06.02.2018 12:00 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß

Anna Loerper: "Ich war noch nie in so einer Situation"

Anna LoerperAnna Loerper
Quelle: Michael Schmidt
Am vergangenen Dienstag hatten Meldungen aus Metzingen und Bietigheim in der Handballwelt für Aufsehen gesorgt. Beide Vereine hatten den sofortigen Wechsel von Anna Loerper mitgeteilt. TusSies-Manager Ferenc Rott hatte die Option gezogen, den Vertrag mit Loerper nach der laufenden Saison zu beenden. Daraufhin hatte die 33-Jährige um die Möglichkeit gebeten, den Verein sofort zu verlassen und war aus dem Ermstal ins Enztal gewechselt. Vor dem Derby gegen Metzingen am Mittwoch stellte sich Loerper unseren Fragen, die neben den aktuellen Geschehnissen um ihre Person auch das erste Trainingslager mit dem neuen Bundestrainer Henk Groener umfassen.

Anna, warum ist deine Wahl auf die SG BBM Bietigheim gefallen?

Anna Loerper:
Ich habe mich für Bietigheim entschieden, weil ich hier auch in der nächsten Saison eine Zukunft habe, um auf höchstem Niveau Handball zu spielen. Das war mir immer wichtig. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich sehr hohe Ambitionen habe. Die hatte ich immer, sehe sie aber am Ende meiner sportlichen Laufbahn genauso. Bietigheim ist einfach eine Topmannschaft in Deutschland und auch international. Daher war die Entscheidung zugunsten von Bietigheim nicht so schwer.

Wie bist du von deiner neuen Mannschaft aufgenommen worden?

Anna Loerper:
Hervorragend! Man muss sagen, dass ich nur ein Training und ein Spiel hatte und die Integration sehr, sehr schnell abläuft. Die Spielerinnen sind sehr professionell und helfen einem, nehmen einen herzlich auf und erzählen einem, wie das hier so abläuft. Aber auch Martin Albertsen hat klare Vorstellungen. Das macht es einem einfach hier anzukommen.

Wie erlebst du Martin Albertsen bisher, im Vergleich mit den Trainern und Trainerinnen, die dir bisher begegnet sind?

Anna Loerper:
Das ist alles noch ein bisschen frisch. Auf mich wirken gerade unheimlich viele Einflüsse ein. Ich kannte Martin Albertsen bisher nur als Trainer auf der gegnerischen Bank. Ich kann sagen, dass er einen ganz klaren Plan hat, wie er etwas haben will. Er will aus den guten individuellen Spielerinnen ein Team formen. Für ihn steht im Vordergrund, dass wir als Team agieren. Damit kann ich mich definitiv gut identifizieren.

Wie schätzt du die Chance ein, dass du mit Bietigheim deine erste Deutsche Meisterschaft erringst?

Anna Loerper:
Das ist hier das ganz große Ziel von allen. Das war auch mein Ziel schon vorher, jetzt umso mehr. Der Glaube und das, was das Umfeld dafür bewerkstelligt, geht alles auf dieses Ziel zu. Dazu möchte ich meinen Teil beitragen.

War es ein bisschen seltsam für dich, so kurz nach dem Vereinswechsel gegen Vardar Skopje in dem neuen Umfeld auf der Tribüne sitzen zu müssen und nicht eingreifen zu können, weil du in der Champions League nicht spielberechtigt bist?

Anna Loerper:
Ja, definitiv. Ich hatte noch Hoffnung, dass es vielleicht klappt. Aber die Nachmeldefrist ist leider schon verstrichen, bereits vor meiner Verpflichtung in Bietigheim. Natürlich ist das ein seltsames Gefühl. Aber auch da lerne ich viel dazu. Ich nutze die Zeit und gucke auf meine eigene Mannschaft. Ich denke auch, dass ich aus solchen Erfahrungen von außen auch noch etwas mitnehmen werde.

Was ist dir gegen Vardar Skopje aufgefallen? Wie fällt deine Analyse aus?

Anna Loerper:
Ich denke, das Sieben-gegen-Sechs hat gegen Vardar in der ersten Halbzeit hervorragend funktioniert. Das hat sie auch ein wenig überrascht. In der zweiten Halbzeit hätte das genauso gut klappen können. Da haben wir aber leider ein paar technische Fehler zu viel im Angriff gemacht. Ich kann nicht beurteilen, woran das lag. Man muss sehen, dass viele Spielerinnen gerade eine hohe Belastung haben. Da haben wir uns dann einfache Tore gefangen. Natürlich ist Skopje dann auch eine Mannschaft, die abgezockt agiert. Der Sieg geht auch in dieser Höhe in Ordnung.

Jetzt spielt ihr am Mittwoch gegen Metzingen. Das ist sicherlich eine ganz besondere Situation für dich?

Anna Loerper:
Ja, natürlich. Das ist ganz schwer für mich. Ich war noch nie in so einer Situation. Das wird schwierig, auch weil ich Freundinnen in der Mannschaft habe, generell auf die Mannschaft zu treffen, aber auch auf die Fans, die mich auch immer unterstützt haben. Ich hoffe einfach, dass es ein faires Spiel wird und dann gucken wir, wer am Ende gewinnt.

Auch in der Nationalmannschaft gibt es eine Veränderung. Ihr habt mit Henk Groener einen neuen Bundestrainer. Am 11. Februar beginnt ein erster Kurzlehrgang. Gab es schon einen ersten persönlichen Kontakt mit ihm?


Anna Loerper:
Wir haben uns schon kennengelernt und wir haben auch schon mehrere, sehr angenehme Gespräche geführt. Dadurch, dass einige erfahrene Spielerinnen aufgehört haben, wird die Nationalmannschaft ein neues Gesicht bekommen. Diese drei Tage ab dem 11. Februar werden erst einmal dafür da sein, sich kennenzulernen und vernünftig zu trainieren und so ein bisschen seine Philosophie und seine Gedanken, in welche Richtung das Ganze gehen soll, auch in Sachen Taktik, kennenzulernen.