01.06.2018 10:34 Uhr - Europameisterschaft - ÖHB, red

"Hat das Quäntchen Glück gefehlt": Österreich verpasst Überraschung gegen Rumänien

Letztes Heimspiel für Österreich: Tamara BöschLetztes Heimspiel für Österreich: Tamara Bösch
Quelle: Henry Lauke, HCR
Die endgültige Entscheidung um die Teilnahme an der EURO 2018 in Frankreich ist bis Sonntag vertagt. Österreichs Handball-Frauen mussten sich dem haushohen Favoriten Rumänien in Innsbruck knapp mit 25:28 geschlagen geben.

Dabei schrammte man wahrlich knapp an einer weiteren Sensation, nach dem Sieg über Olympiasieger Russland Ende September 2017, vorbei. In Halbzeit eins konnten die Österreicherinnen lange Zeit vorlegen, zwischenzeitlich sogar mit zwei Toren in Führung gehen, doch die WM-Dritten von 2015 drehten noch das Ergebnis, gingen mit einer 13:11 Führung in die Kabine. Nach Seitenwechsel ließen sich die Schützlinge von Teamchef Herbert Müller nicht abschütteln, konnten nach einem Rückstand von vier Toren in der 55. Minute den 24:24-Ausgleich erzielen, hatten sogar kurz vor Ende die Chance auf die Führung.

Bei 25:26 aus Sicht der Österreicherinnen und 100 Sekunden vor Schluss, riskierte man in Unterzahl alles, nahm Tohrüterin Petra Blazek raus. Anstelle des neuerlichen Ausgleich, erzielten die Rumäninnen noch zwei Treffer ins leere Tor zum 25:28 Endstand. Kommenden Sonntag bestreitet man nun das letzte Spiel in der EM-Quali auswärts in Astrakhan, 13:00 Uhr live auf ORF Sport+, gegen Olympiasieger Russland. Aufgrund der bisherigen Ergebnisse in den restlichen Qualigruppen, lebt weiterhin die Chance, sich selbst bei einer weiteren Niederlage als bester Gruppendritter für die EM zu qualifizieren.

Wie sehr man den haushohen Favoriten an den Rand einer Niederlage brachte, zeigte sich beim Siebenmeter der dreifachen Welthandballerin Cristina Neagu in der 59. Minute. Sie zeigte gegen die überragende Petra Blazek Nerven und knallte den Ball übers Tor. Leider konnten die Österreicherinnen, die zu diesem Zeitpunkt auch noch in Unterzahl spielen mussten, keinen Profit daraus ziehen. Auf der Gegenseite hatten die Rumäninnen wenig Mühe den Ball gleich zweimal hinterneinander ins leere Tor zum 25:28-Endstand zu platzieren.

Über die gesamten 60 Minuten musste der WM-Dritte von 2015 an seine Leistungsgrenze gehen. Cristina Neagu wurde zu Beginn von Sonja Frey gedeckt, auch Kreiusläuferin Crina Pintea hatte gegen Josefine Huber keinen Zentimeter Platz. Erarbeiteten sich die Rumäninnen eine Lücke war Petra Blazek zur Stelle. Die Kapitänin lieferte einmal mehr eine überragende Leistung ab.

Die Achse zwischen ihr und der Deckung funktionierte fast fehlerfrei. Vorne holten Beate Scheffknecht, Sonja Frey und die restlichen Teamkolleginnen alles aus sich heraus, hielten das Spiel bis zum Schluss offen. Nach der 25:28-Heimniederlage war man stolz und enttäsucht zugleich.

Nun wartet auf das Team noch das schwere Auswärtsspiel gegen Russland. Die Olympiasiegerinnen sind dabei auf Revanche für die 25:27-Niederlage Ende September aus. Rechnerisch lebt die Chance für Österreich, sich nach 2009 endlich wieder für eine Endrunde zu qualifizieren. Gewinnt man in Russland, ist das Ticket in der Tasche. Bei einer Niederlage kann man sich noch als bester Gruppendritter qualifizieren.

Herbert Müller, Teamchef Österreich: "Heute hat uns das Quäntchen Glück gefehlt das wir gegen Russland hatten. Bei Unentschieden zwei Minuten vor dem Ende kann alles passieren. Wir haben eine Weltklassemannschaft an den Rand einer Niederlage gebracht. Das war heute eine geschlossene Mannschaftsleistung, das Team hat alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Ich bin mächtig stolz. Wir hätten es uns mehr als verdient zur EM zu fahren. Jetzt heißt es rasch regenerieren."

Ambros Martin, Teamchef Rumänien: "Man hat gesehen, beide Teams wollten die endgültige Entscheidung in der EM-Quali herbeiführen. Wir wussten, dass es nicht leicht wird in Österreich zu spielen. Wir hatten viele Probleme, haben unseren Rhythmus nicht gefunden. Das Wichtigste ist aber, dass wir am Ende gewonnen haben."

Tamara Bösch, Österreich: "Wir haben am Ende alles riskiert, hatten die Chance hier Unentschieden zu spielen. Ein bisschen hat vielleicht das Glück gefehlt, aber es insgesamt ein überragendes Spiel von uns. Mit dieser Leistung schlagen wir in jeder anderen Gruppe zweimal einen der Favoriten und qualifizieren uns. Trotzdem konnte ich mein letztes Spiel vor den eigenen Fans genießen, hab nochmals alles aufgesaugt. Am Sonntag haben wir nichts zu verlieren. Die Russinnen werden mit Wut im Bauch gegen uns antreten. Das Spiel heute gibt uns jedenfalls nochmals Selbstvertrauen."

Österreich - Rumänien 25:28 (11:13)

Österreich: Beate Scheffknecht (9), Sonja Frey (5), Mirela Dedic (3), Johanna Schindler (2), Josefine Huber (2), Tamara Bösch (2), Romana Gerisch (1), Julia Feierle (1)

Rumänien: Eliza Buceschi (8), Cristina Neagu (7), Melinda Geiger (4), Valentina Ardean Elisei (3), Crina Pintea (2), Ioana Pristavita (1), Laura Popa (1), Raluca Bacaoanu (1), Laura Chiper (1)