20.02.2018 14:29 Uhr - 1. Bundesliga - noa

"Es war eine sehr schöne Zeit in der Nationalmannschaft" - Jenny Karolius im Interview

Jenny KaroliusJenny Karolius
Quelle: Heinz Zaunbrecher
Jenny Karolius gehört zu den Leistungsträgerinnen von Bayer Leverkusen. Erst am vergangenen Wochenende trug die Kreisläuferin als beste Torschützen mit sieben Treffern maßgeblich zum Heimsieg gegen den deutschen Meister SG BBM Bietigheim bei. Im Interview spricht die gebürtige Berlinerin über ihre Anfänge, ihre aktuelle Form und über die Zeit bis zu ihrem Rücktritt in der Nationalmannschaft.

Jenny, die erste Frage vorweg: Wie kam es zu dazu, dass du deinen Spitznamen "Flummi" erhalten hattest?

Jenny Karolius:
Meine damalige Trainerin - die Mama meiner besten Freundin - hat mich so "getauft". Ich war irgendwie immer überall und bin dem Ball hinterher ... und dann bin ich Flummi nicht mehr losgeworden und das hält sich ja bis heute ganz tapfer. (grinst) Ich weiß gar nicht mehr wie alt ich da war - vielleicht 12 oder 13. So was in dem Dreh, glaube ich.

Du hast das Handballspielen in Berlin gelernt: Welcher Impuls war für dich damals bedeutsam, dass du es später zu einer sehenswerten Karriere schaffen konntest?

Jenny Karolius:
Die Eltern meiner besten Freundin haben für uns eine Handballmannschaft bei den Minis aufgemacht, da wir Handball spielen wollten. Da wurde der erste Grundstein gelegt. Ab der 6.Klasse bin ich mit Anni (meine beste Freundin Annika Hermenau) aufs Sportgymnasium gegangen und wir haben in der Berlin-Auswahl gespielt. Damals war mir natürlich noch nicht bewusst, dass der Handball so mein Leben ausfüllen wird, da man ja mitbekommt, wie immer wieder "Weggefährten" die Schuhe schon frühzeitig an den Nagel gehangen haben. Und irgendwie kam dann immer eins zum anderen...Jugend- und Juniorinnennationalmannschaft und es war natürlich super, damals mit 17 Jahren in Berlin in der 2. Bundesliga zu spielen.

Gab es eine bestimmte Person, die für deine sportliche Entwicklung besonders wichtig war?

Jenny Karolius:
Man nimmt ja von jedem Trainer etwas mit und auch die Mitspieler prägen einen. Es war natürlich toll, dass Annis Eltern unsere Trainer von den Minis bis zur A-Jugend waren. Ich hab zu ihnen einfach ein besonderes Verhältnis, da Anni und ich uns seit dem Kindergarten kennen. Ich hatte gute Trainer, die mich sehr gefördert haben und erfahrene Spielerinnen, von denen ich mir viel abschauen konnte.

Nach Stationen in Bietigheim und Göppingen bist du jetzt seit fast vier Jahren bei Leverkusen. Was gefällt dir dort am besten?

Jenny Karolius:
Ich habe eine gutes Verhältnis zu Renate und Jutta. Die Mannschaft hat immer gepasst, deswegen gab es keinen Grund aus Leverkusen wegzugehen.

Du warst eine "Spätzünderin" - dein Debüt im Nationaldress hattest du vor zwei Jahren gegeben. Hattest du selbst noch mit einem Einsatz gerechnet?

Jenny Karolius:
Nein, auf keinen Fall. Für mich war das Thema abgehakt, da ich ja all die Jahre vorher nicht nominiert wurde. Bekanntlich ist es ja am schönsten, wenn man nicht damit rechnet. Ich war damals echt total überrascht und dachte erst, Renate verarscht mich. (lacht)

Auch wenn die Heim-WM 2017 nicht wie gewünscht verlief: Welche Eindrücke nimmst du von Großturnieren dieser Art für dich selbst mit?

Jenny Karolius:
Die EM in Schweden war auch schon ein tolles Erlebnis. Man kann sich einfach mit den Besten messen und man spielt aber auch mit den Besten aus Deutschland zusammen. Das kann man einfach nicht mit der Bundesliga und mit dem Heimverein vergleichen. Ich hab mich bei den Turnieren immer wie eine andere Welt versetzt gefühlt, da ich ja normalerweise 30 Stunden arbeite. Und dort ging es dann wirklich nur um Handball, nichts anderes. Vor so einer Kulisse wie in Leipzig zu spielen, hat schon besonders vor dem ersten Spiel eine ganz schöne Gänsehaut gemacht.

Erst kürzlich hattest du deinen Rückzug aus der Nationalmannschaft bekanntgegeben. Wieso möchtest du nicht weitermachen?

Jenny Karolius:
Es war eine sehr schöne Zeit in der Nationalmannschaft und bin auch sehr dankbar, dass ich diese Chance nochmal bekommen habe. Aber jetzt beginnt mit dem neuen Trainer auch eine neue Ära. Es lässt sich für mich mit Beruf und meinem körperlichen Befinden nicht mehr vereinbaren.

Beruflich bist du Ergotherapeutin: Hat dich dein Beruf auch im Sport beeinflusst?

Jenny Karolius:
Eigentlich ist es andersherum. Da man ja auch viel Kontakt zu den Physios hat und auch körperlich immer wieder einiges durchmacht, kann ich meine Patienten oft viel besser verstehen und weiß was sie durchmachen. Und ich nutze Sport auch gerne in meiner Therapie. Ich bezeichne mich eigentlich als physiotherapeutische Ergotherapeutin. Ich hab als Therapeutin manchmal natürlich auch einen anderen Blick auf meine Mitspieler und "passe vielleicht etwas mehr auf sie auf".

Wie fit fühlst du dich aktuell und möchtest du bis zu deinem Karriere-Ende bei Leverkusen bleiben?

Jenny Karolius:
Klar zwickt es hier und da und ich merke, dass ich mehr Regenerationszeit als früher brauche. Durch die vielen Jahre Leistungssport haben sich bei mir einige Baustellen angesammelt, die das Aufstehen am Morgen manchmal erschweren. (grinst)
Aktuell passt das Gesamtpaket mit Sport und Beruf gut. Was die Zukunft bringt, wird man sehen.