20.05.2018 16:34 Uhr - DHB-Pokal - fcb

Nach Aufholjagd der vierte Titel: Oldenburg triumphiert über Bietigheim

Der VfL Oldenburg war im Endspurt überlegenDer VfL Oldenburg war im Endspurt überlegen
Quelle: Michael Schmidt
Das Finale des DHB-Pokals 2018 kannte einen klaren Favoriten, die SG BBM Bietigheim war dem dreimaligen Titelträger VfL Oldenburg auf dem Papier klar überlegen. Es dauerte eine Viertelstunde, bis Bietigheim erstmals eine deutlichere Führung erspielte. Zur Pause lag die Sieben von Martin Albertsen bereits mit 12:16 vorne. Acht Minuten Powerplay reichten Oldenburg danach zum 18:18-Ausgleich. 2.513 Besucher in der Porsche Arena sahen danach eine umkämpfte Partie, in der der VfL mit einem stark verbesserten Kreisläuferspiel die Überraschung schaffte und 29:28 gewann. Angie Geschke sorgte mit ihrem neunten Treffer für die Entscheidung. Kudlacz-Gloc traf ebenso oft.

Oldenburgs Kapitänin Angie Geschke markierte mit einem verwandelten Siebenmeter den Beginn des Endspiels. Die frühe Phase verlief fair, anhand von großem Kampf, ungenauem Spiel und schwachen Abschlüssen war aber die große Bedeutung der Partie spürbar. Malene Staal ging dabei im Duell um den Ball mit Anna Loerper zu Boden, konnte aber weiter mitwirken. Loerper ging einige Momente später selbst zu Boden und musste sich erst einmal schütteln. Die Abwehrsysteme standen im Zentrum des Geschehens. Aber auch freie Würfe fanden oft nicht das gewünschte Ziel.

Nach acht Minuten verlief die Partie beim Stand von 3:3 weiterhin ausgeglichen und hoch nervös. Oldenburg hatte einmal mehr die Chance auf die Führung, scheiterte aber schon zum dritten Mal an Salamakha, die heute der nötige Rückhalt für die Schwäbinnen war. Auf der Gegenseite vergab Malestein an Renner, die sich ebenfalls gut eingeführt hatte. Geschlagene vier Minuten änderte sich am Spielstand nichts. Dann erhöhten Schulze und Kudlacz-Gloc auf 3:5. Spur setzte die nächsten Treffer für Oldenburg zum 5:6 (15.), glitt unglücklich aus, konnte aber offenbar weitermachen.

Auf Bietigheimer Seite hatte Starspielerin Karolina Kudlacz-Gloc das Spiel an sich gerissen und hier ihr Team mit ihren Einzelaktionen eisern vorne. Der Polin machte es sichtlich Spaß, sich ins Getümmel zu stürzen und für Zählbares zu sorgen. Beim 6:8 (19.) traf sie schon zum vierten Mal. Interessant war auch zu bemerken, wie schwer Julia Wenzl sich auf der Gegenseite tat. Wenzl hatte im Halbfinale herausgeragt, nun spielte sie einen Fehlpass und wurde gleich wieder durch Spur ersetzt. Nach Kudlacz-Glocs 6:10-Treffer war die erste Oldenburger Auszeit fällt. Ein Drittel der Spielzeit war um.

Bietigheim präsentierte eine solide Deckung und war oft einen Schritt schneller als das VfL-Team, das bisher bei Weitem nicht so selbstbewusst auftrat wie im Halbfinale. Der 8:10-Konter von Birke war das erste richtige Ausrufezeichen der Huntestädter, aber es folgten gleich zwei technische Fehler. So war der Rückstand gegen den Vorjahresmeister nicht wettzumachen, zumal die SG BBM noch Trümpfe wie Loerper in der Tasche hatte, die sich beim 10:13 (27.) und 11:14 (29.) durchsetzte. Lauenroth konterte nach einem Ballgewinn zur nächsten Bietigheimer Vier-Tore-Vorlage.

Offenbar gelang es Niels Bötel Oldenburg in der Kabine wachzurütteln. Etwa im Kreisläufer-Spiel hatte sein Team, das mit 12:16 zurücklag, bislang nicht glänzen können und machte dies nun besser. Hartstock erzielte ihre ersten beiden Treffer. Doch nicht nur das: Spur verwandelte einen von Geschke zunächst vergebenen Konter im Nachsetzen zum 15:17 (34.). Wester verhinderte den folgenden Anschlusstreffer erst gegen Wenzl, doch Behrends Gegenstoß war erfolgreich. Geschke glich aus. Nach sieben unerbittlichen Minuten war Oldenburg wieder bei der Musik.

Die SG BBM Bietigheim wirkte wie paralysiert und benötigte eine Auszeit. Beim 20:20 (42.) verlief die Partie weiterhin ausgeglichen. Julia Renner und Tess Wester machten mit Paraden auf sich aufmerksam. Währenddessen ging es auf dem Feld weiterhin hoch her: Oldenburgs Simone Spur Petersen fiel dabei mit heftigen Schmerzen im linken Knie zeitweilig aus. Sie hatte versucht Antje Lauenroth vor dem 21:22 (47.) aufzuhalten und war unglücklich hingefallen. Spur beobachtete dann ungeduldig von der Bank aus den weiteren Spielverlauf, etwa Staals 24:24-Durchbruch (51.).

Vieles deutete neun Minuten vor Schluss auf eine Verlängerung hin. Spur kam zurück aufs Spielfeld. Hartstock brachte Oldenburg dann mit 25:24 (53.) in Vorlage und Renner parierte einen Siebenmeter von Malestein. Die von Hartstock erwirkte 26:25-Führung hielten Renner und der Pfosten fest. Geschke sah dann nach einem Rebound Behrend, die auf 27:25 stellte. Die VfL-Führung war etwas glücklich, doch agierte der Underdog auch mit mehr Ruhe als die SG. Nach Treffern von Hartstock, Geschke und Malestein zum 29:28 brachte Oldenburg die letzten neun Sekunden über die Zeit.

Bundestrainer Henk Groener ehrte abschließend Karolina Kudlacz-Gloc (SG BBM Bietigheim) als beste Torschützin sowie als MVP des Olymp Final Four 2018. Julia Renner (VfL Oldenburg), die im Endspiel 13/1 Paraden verzeichnet hatte, wurde als beste Torhüterin ausgezeichnet.

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