14.07.2018 13:43 Uhr - 1. Bundesliga - Wieland Berkholz

"Wir sind mit den Top-Nationen auf Augenhöhe": Robert Nijdam im Interview

Robert NijdamRobert Nijdam
Quelle: TSV Bayer 04
Das Nachwuchsteam der Niederlande hat in diesem Turnier bewiesen, dass man in der absoluten Leistungsspitze angekommen ist. Scheiterte man 2016 noch im Achtelfinale an Deutschland, so war beim aktuellen Turnier erst gegen den Titelfavoriten aus Russland mit der 28:26-Niederlage Schluss. Verantwortlich an der Seitenlinie ist Robert Nijdam. Der 46-jährige blickt auf eine lange Karriere als Spieler und Trainer zurück. Den Schritt in den Damenhandball unternahm Nijdam erst vor vier Jahren, mit der Leitung der niederländischen Handballakademie. Nach diesem Turnier wird der studierte Psychologe das Traineramt des Frauen-Bundesligisten Bayer Leverkusen übernehmen. Wieland Berkholz hatte die Gelegenheit in Debrecen mit ihm über seine illustre Karriere sowie die zukünftige Aufgabe in Deutschland zu sprechen.

Handballkenner bringen Ihren Namen in erster Linie mit Ihrer Zeit als Spieler in der Bundesliga in Verbindung. Sie spielten aber er Saison 1997/98 für den OSC Rheinhausen.

Robert Nijdam:
Natürlich erinnere ich mich noch sehr gut daran. Ich war ja der erste Holländer überhaupt, der in der Bundesliga spielte. Kurz darauf folgten Marco Beers und Mark Schmetz.

Zu dieser Zeit habe ich schon gemerkt, dass viele Deutsche gar nicht wussten, dass auch in den Niederlanden Handball gespielt wird. Das war eine gute Truppe damals beim OSC mit Nedjelko Jovanovic und Robert Andersson. Das Kapital war ja nach sechs Monaten wegen der Insolvenz schnell beendet. Aber die weiteren Stationen in Deutschland mit Bielefeld, Nettelstedt und Solingen habe ich auch noch in guter Erinnerung.

Ihre Vita weist eine interessante Station als Nationaltrainer in Burkina-Faso auf. Wie kam es zu diesem Engagement?

Robert Nijdam:
Ich war zuvor Trainer in Belgien und sprach ganz gut Französisch. Der Kontakt kam zufällig zustande. Ich möchte dieses Jahr auch nicht missen. In Burkina Faso gibt es genau eine Sporthalle mit einer ausreichenden Fläche für Handball. Dort lernt man kreativ zu improvisieren.


Seit 2014 sind Sie im niederländischen Verband für den weiblichen Juniorinnenbereich zuständig. Was ist Ihre Aufgabe?

Robert Nijdam:
Ich bin im niederländischen olympischen Sportzentrum in Papendal angestellt. Das ist bei Arnheim. Seit vier Jahren nutzten die Handballer diese Einrichtung. Dort trainieren die besten Talente unter der Woche und spielen am Wochenende im Ligabetrieb in Ihren Vereinen.

Das bedeutet, dass die Spielerinnen am Wochenende ohne Training in ihren Heimatvereinen die Ligaspiele absolvieren?

Robert Nijdam:
Nein. Sie kommen am Sonntagabend nach Papendal und fahren Donnerstag nach Hause. Freitag machen sie dann eine Einheit im Heimatverein und absolvieren die Ligaspiele. Wir sehen in diesem Konzept mehr Vor- als Nachteile.

Sie haben mit Ihrer Mannschaft das Viertelfinale erreicht. Sind Sie damit zufrieden?

Robert Nijdam:
Ja, wir können sehr zufrieden sein. Wir waren in den Spielen gegen die Topnationen aus Dänemark und Russland auf absoluter Augenhöhe. Da haben nur Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage entschieden. Das Turnier zeigt, dass es in der Leistungsspitze, also sechs bis sieben Mannschaften, insgesamt nur wenige Unterschiede gibt. Das ist eine gute Situation derzeit.

Nach diesem Turnier übernehmen Sie in Leverkusen das Traineramt von Renate Wolf. Sie waren zuvor im Herrenbereich in der Schweiz, Belgien und den Niederlanden tätig. Es wird ihre erste Trainerstation im weiblichen Seniorenbereich. Warum haben Sie sich für Leverkusen entschieden?

Robert Nijdam:
Ich war jetzt vier Jahre in der Akademie und habe mit Juniorinnen gearbeitet. Renate Wolf kenne ich schon sehr lange. Leverkusen bietet gute Voraussetzung und setzt auf Talente. In der kommenden Saison werden ich dort beispielsweise Mia Zschocke, Amelie Berger und Jennifer Souza trainieren, welche hier zum DHB-Team gehörten. Leverkusen ist zudem der stabilste Verein in der Bundesliga, welche insgesamt eine gute Liga ist. Von daher glaube ich, dort eine spannende Aufgabe zu finden.

Wie haben Sie sich über die Bundesliga im Vorfeld informiert?

Robert Nijdam:
Es spielen ja einige meiner Juniorinnen in der Bundesliga, auch aus den vorherigen Jahrgängen. Dann kann man sich alle Spiele über die HBF-Seite die Livestreams anschauen. Ich denke schon, dass ich gut vorbereitet an diese Aufgabe herangehen kann.