03.09.2018 10:15 Uhr - 1. Bundesliga - PM HSG

Intensive Vorbereitung bei den Flames - Trainerin Heike Ahlgrimm im Interview

Heike AhlgrimmHeike Ahlgrimm
Quelle: Andrea Müller - HSG Bensheim/Auerbach Flames
Am 08. Juli fiel bei den Bundesliga-Handballern der Flames von der HSG Bensheim/Auerbach der Startschuss für die neue Saison. Für Heike Ahlgrimm ist es die dritte Saison als Flames-Trainerin und nach dem Aufstieg 2017 die zweite Saison im Oberhaus der Handball Bundesliga Frauen (HBF). Außerdem ist die ehemalige Nationalspielerin auch Leiterin der Handball Akademie in Bensheim, die sie vor drei Jahren aufgebaut hat. Flames-Mitarbeiterin Andrea Müller sprach vor 2 Wochen während des Skoda-Cups in Allensbach mit Heike Ahlgrimm über die Vorbereitung, die Ziele und die Jugendarbeit der Flames.

Heike, die Saison 2018/2019 steht vor der Tür. Wie lief Eure Vorbereitung bislang?

Heike Ahlgrimm:
Die Vorbereitung war eigentlich sehr ähnlich, wie letztes Jahr. Wir haben viele Testspiele gemacht und uns bisher sehr intensiv vorbereitet. Die ersten 3 Wochen waren wir überwiegend draußen und haben uns die Grundlagen, wie Ausdauer geholt. In diesem Jahr haben wir, das war etwas anderes gegenüber dem letzten Jahr, erstmals eine Regenrationswoche gemacht. Dies war eine gute Entscheidung, weil wir uns alle nochmal etwas fokussieren konnten.

Wir konnten nochmal ein bisschen abschalten, damit wir für den Rest der Vorbereitung gerüstet waren. Die 2. Vorbereitung hat dann vor 2 Wochen angefangen, jetzt mit dem Trainingslager, den Turnieren und den Testspielen. Von daher sind wir auf einem guten Weg und haben in den verbleibenden 3 Wochen immer noch viel Arbeit. Aber ich denke, dass wir optimistisch nach vorne gucken können.

Inwiefern hat euch die Hitze der vergangenen Wochen zu schaffen gemacht?

Heike Ahlgrimm:
Mit der Hitze müssen wir alle klarkommen. Das ist zwar nicht optimal und war dieses Jahr schon extrem, gerade wenn du draußen laufen gehst. Aber ich glaube, dass die Mädels das gut gemacht haben. Zusätzlich haben wir versucht viel im Wald zu sein, im Schatten und haben Trainingseinheiten nach hinten verschoben. Da hat man ja mehrere Möglichkeiten. Aber mit der Hitze müssen momentan alle klarkommen. Das betrifft die anderen Vereine genauso. Von daher ist es kein Problem.

Klar, könnten wir jammern, aber es bringt nichts. Auch in den Hallen ist es ziemlich warm, so auch hier beim Turnier in Allensbach. Ich glaube, in Allensbach hat es beim Turnier noch nie geregnet. In den letzten Jahren waren hier immer gefühlte 35 Grad und mehr, so wie heute auch. Aber es geht trotzdem.

Gegenüber der letzten Saison hat sich Dein Kader nur geringfügig verändert. Torfrau Pauline Radke hat ihre Karriere beendet und Larissa Platen wechselte zum Zweitligisten 1. FSV Mainz 05. Als Neuzugänge habt ihr die beiden Torfrauen Helen van Beurden und Melanie Breinich geholt sowie die Dänin Simone Spur Petersen vom Deutschen Pokalsieger VFL Oldenburg. Macht das die Vorbereitung einfacher, wenn nur wenige "Neue" eingebaut werden müssen?

Heike Ahlgrimm:
In bestimmten Dingen schon. Die Abläufe sind klar. Man muss auf dem Feld nur eine Spielerin integrieren und hat nicht 5 oder 6 Neue auf dem Feld stehen. Von daher ist auch die Gemeinschaft schon da und es ist natürlich schon leichter, wenn es nur 2-3 Leute sind, die sich da in die Mannschaft hineinfinden müssen. Das hat relativ gut funktioniert, weil alle drei Neuen auch sehr gut ins Team passen. Simone ist verletzungsbedingt leider zurückgeworfen worden und derzeit dadurch noch nicht zu 100 Prozent dabei.

Ansonsten haben wir 2 Torhüter, wo wir, natürlich auch in Absprache mit der 2. Mannschaft, geguckt haben, dass sie überall dabei sind. Klar, von daher macht es die Sache schon ein wenig einfacher, wenn man sich explizit auf das konzentrieren kann, was wir in den letzten Jahren schon gemacht haben und es ist dann nicht alles neu und man muss nur ein oder zwei Leuten bestimmte Abläufe erklären.

Wie schlagen sich denn die Neuen bisher auf der Platte?


Heike Ahlgrimm:
Wir sind froh, dass wir die Neuzugänge haben. Menschlich passen alle drei super ins Team. Sie haben auch schon in den bisherigen Spielen gezeigt, wie wertvoll sie für uns sein können. Torhüter haben da allerdings auch eine andere Position inne, als eine Feldspielerin. Simone ist, wie bereits erwähnt, etwas zurück geworfen worden. Aber ich denke, wenn sie wieder fit ist, dass sie für uns alle drei wertvoll sein können. Als Helen am Anfang der Vorbereitung nicht spielen konnte, war es schon wichtig, dass Melli da war. Jetzt sind alle drei Torhüter fit und ich denke, da haben wir einen guten Griff gemacht mit allen dreien.

Ihr wart jetzt für paar Tage im Trainingslager in der Sportschule in Ruit. Wie waren die Bedingungen und worauf lag das Hauptaugenmerk in diesen Tagen?

Heike Ahlgrimm:
Ruit war die richtige Entscheidung. Die letzten Jahre waren wir ja in Holland und wollten dieses Jahr mal etwas anderes ausprobieren, auch um die Fahrerei etwas zu verkürzen. Wenn du in Ruit bist, dann ist eben alles etwas dichter zusammen, auch die Weiterfahrt hier nach Allensbach. In der Sportschule hatten wir optimale Bedingungen. Das Essen war gut, wir hatten kurze Wege, wir hatten eine Halle, wo wir alle Sachen lassen konnten und mussten nirgendwo hinfahren. Du konntest direkt von Deinem Zimmer in die Halle und musstest nur die Schuhe anziehen und los geht´s. Von daher waren die Bedingungen optimal.

Wir haben uns auf uns konzentriert, haben viel 6 gegen 6 gemacht, viele Abläufe wiederholt, in Angriff und Abwehr geübt, was wir spielen wollen und ich glaube, dass uns das Trainingslager nach vorne gebracht hat. Dort konnten wir bestimmte Abläufe einfach nochmal besprechen und dann geht´s dort auch ums zusammenfinden. Wir hatten wieder ein Teamevent und eine Teamaufgabe, wo sich vier Gruppen miteinander beschäftigen sollten. Es gab anschließend den Teamabend, wo alles vorgestellt wurde und es gibt da die Ritualen, mit denen die neuen Spielerinnen aufgenommen wurden.

Genauso haben wir verschiedene Sachen besprochen, wie die Saison verläuft. Ich glaube, dass so ein Trainingslager für uns wichtig ist, um ein bisschen zusammen zu wachsen. Natürlich ist es anstrengend, das wissen wir alle, aber ich glaube, dass wir alle von dieser einen Woche sehr profitiert haben.

Für viele ist die Abwehrarbeit die Grundlage für erfolgreichen Handball. Oliver Roggisch hat einmal gesagt, dass diese Abwehrarbeit in erster Linie auf Willensleistung basiert. Siehst du das genauso und siehst du diesen Willen in deiner aktuellen Flames-Mannschaft?

Heike Ahlgrimm:
Ja. Jeder, der mich kennt weiß, dass ich eine gute Abwehrspielerin war und dass der Fokus natürlich schon auf die Abwehr gelegt wird. Wir haben auch eine Mannschaft, die mega geil Abwehr spielen kann. Wir haben viel ausprobiert und können theoretisch drei verschiedene Varianten spielen, wir können eine 6:0 Abwehr spielen, eine 5:1 aber auch mit einer 3-2-1-Abwehr decken. Wir sind eine Mannschaft, die das liebt und das ist auch unsere Stärke. Trotzdem haben wir uns im Trainingslager diesmal etwas mehr auf den Angriff konzentriert, weil es das ist, was uns manchmal noch fehlt.

Es nützt nichts, wenn ich mir das in der Abwehr erkämpfe und vorne den Ball nicht im Tor unterbringe. Abwehrarbeit ja, aber wir müssen auch den Fokus auf den Angriff legen. Da werden wir weiter arbeiten und sind auf einem guten Weg, denn auch da haben wir Fortschritte gemacht. Da werde ich von meiner Philosophie auch nicht runter gehen. Aber man schaut auch, wo man sich noch verbessern und verändern kann. Von daher ist das natürlich was, wo wir noch Luft nach oben haben

. Wenn man die Mannschaft im Training und bei den Spielen beobachtet hat man das Gefühl, dass die Truppe in sich sehr homogen ist...

Heike Ahlgrimm:
Ja, das ist mir auch wichtig und das ist das, was die Mannschaft und Bensheim auszeichnet. Wir sind wie eine kleine Familie. Es ist alles sehr familiär, jeder wird gut aufgenommen und ich glaube, dass können die Neuzugänge auch bestätigen, dass wir schon ein eingeschworener Haufen sind. Das wird auch dieses Jahr so sein, dass wir vieles auch als Team weg machen müssen. Wir haben bei uns im Kader nicht, wie viele andere Vereine, die entscheidende individuelle Spielerin, sondern wir schauen, dass wir das zusammen machen. Das ist mir ganz wichtig, wenn wir so viel Aufwand betreiben, dass man sich dann auch versteht. Es muss nicht immer alles "Friede, Freude, Eierkuchen sein", aber ich glaube schon, dass wir homogen sind. Es darf auch mal laut werden, aber wir sind eine kleine Familie und jeder weiß, was wir wollen.

Vildana Halilovic und Josephine Körner wurden in der letzten Saison operiert. Wie sieht es derzeit bei den beiden aus?

Heike Ahlgrimm:
Vildi hat die Operation gut überstanden. Wir haben uns hier viel Zeit gelassen. Sie ist jetzt wieder voll dabei und hat jetzt auch wieder zu 100 Prozent in der Halle angefangen. Da sind wir natürlich immer noch etwas vorsichtig und müssen gucken. Aber das machen wir in Absprache mit den Physiotherapeuten. Wir sind hier auf einem guten Weg. Klar, sie hat lange Zeit nicht gespielt und da müssen erst die Abläufe wieder stimmen.

Aber ich bin mit ihr zufrieden, sie hat das Trainingslager gut überstanden und ist jetzt hier in Allensbach voll dabei, so wie alle anderen auch, ohne dass sie irgendwie Probleme hat. Alles andere kommt mit der Zeit. Es kommt mit den Spielen und den Trainingseinheiten, dass man sich die Sicherheit für sich und die Unterstützung von der Mannschaft holt.

Jo wird leider noch länger ausfallen. Sie macht ihre Reha und dann schauen wir mal. Aber sie wird vor Dezember oder Januar nicht wieder dabei sein.

Ihr habt letzte Woche beim Domstadtcup in Fritzlar gespielt, während dem Trainingslager gegen den Ligakonkurrenten TV Nellingen. Jetzt spielt ihr hier beim Skoda-Cup, nächste Woche u.a. gegen Bad Wildungen und beim Lotto-Cup in Ludwigsburg. Wie ist Dein Fazit bisher?

Heike Ahlgrimm:
Es geht immer hoch und runter. Vorbereitungsspiele muss man, ehrlich gesagt, nicht überbewerten. Es ist halt schön, wenn man gewinnt, dass man sich vielleicht etwas das Selbstvertrauen holt. Ich glaube daher auch, dass das Spiel gegen Nellingen wichtig war. Mit der Leistung da war ich absolut zufrieden. Wir haben an diesem Tag ja vorher noch trainiert. Morgens waren wir laufen und haben zweimal in der Halle trainiert und dann eine Energieleistung gegen Nellingen abgerufen. Das ist für das Selbstvertrauen gut, wenn man einen Ligakonkurrenten schlägt.

Wir haben in der Vorbereitung viele Spiele, weil wir uns in den Spielen entwickeln. Ich muss aber auch sagen, dass wir in diesen Spielen viel wechseln, dass wir viel ausprobieren und testen und jeder seine Spielanteile bekommt. Es ist für uns die Möglichkeit zu gucken, wer mit wem gut kann, was harmoniert und wo wir noch was verändern müssen. In der Runde brauchen wir alle Spielerinnen und von daher haben wir jetzt hier das Turnier in Allensbach, waren letzte Woche in Fritzlar und fahren nächste Woche zum LOTTO-Cup.

Dann spielen wir noch gegen Bad Wildungen und gegen Ketsch. Dann schauen wir mal, wo die Reise hin geht und dass wir gerüstet sind, da wir ein megaschweres Auftaktprogramm haben. Wir müssen gleich in Buxtehude und zu Hause gegen Thüringen spielen. Von den ersten vier haben wir zwei bei uns. Deshalb musst du schauen, dass du gut gerüstet bist, auch mental und dann schauen wir, wie es weiter geht.

Reden wir über den Liga-Auftakt. Du hast es eben schon gesagt. Die Saison startet für euch am 08.09.2018 mit dem Auswärtsspiel beim Vorjahresdritten Buxtehuder SV, eine Woche später erwartet ihr den Deutschen Meister Thüringer HC zum ersten Heimspiel? ein einfacher Saisonauftakt sieht anders aus...

Heike Ahlgrimm:
Ja, aber jammern hilft nichts. Es ist nun mal so. Man könnte auch sagen, dann hat man sie gleich weg... Aber es ist auch so, dass sich am Anfang der Saison jeder noch findet. Das ist immer eine Möglichkeit da was zu reißen und für uns wird jedes Spiel wichtig sein. Wir haben letztes Jahr bewiesen, dass wir gegen die Großen mithalten und sie ärgern können. Von daher werden wir natürlich auch so an die Sache herangehen und in den ersten eins, zwei Spielen schauen, was da geht und werden versuchen das Beste daraus zu machen.

Inwiefern bist Du zufrieden mit dem Stand, den die Mannschaft im Moment hat? Welche Baustellen siehst du noch vor dem Saisonstart?

Heike Ahlgrimm:
Wir sind noch in der Vorbereitung und ich bin bisher zufrieden. Viele Dinge haben wir schon umgesetzt, viele Dinge ausprobiert und die, die wir uns neu vorgenommen haben, klappen schon ganz gut. Nichtsdestotrotz haben wir noch viel Arbeit, aber wir haben ja auch noch 3 Wochen bis die Saison anfängt. Von daher ist noch viel Zeit und ich glaube, dass wir uns da noch weiter entwickeln können und die weiteren Schritte, die wir uns vorgenommen haben, uns dann noch nach vorne bringen.

Ihr spielt jetzt das 2. Jahr in der 1. Liga. Jeder Handballexperte sagt, dass das 2. Jahr das schwerere Jahr wird. Wenn man sich ansieht, wie einige Vereine in der Liga aufgerüstet haben, kann das Ziel doch eigentlich auch diese Saison wieder nur "Klassenerhalt" lauten. Siehst Du das genauso? Mit welchem Ziel geht ihr in die neue Saison?

Heike Ahlgrimm:
Man sagt immer, dass das 2. Jahr das schwierigste ist. Für uns ist wichtig, dass wir uns weiterentwickeln und dass wir aus den Fehlern der letzten Saison lernen. Das haben wir uns vorgenommen. Dazu gehört, dass wir knappe Spiele dann vielleicht auch mal für uns entscheiden. Genaue Ziele werden wir kommunizieren, wenn es soweit ist. Das machen wir vom Team aus. Es geht definitiv um den Klassenerhalt, das wird sich nicht ändern. Das wird das Ziel sein. Nichtsdestotrotz wollen wir einen Schritt nach vorne machen. Das muss unser Anspruch sein, dass wir gegenüber dem letzten Jahr einen Schritt nach vorne machen.

Kommen wir nochmal kurz auf die alte Saison zurück. Das Ziel, der Sportliche Klassenerhalt, wurde erreicht. Gibt es Erkenntnisse, egal in welche Richtung, die du mit in die neue Saison nimmst? Wie zufrieden warst du mit dem Verlauf der ersten Saison, an dessen Ende der sportliche Klassenerhalt stand?

Heike Ahlgrimm:
Wir haben bei vielen Spielen überrascht und Punkte geholt, mit denen keiner gerechnet hat. Aber wir haben auch viele Punkte liegen lassen, die wir gerne haben wollten. Auch letztes Jahr haben wir ein Saisonziel gehabt. Das Saisonziel war der Klassenerhalt, das haben wir erreicht. Das ist das, worauf wir stolz sein können.

Nichtsdestotrotz wissen wir auch, dass wir viele Spiele knapp verloren haben, weil wir Neuling waren, weil wir wahrscheinlich Angst vor der eigenen Courage hatten und weil wir nicht wussten, was auf uns zukommt. Von daher werden wir daran arbeiten, dass wir diesen Schritt nach vorne machen und dass wir uns dieses Jahr vielleicht viel, viel mehr belohnen für gute Leistungen und dann mal in solchen Spielen als Sieger vom Platz gehen.

Zwei Deiner jüngsten Spielerinnen, Julia Maidhof und Merel Freriks, haben unter dir letzte Saison nochmal einen Riesensprung in der 1. Liga nach vorne gemacht und waren mit der U20-Nationalmannschaft von Deutschland bzw. der Niederlande bei der WM. Wie bewertest du die Leistungen der Beiden?

Heike Ahlgrimm:
Ich glaube, dass wir glücklich sein können, dass Bensheim zwei so überragende Spielerinnen hat. Sie haben einen Riesenschritt gemacht und werden auch noch weitere Schritte machen. Ich freue mich, dass ich sie dabei unterstützen kann und ich freue mich, dass ich sie bei diesem Weg begleiten kann, denn ich glaube, dass beide mal ganz oben ankommen können. Da ist ganz viel Potential und da werden wir gemeinsam mit ihnen weitere Schritte machen. Wie gesagt, beide werden, in meinen Augen, mal den Sprung in die Frauen-Nationalmannschaft ihres Landes schaffen.

Wenn wir schon bei den jungen Spielerinnen sind... Du verbringst ja auch noch viel Zeit mit der Jugendarbeit und hast die Position der sportlichen Leitung der Handball Akademie der Flames inne. Hier hat sich in Bensheim viel entwickelt, seit du da bist. Wie wichtig ist für dich die Jugendarbeit und die Handball Akademie?

Heike Ahlgrimm:
Wir haben in Bensheim in den letzten Jahren viel für die Jugendarbeit getan und das alles hier mal etwas strukturiert aufgebaut. Dafür haben wir jetzt ein richtig gutes Team mit Ilka Fickinger als Jugendkoordinatorin und Lisa Mößinger als Trainerin der Junior Flames und viele weitere Trainer. Mit allen unseren Trainern haben wir viele Möglichkeiten und viel Potential. Das muss der Weg von Bensheim sein. Die Akademie hat sich entwickelt und ich bin froh, dass wir dieses Jahr die Akademie voll haben. Wir haben einige Neuzugänge und erstmals eigene Bewerbungen bekommen.

Die Leute sehen, dass wir eine gute Arbeit machen und wir haben es auch wieder in die Jugend-Bundesliga geschafft und sind mit der zweiten Mannschaft aufgestiegen. Wir werden diesen Weg weiter gehen, weil dieser für Bensheim ganz, ganz wichtig ist. Jetzt kommen dann die nächsten Schritte und von daher werden wir hier weiter viel investieren und auch viel Zeit investieren. Das Ganze ist sehr zeitaufwendig, da bin ich auch ehrlich. Aber ich glaube, wenn man dann sieht, dass wirklich was dabei herum kommt und wie man sich entwickelt, dann macht es auch Spaß in diese Richtung zu gehen.

Nichtsdestotrotz hat man auch da, wie bei allen Dingen, noch viel Luft nach oben und da werden wir weiter gemeinsam daran arbeiten, dass wir da auch in den nächsten Jahren die nächsten Schritte machen. Das geht Schritt für Schritt. Wir dürfen den zweiten Schritt nicht vor dem Ersten machen. Wir müssen gucken: wer sind wir und von woher kommen wir und von daher geht es in den nächsten Jahren da weiter.

Julia Maidhof und Merel Freriks sind ja sehr gute Beispiele dafür, dass auch junge Spielerinnen bei dir die Chance in der 1. Liga bekommen und viele Einsatzzeiten haben, was bei vielen Bundesligisten ja nicht so der Fall wäre. Hinzu kommen weitere Spielerinnen wie Lisa Friedberger oder Vildana Halilovic. In die Zukunft gesehen, müsste dass doch auch junge Spielerinnen, wie z.B. deutsche U18-Nationalspielerinnen, ermutigen können, dass die Flames gar keine schlechte Adresse für junge Talente sind...

Heike Ahlgrimm:
Ja, ich freue mich. Wir versuchen das. Es klappt nicht immer. Aber wir haben das in den letzten Jahren auch gezeigt, dass wir die Spielerinnen entwickeln können, dass sie auch ihre Einsatzzeiten kriegen und wir haben eine gute Mischung dieses Jahr. Wir wollen diesen Weg weiter gehen und wie schon gesagt, ich arbeite sehr gerne mit jungen Leuten zusammen. Trotz allem geht es nur mit dieser Mischung, da müssen wir auch ehrlich sein. Ich würde mich freuen, wenn sich die eine oder andere Spielerin entscheidet und sagt: ich gehe den Weg mit den Flames. Von daher werden wir weiter in diese Richtung gehen.

Der THC wird von den meisten als Topfavorit gehandelt, hat sich mit den drei deutschen Nationalspielerinnen Emily Bölk, Alicia Stolle und Ina Grossmann verstärkt. Siehst Du den THC ebenfalls als Topfavorit?

Heike Ahlgrimm:
Ich glaube, dass wir eine 2-3 Klassengesellschaft sind. Das da oben spielt für uns gar keine Rolle. Für mich ist der THC der absolute Topfavorit. Er hat sehr, sehr interessante junge Leute geholt, wie Emily Bölk oder Alicia Stolle. Ich glaube, dass sie dort eine sehr gute Arbeit machen. Nichtsdestotrotz wird es da oben ein Zweikampf werden, wenn in Bietigheim alle fit sind. Dann haben wir unter den ersten vier noch Metzingen und Dortmund. Danach kommt ein breiteres Mittelfeld mit Teams wie Buxtehude, Leverkusen und Blomberg. Dann muss man abwarten, wie sich die anderen Mannschaften so entwickeln und ich glaube, dass alles da unten dieses Jahr etwas breiter und größer ist gegenüber der letzten Saison.

Es gibt nicht mehr ein Rödertal, sondern es betrifft da unten in meinen Augen 5-6 Mannschaften, die auch absteigen können. Es muss unser Ziel sein, fleißig Punkte zu sammeln, weil Halle, Nelingen, Neckarsulm, Oldenburg, Göppingen und wir um den Klassenerhalt kämpfen werden. Von daher müssen wir gucken, dass wir fleißig die Punkte sammeln, uns klar fokussieren und unser Ziel erreichen.

Wie groß ist die Lust auf den Rundenauftakt? Was planst du noch in der Vorbereitung bis dahin?

Heike Ahlgrimm:
Die Vorbereitung ist sehr intensiv. Sie ist sehr zeitintensiv und sehr belastungsintensiv für die Mädels. Ich glaube, dass sich alle den Saisonstart herbeisehnen, dass endlich diese Sch...Zeit vorbeigeht. Denn das ist sie manchmal, wenn man so den inneren Schweinehund überwinden muss. Das wissen wir alle. Ich habe ja auch jahrelang selbst Handball gespielt, von daher weiß ich das natürlich auch. Trotzdem gehört das dazu und wir schauen, dass wir nicht den Spaß dabei verlieren und man sich dann dafür mit 1,2 Siegen belohnt.

Die Mädels haben super mitgezogen und wir freuen uns alle auf die Saison. Als Trainer kann ich natürlich sagen, dass ich froh bin, wenn der Rundenauftakt noch nicht da ist, da wir noch einige Baustellen haben. Die Spielerinnen aber werden sagen: ?geil, es ist bald vorbei?. Wie gesagt, es gehört dazu. Wir haben noch etwas Zeit bis zum Saisonstart und ich glaube, dass wir bis dahin gerüstet sind, um das 1. Spiel in Buxtehude positiv zu gestalten.

Vielen Dank für das nette Gespräch und viel Erfolg beim Klassenerhalt 2.0.