27.04.2007 22:21 Uhr - DHB-Pokal - Felix Buß - hbvf.de

Leipzig feiert nach Siebenmeterwerfen Finaleinzug

Vilma Gainskyte durfte sich nach dem Siebenmeterwerfen feiern lassenVilma Gainskyte durfte sich nach dem Siebenmeterwerfen feiern lassen
Quelle: sportseye.de
Der HC Leipzig steht im Finale um den DHB-Pokal. Gegen den 1. FC Nürnberg musste der HCL in einer dramatischen Partie bis ins Siebenmeterwerfen gehen, ehe der 31:29 (27:27, 15:12) - Sieg feststand. Der HC Leipzig, Lokalmatador mit großer Zuschauerunterstützung, wirkte bereits in der ersten Hälfte Nürnberg überlegen. Mit der Einwechslung von Susann Müller (9/2) konnte beim 11:7 (20.) erstmals eine größere Führung herausgespielt werden, die allerdings zu Beginn der zweiten Halbzeit schnell in sich zusammenschmolz. Danach entwickelte sich ein spannendes und zunehmend dramatisches Spiel, bei dem sich besonders Neuzugang Heidi Tjugum im HCL-Tor sowie Marianna Gubova im Kasten der Nürnbergerinnen auszeichnen konnten. Am Ende war es jedoch Leipzigs Vilma Gainskyte, die im Siebenmeterwerfen Leipzig mit zwei Paraden zum Sieg trug. Erstmals wurde dabei nach dem Gleichstand zum Ende der regulären Spielzeit auf eine Verlängerung verzichtet, sodass erstmals ein DHB-Pokalfinale der Frauen an der Strafwurflinie entschieden wurde.

Sechs Treffer von Ania Rösler sollten dem FCN nichts nutzenSechs Treffer von Ania Rösler sollten dem FCN nichts nutzen
Quelle:
Nürnberg gelang der bessere Start in die Partie, Rösler und Rohde legten jeweils einen Treffer vor. Allerdings schlichen sich alsbald Unkonzentriertheiten ins Spiel der Clubberinnen, die besonders Ingrida Radzeviciute für einige Gegenstöße nutzen konnte. Dabei zeichnete sich jedoch zunächst Sylvia Harlander im FCN-Tor aus. Statt eines Rückstands ermöglichte sie den Fränkinnen die 4:2-Führung durch Walzik nach sechs Minuten. Doch die Leipziger Defensive steigerte sich, besonders die Kreise von Nürnbergs Rohde im rechten Rückraum und Blacha am Kreis konnten die Lokalmatadorinnen gut begrenzen und spielten mit einer nun guten Zuschauerunterstützung im Rücken eine 5:4-Führung heraus.

Nürnberg konnte sich nun zwar Bälle erkämpfen, aber im Angriff fehlte die Durchschlagskraft, zumal nach elf Minuten Kathrin Blacha mit einer Zeitstrafe vom Feld musste. Doch auch Leipzig traf zu diesem Zeitpunkt nicht, Radzeviciute und Sörlie-Lybekk scheiterten an Harlander, erst Borges-Mesquita erhöhte nach 13 Minuten auf 6:4. Zusätzlich wurden die Ostdeutschen nun in der Deckung etwas nachlässig, sodass Nürnberg bis zum 7:6 (15.) auf Augenhöhe blieb.

Doch Leipzig stellte um, zunächst war es die Einwechslung von Neuzugang Heidi Tjugum, die sich zugunsten des HCL auswirkte. Die Norwegerin parierte sofort einen Strafwurf von Iskenderoglu und Kudlacz erhöhte auf 8:6. Zuvor hatte die vielfache Nationalspielerin, die in ihrer Karriere unter anderem zweimal Weltmeisterin und einmal Europameisterin wurde, zwei Jahre lang gar nicht gespielt. Neu auf dem Feld bei den Leipzigerinnen war auch Susann Müller im rechten Rückraum, die mit guten Aktionen auf sich aufmerksam machte. In Überzahl erhöhte sie für Leipzig fast im Alleingang auf 11:7 (21.). Nürnberg tat sich zunehmend schwer im Angriff, erst in den letzten fünf Minuten flammte nochmals der Wille zur Deckungsarbeit auf, der die Fränkinnen wieder auf 12:10 (26.) herantrug. Die letzten Sekunden vor der Pause standen dann nochmals im Zeichen von Susann Müller, die dem HCL mit einem direkt in den Winkel verwandelten Freiwurf eine recht komfortable 15:12-Führung ermöglichte.
 
Die überraschende Spielstandserhöhung wirkte sich nach Wiederanpfiff allerdings nicht darin aus, dass Leipzig weiter am Drücker blieb. Stattdessen schöpfte der FCN neuen Mut und stellte durch Treffer von Ofenböck, Rohde, Rösler, Engel und Iskenderoglu schnell den 18:17-Anschluss nach 38 Minuten her. Dieser brachte zwar nicht die Wende, aber die Zuschauer sahen nun eine spannende und umkämpfte Partie, die bis zum Ende offen blieb. Dazu trug auch bei, dass Nora Reiche für zwei Minuten auf die Bank musste und Müller kurz darauf mit einem Strafwurf an Jana Krause scheiterte. Nürnberg Walzik und Rohde nutzten die Chance und etablierten nach 42 Minuten erstmals wieder eine Führung. Krause parierte gegen ihr Ex-Team erneut einen Strafwurf und Leipzig hatte auf die neue Lage mit einem Torwartwechsel reagiert: Tjugum hütete ab sofort das HCL-Tor und konnte bereits in den ersten drei Minuten drei Nürnberger Bälle entschärfen. Sie legte mit ihrer Leistung die Basis, dass Leipzig nach 50 Minuten beim 24:23 erneut vorn lag.

Der Führungstreffer von Borges-Mesquita läutete zugleich eine dramatische Schlussphase ein, die im Siebenmeterwerfen gipfelte. Mal führte Leipzig, mal Nürnberg. Nielsen hatte inzwischen die Leipziger Spielmacherposition von Kudlacz übernommen, brachte die Fränkinnen mit ihren Einzelaktionen aber nicht entscheidend weiter. Vier Minuten vor dem Ende war es wieder Susann Müller, die den HCL beim 27:26 in Front warf. In den letzten packenden Minuten konnten sich dann aufgrund unvorbereiteter Würfe noch einmal die Torfrauen auszeichnen, Engel scheiterte in der Schlussminute an Tjugum, Müller verpasste es wenige Sekunden vor Schluss den Sack für Leipzig zuzumachen. Stattdessen gelang Iskenderoglu in den letzten Sekunden der Ausgleich für Nürnberg. 

Bei den Strafwürfen kristallisierte sich bald der HCL als sichere Werfergemeinde heraus. Müller, Reiche, Radzeviciute und Borges-Mesquita verwandelten sicher, während Simakova und Ofenböck aufseiten des FCN an Gainskyte scheiterten. Die Nürnbergerinnen schienen dabei das Pech gepachtet zu haben, denn einmal ging der Ball an die Latte, einmal an den Innenpfosten. Somit hatten die bessere Konzentration und das Glück am Ende den Ausschlag für Leipzig gegeben.

Stimmen zum Spiel:

Herbert Müller, 1. FC Nürnberg
Siebenmeterwerfen ist immer ein unglückliches Ergebnis. Hätte ich Geld, müste ich heute sehr viel ins Phrasenschwein zahlen. Wir haben sicherlich dieses Spiel nicht im Siebenmeterwerfen verloren. Wenn wir mal auf zwei Tore weg gewesen wären. Es waren einfache Situationen, bei denen wir sicher mit der Glücksgöttin Fortuna nicht im Bund waren. Was diese Mädels machen und wie sie immer wieder aufstehen verdient meinen vollen Respekt.

Morten Arvidsson, HC Leipzig
Die Torhüterinnen haben wie viele andere Spielerinnen eine gute Leistung gezeigt. Das war auch ein psychologisches Spiel zwischen den Torhüterinnen und den Spielerinnen. Ich bin auch sehr stolz auf meine Spielerinnen, das war ein tolles und schnelles Spiel. Das war eine ganz große Werbung für den deutschen Frauenhandball. Es ist niemals einfach ein Finale zu gewinnen. Morgen sind wir klar Favorit, aber in einem Finale muss man immer den Gegner ernst nehmen. Wir haben heute viel Kraft gelassen. Buxtehuder kann auch einen guten Handball spielen und ein schwerer Gegner sein.