07.03.2018 09:30 Uhr - 1. Bundesliga - PM HSG Bad Wildungen Vipers

"Ich werde schon langsam nervös" - Miranda Schmidt-Robben vor ihrem Abschied im Interview

Miranda Schmidt-RobbenMiranda Schmidt-Robben
Quelle: Vipers
Seit 2009 gehört die niederländische Linksaußen Miranda Schmidt-Robben zum Inventar der Vipers - mit ihren Toren, ihrem Ehrgeiz und ihrer enormen Fitness hat sie sich schnell in die Herzen der Fans gespielt. Die Linksaußen überzeugt nicht nur im Angriff mit ihrer Wurfstärke, sondern auch in der Deckung mit ihrer taktisch klugen Spielweise. Aber auch im Team ist sie eine absolute Führungspersönlichkeit, die ihre Mitspielerinnen immer wieder positiv antreibt. Die aktuelle Spielzeit wird für Miranda Schmidt-Robben die letzte Saison in ihrer erfolgreichen Karriere sein. In diesem Interview blickt sie zurück.

Miranda, wenn du heute an den 16. Mai 2018 denkst, was empfindest du dann?

Miranda Schmidt-Robben:
Wenn ich jetzt an diesen Tag denke, könnte ich gleichzeitig lachen und weinen. Ich werde schon langsam nervös und bekomme auch das berühmt-berüchtigte Kribbeln im Bauch. Das letzte Mal vor eigenem Publikum, und zehn Tage später ist auf einmal etwas vorbei, wofür man jahrelang gelebt hat - schon irgendwie seltsam.

Wann hast du für dich entschieden, dass nach dieser Saison deine Karriere vorbei sein wird, und welche Gründe spielten für dich die entscheidende Rolle?

Miranda Schmidt-Robben:
Ehrlich gesagt war ich schon nach der letzten Saison kurz davor, aufzuhören. Ich hatte aber irgendwie das Gefühl, dass ich noch nicht ganz fertig war mit Handball, jetzt bin ich mir dagegen sicher - und diese Saison wird vermutlich die erfolgreichste der Vereinsgeschichte, und da ist es schön, noch mal mitgeholfen zu haben. Es wird jedoch einfach mal Zeit für einen neuen Lebensabschnitt: Familienplanung vorantreiben, beruflich weiterentwickeln und einfach mal Freizeit haben, um zu reisen und das Leben zu genießen. Außerdem bin ich bis jetzt ohne große Verletzungen (toi,toi,toi) durch meine Laufbahn gekommen, da will ich das Schicksal nicht noch unnötig herausfordern.

Als dienstälteste Spielerin hast du in deiner Handballkarriere eine Menge erlebt. Wieso bist du den Vipers so lange treu geblieben, und gab es in den Jahren nicht auch verlockendere Angebote?

Miranda Schmidt-Robben:
Neun Jahre beim gleichen Verein zu bleiben ist heutzutage im Spitzensport ja nun nicht mehr gerade an der Tagesordnung. Natürlich gab es zwischendurch immer wieder mal andere Angebote, auch aus dem Ausland und sportlich sowie finanziell manchmal lukrativer, aber von Jahr zu Jahr habe ich mich hier im Waldecker Land einfach immer mehr verwurzelt. Ich war und bin immer noch extrem stolz darauf, dass wir mit unserem kleinen Verein und unseren begrenzten finanziellen Möglichkeiten trotzdem in Deutschlands Spitzenklasse immer wieder für Schlagzeilen sorgen konnten.

Wenn du auf deine Zeit bei den Vipers zurückschaust, was ist dein persönlicher Höhepunkt in dieser Zeit gewesen?

Miranda Schmidt-Robben:
Sportlich gesehen gab es da einige, wie zum Beispiel die ersten beiden Jahre in Bad Wildungen, als ich nebenbei noch holländische Nationalspielerin war. Und natürlich die mitreißenden Siege als krasser Außenseiter damals in Leipzig oder wie im Januar gegen den großen Thüringer HC. Auch die beiden Aufstiege in die 1. Handball Bundesliga Frauen, und hier vor allem der, als gleichzeitig meine Schwester ebenfalls mit ihrem Verein aufstieg, sind nicht zu vergessen. Und jetzt als Krönung in meinem letzten Jahr: das Olymp Final4 im Mai in Stuttgart!

Du bist nun auch in Waldeck-Frankenberg sesshaft geworden. Was war neben deiner Familie der ausschlaggebende Grund dafür?

Miranda Schmidt-Robben:
Familie ist natürlich der wichtigste Punkt, aber es gibt hier auch viele schöne Ecken in der Umgebung. Im Sommer kann man am See liegen und Wassersport machen und im Winter sogar Ski fahren. Leider fehlt für die jungen Leute ein bisschen die Action, dafür kann man sich über mangelnde Ruhe nun nicht beschweren.

Wie beurteilst du die Entwicklung der letzten Jahre bei den Vipers - wo steht das Team in fünf Jahren?

Miranda Schmidt-Robben:
Unsere Entwicklung war genau richtig: nicht zu schnell, aber dafür kontinuierlich. Meistens ist es doch so, dass wenn man zu schnell wächst, man auch sehr schnell wieder fallen kann. Wirtschaftlich und sportlich geht es Schritt für Schritt nach oben. Ich ho¬ e nur aus tiefstem Herzen, dass diese Tendenz in der Zukunft bestehen bleibt, da die Rahmenbedingungen in unserem Sport immer schwieriger werden - sei es beispielsweise die Sponsorensuche oder auch einfach nur passende Spielerinnen zu finden. Es hängt vieles davon ab, wer in Zukunft die Fäden im Verein zieht. Wenn die bisherigen Vipers-Verantwortlichen Uwe Gimpel, Simon Hallenberger und Tessa Bremmer mal nicht mehr den Verein führen, weiß ich nicht, ob irgendein Außenstehender jemals in der Lage sein wird, unsere Erfolgsgeschichte als kleiner Dorfverein in der großen Bundesliga fortzuführen.

Wenn du ein persönliches All-Star-Team deiner Karriere aufstellen müsstest, wie würde es aussehen?

Miranda Schmidt-Robben:
Tor - Jokelyn Tienstra, LA - Jolanda Bombis-Robben, RL - Sabine Heusdens, RM - Pearl van der Wissel, RR - Anouk Nieuwenweg, RA - Annika Busch, KM - Tessa Cocx