22.06.2018 10:15 Uhr - 2. Bundesliga - Dieter Metzler, Münchner Merkur

Harald Fischer vom HCD Gröbenzell: Zweitliga-Abenteuer "gar nicht gegen Geld oder Arbeitsaufwand aufzuwiegen"

Harald FischerHarald Fischer
Quelle: B. Franke, HCD
Nur ein Jahr dauerte das in der Vereinsgeschichte zweite Gastspiel des HCD Gröbenzell in der 2. Bundesliga. Harald Fischer, einstiger Bundesliga-Torwart in Düsseldorf und seit sechs Jahren Co-Trainer beim HCD Gröbenzell, blickt zurück...

Herr Fischer, auch wenn der HCD abgestiegen ist, habe man eine klasse Saison gespielt. Das sagten Sie nach dem Schlussauftritt in Hannover. Womit können Sie diese Aussage begründen, nachdem die Mannschaft nur fünf Siege und drei Unentschieden schaffte und vom ersten Spieltag an am Tabellenende stand?

Harald Fischer:
Wir sind ja mit der gleichen Mannschaft in die 2. Bundesliga gegangen, mit der wir aufgestiegen sind - wenn man von dem Abgang unserer ersten Kreisläuferin absieht. Bei uns war keine Spielerin im Kader, die bereits Erst- oder Zweitliga-Erfahrung mitbringt. Das unterscheidet uns von allen anderen Teams. Wir haben uns auch intern in einer Konsensentscheidung dafür ausgesprochen, unseren Spielerinnen das Vertrauen zu schenken, statt Externe und Unbekannte zu verpflichten. Offerten gab es zuhauf. Dass wir ein paar Monate gebraucht haben, um in der neuen Liga anzukommen, war klar und erwartbar. Was die Mannschaft dann in der Rückrunde geleistet hat, nämlich zwölf Punkte zu holen und den Ausfall von unserer Toptorschützin Vera Balk zu kompensieren, ist nicht hoch genug einzuschätzen und lässt keinen anderen Schluss zu, als von einer klasse Saison zu sprechen.

Hat sich die 2. Bundesliga wirklich gelohnt?

Harald Fischer:
Das, was die Spielerinnen, aber auch alle Freunde, Fans und Vereinsmitglieder, im letzten Jahr beim HCD erlebt und gelernt haben, ist gar nicht gegen Geld oder Arbeitsaufwand aufzuwiegen. Beim Sport geht es doch immer darum, sich weiterzuentwickeln und genau das haben wir gemeinsam gemacht. Wenn wir wieder mal in die Situation kommen, zweite Liga spielen zu dürfen, gibt es beim HCD 16 Spielerinnen, drei Trainer und viele, viele Unterstützer, die das alles schon mal erlebt haben, und das wird enorm helfen. Die tollen Erfahrungen, die wir sammeln durften, kann uns keiner mehr nehmen. Und das betrifft eben nicht nur die Spielerinnen der ersten Mannschaft, sondern zieht sich durch bis zu den ganz kleinen Handballerinnen, die mit viel Begeisterung gemeinsam mit ihren Eltern das Abenteuer 2. Bundesliga verfolgt haben. Der HCD liegt bei den Zuschauerzahlen im Mittelfeld der Liga, deutlich vor größeren Städten. Diese sind auch nicht eingebrochen, als wir eine längere Zeit erfolglos blieben.

Welche Faktoren waren entscheidend, dass der Klassenerhalt nicht geschafft wurde?

Harald Fischer:
Ich glaube, wir haben einfach ein paar Wochen zu lange gebraucht, um in der Liga anzukommen. Vielleicht hat uns in den ersten Spielen auch nur einmal ein Lucky Punch gefehlt. Wenn wir vielleicht eines der ersten knappen Spiele für uns hätten entscheiden können, hätten die Spielerinnen schneller das Vertrauen gehabt, dass wir auch in dieser Liga siegen können. So hat es einfach zu lange gedauert, bis sich das Gefühl eingestellt hat: Wir können auch gewinnen und nicht nur mithalten. Sicher hat die frühe Verletzung unserer Torhüterin Theresa Bauer auch dazu beigetragen, dass in der Hinrunde eine gewisse Unsicherheit herrschte.

Obwohl es sich recht früh in der Saison abgezeichnet hat, dass der HCD wohl wieder runter in die 3. Liga muss, ist die Euphorie und Begeisterung in der Mannschaft bis zum letzten Spieltag ungebrochen geblieben. Wie ist gelungen, die Motivation hoch zu halten?

Harald Fischer:
Das war überhaupt nicht schwierig. Für viele Spielerinnen war es ein lang gehegter Traum, den sie sich mit dem Aufstieg in die zweite Liga erfüllen konnten. Jedes Heimspiel war ein absolutes Highlight in der Karriere, das total genossen wurde. Die Stimmung war über die gesamte Saison hinweg gut. Auch bei uns Trainern. Der Spaß blieb auch im Training nie auf der Strecke. Wir haben auch einfach viele Spielerinnen im Team, die man nicht groß zum Training motivieren muss, die wissen, was nötig ist, um auf diesem Niveau zu spielen. Und mit Standing Ovations beim letzten Heimspiel von 500 Zuschauern verabschiedet zu werden ist schon ein toller Moment.

Wie ist der Verein finanziell über die Runden gekommen? Wie hoch war der Etat und reichte er aus? Waren genügend Sponsoren vorhanden?

Harald Fischer:
Durch den tollen Auftritt der Mannschaft in den vergangenen Jahren ist es auch gelungen weitere Freunde, Spender und Sponsoren für unseren gesamten Verein zu gewinnen. Wir konnten die Basis unserer Unterstützer deutlich verbreitern und so wurden die gesteigerten Kosten aufgefangen. Auch in der kommenden Drittliga-Saison hoffen wir, dass uns diese vielen Freunde und Gönner erhalten bleiben. Erste positive Signale sind schon deutlich zu erkennen.

Im Abstiegskampf werden häufig die Trainer gewechselt. War das je ein Thema beim HCD in der zurückliegenden Saison?

Harald Fischer:
Das soll nicht arrogant klingen, aber das war tatsächlich kein Thema. Auch nach sechs gemeinsamen Jahren haben Hendrik (Pleines, der Cheftrainer, Anm.d.Red.) und ich noch das Gefühl, dass uns das Team vertraut und wir die Mannschaft weiterbringen können. Das Verhältnis zwischen uns Trainern und den Spielerinnen ist beim HCD ein sehr gutes. Probleme werden offen angesprochen und gemeinsam gelöst. Gerade die erfahrenen Spielerinnen und der Mannschaftsrat werden in Entscheidungen mit einbezogen. Es besteht ein gutes Vertrauensverhältnis, das durch ein paar Niederlagen nicht erschüttert werden kann. Dafür kennen wir uns einfach zu lange und arbeiten zu lange auf die gleichen Ziele hin.

Wie stellt sich die Personalplanung für die neue Saison vor? Welche Spielerinnen verlassen den HCD, welche kommen hinzu? Bleiben Sie und Hendrik Pleines als Trainer?

Harald Fischer:
Bekanntlich verlassen uns mit Svenja Jänicke, Ines Flesch und Verena Oßwald leider drei Schlüsselspielerinnen der letzten Saison. Dafür rechnen wir stark mit einem Comeback von Theresa Bauer im Tor und hoffen auch, dass sich das Knie von Vera Balk weiterhin so gut erholt, das sie wieder den Rückraum verstärkt. Mit der Linkshänderin Christine Königsmann vom TSV Haunstetten steht bereits der erste Neuzugang fest. Außerdem wollen wir ein paar Jugendspielerinnen noch enger ans Frauenteam heranführen. Der Rest des Teams bleibt erfreulicherweise so zusammen. Und auch Hendrik und ich haben für kommende Saison zugesagt. Um langsam einen personellen Umbruch einzuläuten, nehmen wir Konstantin Schlosser mit ins Trainerteam. Außerdem hoffen wir auf ein weiteres Engagement unserer Athletik- und Individual-Betreuer. Wir stellen auf jeden Fall ein cooles Team auf die Beine.

Wann geht es los mit der Vorbereitung?

Harald Fischer:
Nachdem die Saison bis Ende Mai lief, starten wir erst am 8.?Juli in die Vorbereitung. Die wird dadurch zwar etwas kürzer, aber dafür noch intensiver. Höhepunkte sind wieder die beiden hochklassig besetzten Turniere Lotto- und Skoda-Cup sowie das DHB-Pokalspiel, für das wir uns durch die Zweitligazugehörigkeit qualifiziert haben. Punktspielstart ist am 15. September.

Ist ein direkter Wiederaufstieg denkbar?

Harald Fischer:
Wir werden erst während der Vorbereitung gemeinsam mit den Spielerinnen, unserem Mentalcoach sowie der Vereinsführung Ziele für die kommende Saison festlegen.

Wie lautet Ihr persönlicher Wunsch?

Harald Fischer:
Ich wünsche mir, dass die Begeisterung, die vor allem in den letzten Jahren beim HCD in allen Mannschaften entfacht wurde, weiterhin anhält. Dass viele Kinder und Fans gerne in die Wildmooshalle zum Spielen und Anfeuern kommen, weil sie bei uns hochwertigen und engagierten Frauenhandball zu sehen bekommen. Für unsere Mannschaft wünsche ich mir den gleichen engen Zusammenhalt wie im vergangenen Jahr und weiterhin eine positive Entwicklung der einzelnen Spielerinnen.