10.07.2018 22:52 Uhr - Jugend/Juniorinnen - Wieland Berkholz

Mit dem letzten Wurf: Deutschland scheitert im Achtelfinale an Dänemark trotz "perfekter erster Halbzeit"

Mia Zschocke und die deutschen Frauen wurden im zweiten Abschnitt von Dänemark ausgebremstMia Zschocke und die deutschen Frauen wurden im zweiten Abschnitt von Dänemark ausgebremst
Quelle: Wieland Berkholz
Trotz der besten Turnierleistung, einer starken Abwehrleistung und einem über weite Strecken deutlich variableren Spiel als der Gegner ist das DHB-Team gegen den Favoriten aus Dänemark im Achtelfinale der U20-WM mit einer 24:25-Niederlage ausgeschieden. Es war die dritte Niederlage mit nur einem Treffer Unterschied im Turnierverlauf, die beiden zuvor erlittenen hatten maßgeblichen Anteil, dass das DHB-Team als Gruppenvierter bereits im Achtelfinale auf einen der Titelanwärter traf. Diesem leistete der deutsche Nachwuchs über sechzig Minuten Paroli, besiegelt wurde das Aus am Ende durch den letzten Wurf, am Ende der News im IHF-Video, der knapp das Ziel verfehlte.

Das DHB-Team konnte durch das 1:0 durch Mia Zschocke nach zwei Minuten in Führung gehen. Doch schnell zeigte sich, dass gegen diesen Gegner jeder Fehler umgehend bestraft werden würde. Nachdem zweimal Lott und einmal Maidhof frei an Amalie Milling im dänischen Tor gescheitert waren, drehte der Favorit durch einfache Treffer im erweiterten Gegenstoß das Ergebnis bis zur neunten Minute auf 2:5.

Doch die DHB-Mädels kämpften von Beginn an in der Deckung aufopferungsvoll und zwangen ihrerseits die dänischen Angreiferinnen zu Fehlern. Das Zusammenspiel mit der hervorragenden Lea Rüther funktioniert zuverlässig. So gelang durch Treffer der sehr agilen Zschocke sowie Maidhof der Ausgleich.

Ein Schock ereilte das dänische Team unterdessen in der vierzehnten Minute. Ohne Gegnereinwirkung war Nikoline Lundgren mit dem rechten Knie umgeknickt und musste unter sichtbaren Schmerzen mit einer Trage vom Feld befördert werden. Im bisherigen Turnierverlauf war sie eine der besten Schützinnen ihres Teams.

Ihren Platz nahm zunächst Kindberg Hansen und später Mathilde Hylleberg ein. Der dänische Coach nahm zudem bald eine Auszeit, um sein Team neu zu ordnen. Mit einer zweiten Kreisläuferin sowie kurze darauf mit einer 7:6-Überzahltaktik versuchte Eriksen dem Spiel die gewünschte Wendung zu gehen.

Doch das deutsche Team steigerte sich zum Ende und konnte sich immer mehr auf Lea Rüther verlassen. Amelie Berger und Mia Zschocke zweimal erzielten drei Treffer in das leere Tor. Auch Lousia de Bellis war zweimal vom Kreis erfolgreich. Mit einer 12:9 Führung ging der deutsche Nachwuchs in die Halbzeit.

Bundestrainerin Marielle Bohm vertraute der Breite ihres Kaders und brachte in Hälfte zwei am Kreis die erst 18-jährige Lisa Antl. Diese führte sich mit dem Treffer zum 14:11 auch gut in die Begegnung ein, scheiterte jedoch anschließend. Die deutsche Deckung stand weiterhin gut, die Gegentreffer resultierten weiterhin wie auch in Hälfte eins in der Regel nur aus dem erweiterten Gegenstoß.

Doch der dänische Trainer Heine Eriksen griff weiter in die Taktikkiste. In der 41. Minute wechselte er Josephine Nordstrom ein, die im weiteren Verlauf unter anderem noch zwei Strafwürfe halten sollte. Entscheidender Schachzug war allerdings die enge Deckung von Spielmacherin Mia Zschocke. Die Leverkusenerin hatte bis zu diesem Zeitpunkt sieben Treffer erzielt, wurde dadurch aber neutralisiert - ihr gelang nur noch ein weiterer Treffer und ihre Mitspielerinnen konnten die Freiräume nicht nutzen. Eine tief enttäuschte Lena Degenhardt sah in dieser Maßnahme auch einen entscheidenden Wendepunkt. "Wir haben dann im Angriff keine guten Lösungen mehr gefunden."

In der Offensive spielte Dänemark unterdessen ab sofort fast nur noch den gleichen Spielzug. Spielmacherin Laura Jensen brachte Tempo in das Spiel und passte im letzten Spielzug auf Linksaußen Emma Fries. Diese egalisierte mit drei Treffern in Folge den 16:19 Rückstand und war in der 51 Minute auch für die 21:20 Führung zuständig.

In dieser entscheidenden Phase handelte sich das deutsche Team zudem einen Wechselfehler ein und spielte zum Teil in doppelter Unterzahl. Beim 25:22 durch Hageso vier Minuten vor dem Ende schien die Begegnung für Dänemark "durch" zu sein. Doch Berger und Lott schafften noch einmal den Anschlusstreffer. Die Däninnen verpassten die Vorentscheidung, das DHB-Team aber auf der Gegenseite auch den möglichen Ausgleich. Zehn Sekunden vor dem Schlusspfiff gerieten die Deutschen noch einmal in Ballbesitz, der beherzte Angriff wurde aber von den Däninnen auf Kosten eines Freiwurfs gestoppt. Zwei Sekunden waren noch zu spielen, Annika Lott übernahm die Verantwortung und scheiterte knapp.

Co-Trainer Jens Pfänder analysierte kurz nach Schlusspfiff die Ursachen für die Niederlage: "Die erste Hälfte konnte man in der Abwehr kaum besser spielen. Das haben wir in Hälfte zwei nicht mehr so gut hinbekommen und dadurch fehlten die einfachen Tore, welche uns noch bei 7:6 gelangen. Dadurch kamen die Däninnen wieder ins Spiel und zeigten ihre Routine und Klasse. In der Mitte haben wir nicht mehr richtig gut verschoben. Dadurch standen die Außen den Halben und Außen gegenüber und entschieden sich für die Halben. Friies hat dann sehr stark abgeschlossen. Da war für unsere Torhüterin kaum etwas zu machen."

Die dänische Torhüterin Josephine Nordstrom sah nicht die bester Leistung ihres Teams in diesem Turnier, jedoch "haben wir nie aufgehört zu kämpfen und wurden am Ende belohnt."

Dänemarks Trainer Heine Eriksen sah sich in seiner vor dem Spiel abgegebenen Prognose bestätigt: "Achtelfinalspiele sind immer eng. In der ersten Hälfte war das deutsche Team deutlich besser als wir. Am Ende war der Tausch der Torhüterin in Verbindung mit einer veränderten Deckung der Schlüssel zum Erfolg für uns."

Letzter Wurf im IHF-Video