30.04.2018 12:00 Uhr - 1. Bundesliga - dpa

"Einfach sensationell": Thüringer HC feiert siebten deutschen Meistertitel

Sektdusche für Herbert MüllerSektdusche für Herbert Müller
Quelle: Gentzel, pictureteam
Trotz harter Konkurrenz marschiert der Thüringer HC in dieser Saison souverän durch die Handball-Bundesliga. Und sichert sich vorzeitig die Meisterschaft. Das Erfolgsrezept: Der Teamgeist und eine überragende Spielmacherin Iveta Luzumova.

Erfolgscoach Herbert Müller ließ die Sektdusche auf dem Spielfeld gelassen über sich ergehen. Seine Spielerinnen flippten nach dem siebten Meistertitel seit 2011 indes aus: Der Thüringer HC ist wieder die beste deutsche Damen-Handballmannschaft. "Diese Mannschaft ist etwas Besonderes. Es ist eine unfassbare Saison, einfach unglaublich", sagte der studierte Mathematiker Müller nach dem vorentscheidenden 35:22 (15:10)-Erfolg beim Tabellenletzten HC Rödertal dem MDR.

Schon drei Spieltage vor Saisonende können die Thüringerinnen mit 44:2 Punkten von Vorjahresmeister SG BBM Bietigheim nicht mehr von Platz eins verdrängt werden. Der THC leistete sich in dieser Saison nur eine Niederlage, ging sonst in beeindruckender Manier durch die Liga. "Dass wir so früh das Ding schon klarmachen und jetzt acht Punkte Vorsprung haben, ist einfach sensationell", meinte Müller.

Der nun entthronte Titelverteidiger Bietigheim war der größte Favorit. Doch mit der Suspendierung der früheren Nationalspielerinnen Susann und Nina Müller Ende Dezember 2017 schwächte sich Bietigheim selbst, wie Müller sagte. "Aber unsere Konstellation mit der schweren Verletzung im Oktober von Anna Hubinger und der Schwangerschaft von Kerstin Wohlbold war auch nicht leicht. Sport ist ja immer fabelhaft, aber bei uns hat alles gepasst", sagte der Erfolgscoach.

Ein Erfolgsrezept: Das Wir-Gefühl, das über allem stand. "Das hat es in diesen acht Jahren hier noch nicht gegeben, dass sie so schnell zusammenwachsen", sagte Müller rückblickend. Kreisspielerin Meike Schmelzer brachte es auf den Punkt: "Wir haben ein Mannschaftsgefühl, das ist einfach super. Das ist einfach ein Superlativ, so etwas habe ich noch nie erlebt." Zudem absolviert Spielmacherin Iveta Luzumova (214 Tore) eine überragende Saison, ist die beste Spielerin der Liga. "Sie ist der Kopf unseres Teams - eine absolute Leaderin", meinte Müller.

Der Trainer hat noch einen Vertrag bis 2020, blickt nach eigener Aussage auf acht tolle und erfolgreiche Jahre zurück. "Zweistellig soll das schon noch werden. Es muss danach nicht zu Ende sein, und soll es auch nicht. Ich fühle mich familiär, menschlich und sportlich in Thüringen sehr wohl", meinte der "Handball-Verrückte".

Personal gibt es einige Veränderungen. Keeperin Dinah Eckerle verlässt den THC nach der Saison Richtung Bietigheim. Aber mit den jungen Nationalspielerinnen Emily Bölk und Alicia Stolle gelang dem THC "ein Coup. Wir haben zwei tolle junge deutsche Talente bekommen. Das ist gerade für mich als Trainer eine hohe Motivation. Aber es ist auch viel Arbeit, es sind wie gesagt große Talente. Aber das ist es ja, warum ich Trainer bin. Ich freue mich unglaublich, mit diesen jungen Spielerinnen zu arbeiten", meinte Müller.

In der kommenden Saison starten die Thüringerinnen dann wieder in der Königsklasse. Dort vorne mitzumischen, "ist momentan illusorisch. Aber der Reiz ist schon groß, Champions League zu spielen", erklärte Müller im MDR-Interview. Das Problem sind die Finanzen. Der THC-Etat ist für einen Vergleich auf Augenhöhe mit den europäischen Top-Teams nicht hoch genug. "Wir brauchen einen höheren Etat, um mal an den Final Four kratzen. Das wäre reizvoll, ein Traum für mich. National haben wir ja schon alles gewonnen", sagte Müller.