22.04.2007 08:18 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm - PM VfL Oldenburg

VfL Oldenburg bewahrt sich alle Chancen

Ines Langkabel kam gestern in der ersten Mannschaft zum EinsatzInes Langkabel kam gestern in der ersten Mannschaft zum Einsatz
Quelle: Thomas Helmerichs
Noch kann der VfL Oldenburg die verkorkste Rückrunde in der Handball-Bundesliga vergessen machen. Mit einem 26:18 (12:9)-Sieg gegen die TSG Ketsch setzte sich das Team von Trainer Leszek Krowicki am Samstag auf Platz eins der Dreiergruppe und kann mit einem Remis im abschließenden Spiel am 1. Mai beim Thüringer HC die Spiele gegen den Sieger der anderen Gruppe um Platz fünf und damit möglicherweise den Einzug in den europäischen Challenge Cup perfekt machen.

Nur 300 Zuschauer in der EWE Arena sahen zwei Teams, die beide mit einer dezimierten Mannschaft antraten. Ketsch musste auf vier Spielerinnen verzichten, die um die A-Jugend-Meisterschaft in Baden Württemberg spielten sowie auf die verletzten Simone Kuhn, Julia Löbich und Maike Brückmann. Dem VfL fehlten in Anna Badenhop, Wiebke Kethorn, Sarah Everding, Julia Renner, Thalke Bitter und Alexandra Temp gleich ein halbes Dutzend Aktive, die gleichzeitig mit dem Zweitligateam beim VfL Wolfsburg mit 28:30 unterlagen. Dafür wurden die sechs Feldspielerinnen Oldenburgs von Janna Müller (A-Jugend), Birthe Barger (Zweite; erstmals nach ihrem Kreuzbandriss auf der Bank) und Ines Langkabel (Zweite) verstärkt. Die Personalmisere des Teams könnte sich noch verschärfen, da Dagmara Kowalska in der 49. Minute umknickte und auf Physiotherapeutin Silke Prante gestützt die Platte verlassen musste

Letztere sollte unerwartet zur mitentscheidenden Figur werden. Denn als die in den vergangenen Tagen erkrankte und deutlich geschwächte Jana Oborilova nach 19 Minuten erstmals für Langkabel das Feld verließ, kam ein später nicht mehr zu kittender Bruch ins Spiel der Gäste: Von 6:8 zog der VfL bis zum Seitenwechsel auf 12:9 davon, nach der Pause hatte die Mannschaft von Trainerin Karin Euler überhaupt nichts mehr entgegen zu setzen.

Gegen das temporeiche Spiel der TSG tat sich der VfL zu Beginn noch schwer. Der von Astrid Wörner gut organisierte Ketscher Angriff sorgte mit ständig erfolgreichem Kreisanspiel für Sorgenfalten auf Oldenburger Seite. Auch im Angriff taten sich die Gastgeberinnen schwer. Teils ungenaue Würfe, teils gute Paraden Ilka Arndts verhinderten VfL-Treffer. Die TSG führte 6:3 (16.) und 8:5 (20.), spielte anfällig und versuchte sich sogar bereits mit Kabinettstückchen (Kempa-Versuch von Natalie Augsburg nach Vorlage Wörners/17.).

Mit der Einwechselung Langkabels schien sich die VfL-Abwehr zu stabilisieren. Auch weil Heike Zornow im Tor eine hervorragende Leistung zeigte, blieb Oldenburg über zehn Minuten ohne Gegentor. Erst Jeanette Ullrich beendete 28 Sekunden vor der Pause die Torflaute, doch Magdalena Urdea verwandelte im Gegenzug von rechts. Vorher hatte VfL-Coach Leszek Krowicki eine siebte Feldspielerin gebracht. "Bereits da war alles entschieden", meinte Euler später.

Der VfL ließ nach der Pause nicht nach, versuchte alles, um das 29:22 der Thüringerinnen gegen Ketsch vom vorigen Samstag zu überbieten. Wieder mit Oborilova zog Oldenburg nach dem Wechsel auf und davon. Gegen die tief stehende 6-0-Abwehr hatten die "Ketscher Bären" nun kaum ein Mittel mehr. Bereits auf neun Treffer davongezogen (52.), wurde das Krowicki-Team aber plötzlich wieder nervös. Arndt hielt noch einmal unplatzierte Würfe, auf der anderen Seite traf die TSG dreimal. Erst Kathrin Scholls kurioses Tor zum 25:18 durchbrach die torlose VfL-Zeit von fast sechs Minuten: Nachdem Oborilovas Hüftwurf von Wörner geblockt worden war, warf Arndt den Ball versehentlich zu Scholl, die ins leere Tor traf.

Den letztlich wichtigen Schlusspunkt setzte Diane Lamein in ihrem vielleicht letzten Heimspiel für den VfL. Kraftvoll und dynamisch zog sie einen Tempogegenstoß an zwei Gegenspielerinnen vorbei und traf genau eine Sekunde vor dem Abpfiff von links. Neben Lamein wurden nach der Partie auch Janice Fleischer, Jana Oborilova, Magdalena Urdea und Heike Zornow von VfL-Präsident Günther Bredehorn mit warmen Worten verabschiedet. Den größten Applaus erhielt die "Berliner Göre" (Bredehorn) Zornow, die Mannschaft bedankte sich mit einer Welle von der dienstältesten VfL-Spielerin.

Vorher hatten aus diesem Team eben auch Zornow (auch mit sehr effektiven langen Pässen) und Langkabel besonders überzeugt. Diese schrieb mit ihrem Einsatz eine ganz besondere Geschichte: Als Spielführerin der Zweiten beim alles entscheidenden Spiel ihres Teams in Wolfsburg nicht dabei, spielte sie erstmals in der Bundesliga-Mannschaft des VfL. Ihre starke, konzentrierte Leistung krönte die 25-Jährige mit ihrem ersten Tor und der verdienten Wahl zur Spielerin des Tages. Gleichzeitig war dies eventuell Langkabels letzter Auftritt im VfL-Trikot. Sie sucht nach einer neuen Herausforderung.

Stimmen zum Spiel:

Leszek Krowicki (Trainer Oldenbrg):
Der Thüringer HC ist immer noch der hohe Favorit auf den Gruppensieg, aber wir haben heute unser Ziel, mit acht Toren zu gewinnen, erreicht. Ines Langkabel hat uns sehr geholfen. Aber ich danke auch Birthe Barger und Janna Müller, die uns immer das Gefühl gegeben haben, dass wir auf sie zählen können. Ketsch wollte uns mit Laufspiel auseinander nehmen. Aber nach 15 Minuten haben wir die Übergänge gut verteidigt und das Spiel in den Griff bekommen. Nach dem Wechsel waren wir noch konsequenter und haben auch die Ketscher Deckung aushebeln können.

Karin Euler (Trainerin Ketsch):
Am Anfang haben wir noch viel über den Kreis gelöst, dann aber zu früh abgeschlossen und sind in Konter gelaufen. Die Saison war für uns mit dem Nichtabstieg beendet. Uns verlassen in Jeanette Ullrich, Astrid Wörner und Natalie Augsburg drei wichtige Säulen. Wir sind dankbar für jeden Tag, den wir mit ihnen erleben dürfen. Sicherlich brauchen wir noch zwei Neuverpflichtungen.

Ines Langkabel (Spielerin Oldenburg):
Es ist doch etwas anderes als in der Zweiten Liga. Es ist eine große Ehre, in dieser Mannschaft auflaufen zu dürfen. Aber ich habe auch ein weinendes Auge, wenn ich an die Geschehnisse in Wolfsburg denke. Für mich ist dieser Spiel ein versöhnlicher Abschluss mit dem VfL.

Magdalena Urdea (Spielerin Oldenburg):
Ich freue mich über den Sieg und wir gehen auch beim THC nicht spazieren. Am Anfang konnte Ketsch viel über den Kreis machen. Dann haben wir uns aber gefunden.

Jeanette Ullrich (Spielerin Ketsch):
Unseren Abschied haben wir schon in Ketsch gefeiert. Heute war zu wenig Spannung drin, deshalb haben wir kaum 100 Prozent gegeben. Oldenburg allerdings scheint uns nicht zu liegen, wir haben gegen den VfL dreimal in dieser Saison verloren. Für mich ist wohl Schluss. Ich hatte zwei Kreuzband-OPs und kommende Woche wird mein Rücken untersucht. Ist dort nicht alles kaputt, werde ich einmal die Woche mittrainieren. Aber mehr geht nicht.

Astrid Wörner (Spielerin Ketsch):
Vorne waren wir zu überhastet, haben zu früh den Kreis gesucht. Wir hätten die Gegenstöße verhindern müssen, um eine Chance zu haben. Mein Abschied ist für mich irgendwie noch nicht greifbar. Ich trainiere noch, wir hatten bis jetzt Spiele. Aber ich trete hochzufrieden ab. Ich habe alles, was in Ketsch möglich war, erreicht und bin gesund und fit.