22.05.2007 01:55 Uhr - 1. Bundesliga - cie

Müller bleibt in Nürnberg - Trier beklagt "Farce"

Herbert MüllerHerbert Müller
Quelle:
Seit Wochen handelte es sich um ein offenes Geheimnis, dass Frauenbundesligist DJK/MJC Trier bei der Suche auf einen Nachfolger für den scheidenden Mane Skercevic das Modell "Nürnberg" favorisierte. Neben Trainer Herbert Müller sollten dabei auch mehrere Spielerinnen vom finanziell angeschlagenen 1. FC Nürnberg an die Mosel wechseln. Nach dem Meisterschaftsgewinn gegen Bayer Leverkusen am Samstag revidierte Müller aber seine Entscheidung, entschied sich für einen Verbleib in Nürnberg und ließ den in Trier als sicher erachteten Wechsel platzen. Während Nürnberg nun auf die nachträgliche Lizenzerteilung durch die HBVF hofft, gilt es für Trier mit einem Plan B nicht nur einen Trainer sondern auch eine schlagkräftige Formation für die nächste Spielzeit zu finden.

Herbert Müller während des Rückspiels am SamstagHerbert Müller während des Rückspiels am Samstag
Quelle:
"Wir sind sprachlos", kommentierte Triers Pressesprecher Christopher Monz die Entscheidung Herbert Müllers in Nürnberg zu bleiben und von einem Wechsel nach Trier zurückzutreten. "Es bleibt ein sehr fader Beigeschmack bei seiner, sicher nur aus den Emotionen der Meisterschaft heraus eigentlich unverantwortlich getroffene Entscheidung, die von uns absolut niemand nachvollziehen kann, schon gar nicht nach den Verhandlungen in den letzten Wochen und seinen Aussagen in der Vergangenheit", so Triers Vorstand Martin Rommel. Dass Müller mit Trier nur gepokert habe verneint Rommel: "Es wirkt nun leider wirklich so, da Müller für seine Absage selbst keine Argumente vorbringen konnte und nach eigener Aussage selbst noch nicht weiß mit welchen Spielerinnen und welchem Etat er in Nürnberg in der kommenden Saison planen kann." In Trier sei Müller "über unsere Personalplanungen für die kommende Saison und auch die Sponsorensituation voll informiert" gewesen.

Die Trierer Verantwortlichen waren bei der Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden "Mane" Skercevic hohes Risiko gegangen. Nach der Inhaftierung des Nürnberger Geldgebers Schelsky im Zuge der Siemens-Affäre wurde Kontakt mit Herbert Müller gesucht und dieser, vor allem nach der erstinstanzlichen Lizenzverweigerung für Nürnberg durch die HBVF, intensiviert. Trier zeigte sich optimistisch, während Nürnberg weiterhin intensiv nach neuen Sponsoren sucht, boten die "Miezen" Planungssicherheit: "Wir hatten bereits feste Zusagen von Sponsoren die bei uns durch ein Engagement von Herbert Müller eingestiegen wären, sogar eine Aufstockung des Etats war angedacht", so Rommel, der auch auf den Wechsel einiger Spielerinnen gehofft hatte: "Wir haben einigen Spielerinnen aus Nürnberg, in Absprache mit Herbert Müller, Angebote unterbreitet." Nach dem Verbleib Müllers in Nürnberg rechnet Rommel aber auch mit einer Absage der Spielerinnen.

Zuvor hatte Martin Rommel, trotz der Bedenken seiner Vorstandskollegen, dem Nürnberger Trainer in den Verhandlungen im Vertrauen auf eine positive Entscheidung immer weitere Fristverlängerungen eingeräumt. Rommel zeigte sich entsprechend enttäuscht, er war von einer Zustimmung ausgegangen. Und auch Nürnbergs Vereinsvorsitzende hatte auf Anfrage des Trierischen Volksfreundes mitgeteilt, dass er von Müller über dessen Abschied aus Nürnberg und seinen Wechsel nach Trier informiert gewesen sei. Nach dem Gewinn der Meisterschaft hat Müller den zuvor gefassten Entschluß aber revidiert. Die Trierer Verantwortlichen zeigten dafür kein Verständnis: "Die Art und Weise wie die Verhandlungen in den letzten Wochen sich mit Müller gestalteten lassen die Verantwortlichen in Trier nur noch mit dem Kopf schütteln", so der Verein in einer Pressemeldung.

Welche Spielerinnen Herbert Müller unterdessen im nächsten Jahr in Nürnberg zur Verfügung stehen ist noch ungeklärt. Neben dem feststehenden Abgang von Katrin Engel ist definitiv, dass die österreichische Rekordnationalspielerin Barbara Strass ihre Karriere endültig beenden wird, sie erzielte in 184 Pflichtbegegnungen mit dem Club 635 Tore. Ebenfalls ihren Abschied erklärte Agnieszka Tobiasz, die ab Juli wieder als Physiotherapeutin arbeiten will. Sie feierte gemeinsam mit Strass in Nürnberg 2005 und 2007 die Deutsche Meisterschaft, 2004 und 2005 den Pokalsieg und 2004 den Gewinn im Challenge-Cup. Die Nürnberger Verantwortlichen hoffen derzeit aber noch Tobiasz umstimmen zu können. Eine Pause in der nächsten Saison wird zudem Steffi Ofenböck einlegen: "Ich möchte ein Baby und werde ein Jahr keinen Ball in die Hand nehmen", so die österreichische Nationalspielerin.

Mit allen anderen Spielerinnen führt der Verein derzeit Gespräche und kann dabei auch die Trumpfkarte Herbert Müller ausspielen. Bereits während der Meisterfeier hatte sich in Nürnberg alles um die Zukunft des Vereins gedreht, so auch bei der folgenden Feier. Die Verantwortlichen des Vereins zeigten sich optimistisch, nach dem Titelgewinn den, nach eigenen Angaben bereits gesicherten, Etat von angeblich 500.000 Euro für die kommende Spielzeit durch weitere neue Sponsoren noch aufstocken zu können, auch von der Teilnahme an der Champions League war die Rede. Zunächst aber schwebt das Damoklesschwert der Lizenzerteilung über dem Verein. Über die Beschwerde gegen die erstinstanzliche Verweigerung der Lizenz will die HBVF im Laufe der Woche entscheiden.

"Ich hatte vor der Partie einen Entschluss gefasst, was ich ab 1. Juli mache. Den habe ich aber während der 60 Minuten revidiert. Kann man diese Mannschaft verlassen?", so Herbert Müller während der Meisterfeier. Am Sonntag teilte er seinen Entschluß Vereinschef Hans-Georg Woertge mit und sagte Trier ab. Während Müller sich so in den nächsten Tagen um die Nürnberger Personalplanungen kümmern will, muss in Trier nun ein Plan B her. "Durch die praktisch abgeschlossenen Planungen mit Herbert Müller wird es nun für uns sehr schwer noch eine wettbewerbsfähige Mannschaft für die kommende Saison zusammen zu stellen", so Rommel.