27.10.2018 08:54 Uhr - 1. Bundesliga - PM THC, NSU

"Sechstes Spiel - sechster Sieg, nichts anderes zählt": Thüringer HC vor Duell mit Neckarsulm

Nele Reimer und das NSU-Team verloren im Februar mit 27:39 gegen den THCNele Reimer und das NSU-Team verloren im Februar mit 27:39 gegen den THC
Quelle: Neckarsulmer SU
Zwei Wochen hatte die Neckarsulmer Sport-Union Zeit, um die enttäuschende 23:32-Niederlage in Bensheim aufzuarbeiten und schließlich auch abzuhaken. Am Samstagabend gastiert die NSU im nächsten Spiel der Handball Bundesliga Frauen (HBF) um 18 Uhr beim deutschen Meister Thüringer HC und möchte in diesem Spiel vor allem wieder "Spaß haben". Die Gastgeberinnen sind in der Favoritenrolle. "Sechstes Spiel - sechster Sieg, nichts anderes zählt", so THC-Coach Herbert Müller.

"Für unsere Mannschaft muss es das Größte sein, gegen Teams wie den Thüringer HC auflaufen zu können. Jede Spielerin muss unglaublich heiß darauf sein, sich mit diesem großen Gegner messen zu können. Wir können nach den letzten Spielen beim THC wieder befreit aufspielen. Deshalb will ich auch eine Reaktion sehen und hoffe, dass wir die Trainingseinstellung der vergangenen zwei Wochen ab sofort auch auf die Platte bekommen", erklärte NSU-Trainer Pascal Morgant die aktuelle Situation vor dem kommenden Auswärtsspiel.

In der Bundesliga läuft es für den Thüringer HC eigentlich wie geplant. Mit 10:0 Punkten und vier deutlichen Siegen sind die Gastgeberinnen in der Mission Titelverteidigung auf Kurs und planen, bis zur EM-Pause Mitte November weiterhin mit einer weißen Weste zu verbleiben. Zuletzt hatte die Mannschaft von Herbert Müller nach einer starken ersten Halbzeit in Blomberg aber noch mächtig zu kämpfen und setzte sich am Ende knapp mit 28:29 durch.

In der Champions League sieht die Lage für den amtierenden deutschen Meister nach drei Spieltagen etwas anders aus. Nach einem personellen Umbruch, durch den der THC vermehrt auf junge, deutsche Nationalspielerinnen wie Emily Bölk oder Alicia Stolle baut, sind die Spielerinnen auf internationaler Ebene noch einem Lernprozess. Drei Niederlagen (u.a. gegen die Weltklasse-Mannschaft von Györi Audi ETO KC) musste der THC in der Königsklasse bislang verdauen und lernte vor allem in der internationalen Härte dazu.

"Für die meisten Spielerinnen ist das Level Neuland und wir müssen lernen, böse zu werden. Deshalb hoffe ich auch, dass wir am Samstag mit etwas Wut in das Spiel gehen werden. Wir sind zuhause gegen Neckarsulm in der klaren Favoritenrolle. Diese Rolle müssen wir annehmen und mit einem Heimsieg die Pflichtaufgabe erledigen", sagte Müller vor dem anstehenden Heimspiel gegen die Sport-Union. Einige Spielerinnen waren in der vergangenen Woche durch eine Erkältungswelle beeinträchtigt, Müller hofft aber, dass heute alle wieder auflaufen können.

Für die Neckarsulmerinnen ist das Auswärtsspiel beim deutschen Meister in Bad Langensalza ein Wiedersehen mit der letztjährigen NSU-Torhüterin Ann-Cathrin Giegerich und gleichzeitig auch der erste Teil im Endspurt vor der EM-Pause. "Wir haben in den letzten zwei Wochen hart trainiert und auch die Fehler aus den vergangenen Spielen schonungslos angesprochen. Natürlich sind sie in Thüringen nach den letzten Spielen auf 180 und wollen dieses Spiel gegen uns deutlich gewinnen. Aber wir können absolut ohne Erwartungen von außen aufspielen und wollen auch beim THC zeigen, was in uns steckt. Denn dieses Spiel ist auch für uns als Team besonders wichtig, um weiter zusammen zu wachsen und sich Mut für die nächsten Aufgaben vor der EM-Pause zu holen", so Morgant weiter.

Thüringer HC im Wechselspiel der Wettbewerbe


Für den Thüringer HC geht unterdessen das Wechselspiel zwischen den Wettbewerben geht weiter. Nach dem Champions League Spiel gegen die Besten der Welt, gab es in dieser Woche noch den Regionallehrgang der Nationalmannschaft in Erfurt, wo die "THC-Rest-Mannschaft" u.a. auch als "Sparringspartner" agierte. Nach dem Heimspiel gegen Neckarsulm , geht es am Mittwoch-Feiertag nach Berlin zum DHB-Pokal Achtelfinale und schon am nächsten Montag trifft man in Györ im Champions League Gruppen-Rückspiel wieder auf die Weltbesten. Man kann nicht gerade von Langeweile bei den THC-Frauen sprechen.

Langeweile kennt Herbert Müller sowieso nicht, nach der Niederlage von Bukarest gegen Bietigheim klingelten sogar die Rumänen an und wollten den THC-Trainer aus dem Vertrag heraus engagieren. "Keine Option für Herbert Müller", berichtet der Pressedienst des Thüringer HC. Herbert Müller hat gerade auch andere Sorgen, so richtig erreicht seine Mannschaft noch nicht das erforderliche Niveau auf dem Champions League Parkett. "Der Lernprozess hinsichtlich internationaler Härte und Aggressivität ist nach den Niederlagen gegen Podravka Vegeta und Krim Mercator besonders schmerzlich. Da müssen die jungen `Neuen` durch", so der THC in seiner Mitteilung.

Dabei gab es am Sonntag in Nordhausen zwei ganz unterschiedliche Halbzeiten. Eine gute erste, wo der THC lange mitgehalten hat, die fünf-eins-Abwehrvariante recht gut gespielt hat und auf die Angriffe der Ungarinnen immer auch eine Antwort parat hatte und eine vermaledeite zweite, in der dann nichts mehr zusammenlief, was der Titelverteidiger auch konsequent nutze, um den THC zu zerlegen. Wenn da nicht gleich zwei vergebene Siebenmeter vor der Halbzeit waren, wäre das Halbzeitresultat noch besser ausgefallen.

Zurzeit läuft es in der zweiten Halbzeit einfach nicht mehr, sowohl in allen drei Champions League Gruppenspielen als auch beim Bundesligaspiel in Blomberg. Darauf legt Herbert Müller im Training den Schwerpunkt. "Lernprozess heißt zuallererst über das Training lernen. Deshalb fordert der Trainer mehr Konsequenz in der Abwehr, mehr Aggressivität beim Zupacken, ihm sind die THC-Mädchen da einfach zu brav. Es ist schon schmerzlich, dass die Mannschaft derzeit nicht das Level erreicht, was sie eigentlich draufhaben könnte. So sieht die Champions League derzeit gerade aus wie eine aussichtslose Geschichte, aber aufgeben gibt es nicht", so der Pressedienst des THC.

"Wir werden kämpfen bis zum Schluss, schauen zuerst auf uns, und dann werden wir sehen, was dabei rauskommt. Wir müssen so schnell wie möglich an das Level von Krim Ljubljana und Podravka Vegeta herankommen", sagt Herbert Müller. Auf der anderen Seite wäre die Option EHF-Cup kein Abstieg. Das ist das Niveau, was die deutschen Mannschaften spielen können, wo sie auch das Halbfinale oder sogar das Finale erreichen können. Dort gibt es nach der 3. Qualifikationsrunde auch noch eine Gruppenphase mit vier Gruppen a vier Mannschaften. "Eine reizvolle Aufgabe", sagt Herbert Müller, "aber zunächst einmal fighten wir bis zum Schluss".

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