06.06.2018 18:58 Uhr - Europameisterschaft - noa

Sieg bei Loerper-Abschied: DHB-Auswahl mit Licht und Schatten im Länderspiel gegen Polen

Emily Bölk, hier gegen Karolina Kudlacz-Gloc, siegte mit der deutschen Mannschaft knapp im Testspiel gegen Polen.Emily Bölk, hier gegen Karolina Kudlacz-Gloc, siegte mit der deutschen Mannschaft knapp im Testspiel gegen Polen.
Quelle: Michael Schmidt
Schwer tat sich die deutsche Frauen-Nationalmannschaft in der Testpartie in München gegen Polen. In der Olympiahalle zeigte die Mannschaft von Bundestrainer Henk Groener Licht und Schatten. Beim letzten Länderspiel von Anna Loerper erkämpfte sich die DHB-Auswahl einen knappen 30:29 (15:14)-Erfolg. Unter großem Applaus wurde die dreifache Torschützin in ihrem 246. Länderspiel von Mannschaft und Publikum verabschiedet. "Es war besser, als ich es mir erwünscht habe, vielen Dank", sagte Anna Loerper vor knapp 7.000 Zuschauern. Franziska Müller, beste Torschützin mit neun Toren, und Alicia Stolle erzielten in der Schlussphase der ausgeglichenen Partie die entscheidenden Treffer. Bei den Polinnen überzeugten Karolina Kudlacz-Gloc und Kinga Grzyb. Um 19.55 Uhr steigt das zweite Länderspiel des Tages. Dann trifft die deutsche Männernationalmannschaft im Test auf Vizeweltmeister Norwegen.

Die deutsche Mannschaft überzeugte in einer guten Anfangsphase mit Schnelligkeit und Präzision. Es starteten Dinah Eckerle, Maike Schirmer, Alicia Stolle, Julia Behnke, Emily Bölk, Franzisa Müller und Anna Loerper in ihrem letzten Länderspiel. Die DHB-Auswahl zwang mit einer 5:1-Formation die Polinnen zu frühen Fehlern. Julia Behnke nutzte einen Ballgewinn per Gegenstoß zum 1:0 nach anderthalb Minuten. Währenddessen fand Torhüterin Dinah hervorragend in die Begegnung, entschärfte zwei Würfe der Polinnen und einen Siebenmeter.

Dennoch konnte die deutsche Mannschaft kein Kapital aus den gelungenen Defensivaktionen schlagen. Zwar fanden gute Anspiele statt, aber die Chancen wurden zu selten verwertet. Das nutzte jetzt Polen aus. Die Mannschaft von Trainer Leszek Krowicki nahm Fahrt auf, ging nach zehn Minuten dank der Treffer von Karolina Kudlacz-Gloc und Kinga Grzyb in Führung (3:4) und erhöhte sogar. Dementsprechend wollte Bundestrainer Henk Groener mit seiner Auszeit den Lauf der Gäste stoppen.

Die eingewechselte Maren Weigel verkürzte mit einem platzierten Wurf zunächst auf 5:6. Nun machte die deutsche Auswahl die Räume wieder enger. Allerdings kassierte Xenia Smits wenig später eine Zeitstrafe. Den darauffolgenden Siebenmeter verwandelte Kudlacz-Gloc sicher. Plötzlich drohte Polen zu enteilen, wurde aber beim Stand von 6:9 gestoppt (19.). Henk Groener ließ weiterhin rotieren, nun kam Angie Geschke auf der Rückraummitte zum Einsatz und stabilisierte das deutsche Spiel

Luisa Schulze wurde am Kreis freigespielt und verkürzte. Polen leistete sich jetzt selbst eine Schwächephase. Geschke und Zapf bestraften diese und egalisierten den Spielstand, ehe Geschke erneut ihre Einwechslung rechtfertigte und zum 11:10 traf. Deutschland verteidigte deutlich besser, war konzentrierter und einen Schritt voraus. Kurz vor der Pause erhöhte die DHB-Auswahl durch Alicia Stolle sogar auf 14:11. Aufgrund vermeidbarer Fehler im Angriff konterte Polen allerdings mehrfach und verkürzte zum 15:14-Halbzeitstand.

Franziska Müller knüpfte direkt zu Beginn der zweiten Halbzeit an ihre gute Leistung der ersten Hälfte an, erzielte die Zwei-Tore-Führung und sollte im weiteren Spielverlauf eine wichtige Rolle im Angriff der deutschen Mannschaft spielen. Zudem kam Isabell Roch nach dem Seitenwechsel für Dinah Eckerle in den Kasten und parierte. Den daraus resultierenden Gegenstoß netzte Emily Bölk zum 18:15 ein (35.).

Eng blieb es dennoch. Kudlac-Gloc zeigte erneut ihre Stärke und traf mit einem Doppelpack zum Anschluss. Polen überzeugte mehrfach mit der schnellen Mitte und bestrafte Deutschland für ein mäßiges Rückzugsverhalten. Dementsprechend war der Ausgleichstreffer eine Frage der Zeit, worauf Henk Groener die Timeout-Karte auf den Tisch lag.

Nach der kurzen Pause wurde Shenia Minevskaja als Spielmacherin eingesetzt. Die deutsche Offensive blieb gefährlich, vor allem Franziska Müller. Mit einem Doppelschlag bewahrte sie ihre Mannschaft vor einem höheren Rückstand und glich nach 50 Minuten zum 25:25 aus. Mit dem Tempospiel der Polinnen kam Deutschland allerdings selten zurecht. Der Gegner stand nach Gegentreffern sofort in der deutschen Hälfte und erspielte sich eine Überzahl, die meist im Torerfolg endete. Kinga Grzyb war mit ihrer wendigen Ballführung des Öfteren erfolgreich.

Der Kampfgeist der deutschen Mannschaft stimmte. Lautstark wurde jeder einzelne Treffer von Anna Loerper gefeiert. In den finalen Minuten überzeugten die Gastgeberinnen noch einmal mit großem Kampfgeist. Am Kreis wurde Luisa Schulze von Alicia Stolle mustergültig bedient und traf zum erneuten Ausgleich. Polen leistete sich jetzt drei technische Fehler in Folge, welche gnadenlos bestraft wurden. Franziska Müller traf zur Führung, Polen glich noch einmal heran.

Jetzt wurde es emotional. Die deutsche Mannschaft stand zwei Minuten vor dem Ende Spalier für Anna Loerper. Sie wurde vor einem lautstark applaudierenden Publikum verabschiedet und bekam wenig später sogar den Sieg von ihren Teamkolleginnen geschenkt. Alicia Stolle traf eine Minute vor dem Ende mit einem Rückraumhammer zum gefeierten 30:29-Siegtreffer.

Deutschland - Polen 30:29 (15:14)

Deutschland: Eckerle (Thüringer HC), Roch (TuS Metzingen) - F. Müller (HSG Blomberg-Lippe) 5, Geschke (VfL Oldenburg) 4, Zapf (TuS Metzingen) 4, Loerper (SG BBM Bietigheim) 3, Schulze (SG BBM Bietigheim) 3, Stolle (HSG Blomberg-Lippe) 3, Smits (Handball Metz) 2, Behnke (TuS Metzingen) 1, Bölk (Buxtehuder SV) 1, Grijseels (Borussia Dortmund) 1, Minevskaja (TuS Metzingen) 1, Schirmer (Buxtehuder SV) 1, Weigel (TuS Metzingen) 1, Großmann (TuS Metzingen)

Polen: Kordowiecka - Kudlacz-Gloc 7, Grzyb 6, Achruk 5, Drabik 3, Janiszewska 3, Lisewska 2, Kobylinska 1, Labuda 1, Roszak 1, Maczka, Matuszczyk, Rosiak, Sobiech, Urtnowska, Zych

Schiedsrichterinnen: Maria Bennani (Schweden)/Safia Bennani (Schweden)
Zuschauer: 6959
Strafminuten: 6 / 4
Disqualifikation: - / -