03.06.2018 11:31 Uhr - Europameisterschaft - Björn Pazen, dpa, red

"Froh mit der Leistung" - Deutsche Nationalmannschaft im Umbruch

Henk Groener: "Ich bin sehr froh mit der Leistung, nicht nur dem Ergebnis."Henk Groener: "Ich bin sehr froh mit der Leistung, nicht nur dem Ergebnis."
Quelle: Marco Wolf
Das EM-Ticket haben die deutschen Handballerinnen locker gelöst, am Ende gab es einen 40:17-Kantersieg gegen die Türkei. Nun will das Team deutlich verjüngt zurück in die Weltspitze.

Ihre endgültige Abschiedsvorstellung bei den deutschen Frauen gibt Anna Loerper zwar erst am Mittwoch. Sentimental wurde es für die Kapitänin aber schon wenige Tage zuvor. "Niemals geht man so ganz", erschallte aus den Boxen der Arena in Gummersbach, als Loerper sich am Samstag von den Fans verabschiedete.

In ihrem letzten offiziellen Länderspiel hatte die 33-Jährige fünfmal getroffen, am Ende der EM-Qualifikation stand ein ungefährdetes 40:17 (20:10)-Torfestival gegen die klar unterlegenen Türkinnen. "Ich bin sehr froh mit der Leistung, nicht nur dem Ergebnis", sagte Bundestrainer Henk Groener. "Wir hatten ein hartes Match am Donnerstag in Litauen, dann einen Reisetag. Wir wollten besser spielen als in Litauen, und wollten den Zuschauern zeigen, was wir können. Ich bin froh, dass wir unser Niveau über 60 Minuten gehalten haben und aus einer starken Abwehr heraus viele Gegenstoßtreffer erzielt haben. Am Ende der Saison haben alle Spielerinnen eine tolle Einstellung und Mentalität gezeigt, die Zuschauer haben einen schönen Handballmittag gesehen."

Am Mittwoch folgt in der Münchener Olympiahalle in einem Testspiel gegen Polen dann ihr letzter Auftritt im Nationaltrikot. "Nach so einem tollen Spiel kann ich guten Gewissens an meinen Abschied am Mittwoch in München denken. Ich bin froh, wie wir uns heute präsentiert haben", sagte Loerper. Dann ist ihre lange Karriere im DHB-Team beendet - und zugleich Teil eins des Umbruchs in der Frauen-Auswahl abgeschlossen.

Danach werden alle Blicke auf die Europameisterschaft in Frankreich gerichtet sein, für die sich die deutschen Damen als Gruppenzweite einen Punkt hinter Spanien locker qualifiziert haben. Am 12. Juni werden die Vorrundengegner der deutschen Mannschaft in Paris ausgelost, am 29. November startet die EM. Am Mittwoch wird mit der Verabschiedung von insgesamt zehn Nationalspielerinnen der Umbruch offiziell vollzogen. Außer Loerper hatten alle ihre Karriere im Nationaltrikot nach dem enttäuschenden Achtelfinal-Aus bei der Heim-WM 2017 beendet.

Ihr 50. Länderspiel absolvierte derweil Julia Behnke und wurde geehrt. "Diese 50 Länderspiele gingen irgendwie irrsinnig schnell vorbei", so Behnke. "Heute hatten wir uns fest vorgenommen, unser Tempospiel im Vergleich zu Litauen zu verbessern, das ist uns auch gelungen. Wir haben viele einfache Tore erzielt, nach der Pause stand die Abwehr dann auch besser - wobei 17 Gegentore natürlich auch nicht viel sind. Nun wollen wir gegen Polen noch einen schönen Abschluss feiern mit dem Doppelländerspiel feiern."

"Es rücken viele gute junge Spielerinnen nach. Ein Abschied von erfahrenen Spielerinnen bietet immer eine große Chance für die, die nachrücken", sagte Bundestrainer Henk Groener, der schon viele Neulinge integriert hat. Ein Beispiel ist Alicia Stolle. Die 20 Jahre alte Linkshänderin von der HSG Blomberg-Lippe war gegen die Türkei mit sechs Treffern erfolgreichste Werferin: "Man sieht, dass die Mannschaft zusammenwächst. Wir hatten jetzt erst zwei gemeinsame Lehrgänge, aber das wird immer besser", sagte Stolle.

Groener, der die Niederländerinnen zur WM-Silbermedaille 2015 und ins Olympische Halbfinale 2016 geführt hatte, kommt mit seiner direkten Ansprache bei den Spielerinnen gut an. Er lässt ihnen viele Freiräume. Was die Taktik betrifft, setzt er auf "eine stabile Abwehr, hohes Tempo und ein schnelles Umschalten nach vorne und hinten. Eben alles das, was modernen Handball ausmacht." In den beiden finalen EM-Qualifikationsspielen gegen die international zweitklassigen Litauerinnen und Türkinnen kassierte seine Mannschaft zusammen nur 28 Gegentore.

"Mittelfristig wollen wir zurück in die Weltspitze", sagt der 57-jährige Niederländer. Ziel ist wie bei den DHB-Männern die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 und die erste Medaille seit der WM 2007.