reißen. Auch die Wettquoten standen sehr, sehr krass gegen uns (lacht). Das zeigt, dass wir der absolute Underdog waren und daher ist es umso cooler, dass wir Norwegen überraschen konnten.

Wir sind immer dran geblieben und dann auch in Führung gegangen, das hat sie verunsichert. Jedes Tor, was wie gemacht haben und jede herausgespielte Chance haben uns noch einmal einen Push für das Selbstvertrauen gegeben. Wir haben gemerkt, dass wir die Möglichkeit haben und haben uns belohnt. Das sind zwei Punkte für uns, die wirklich mega sind.

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