22.01.2018 13:53 Uhr - 2. Bundesliga - PM Vereine, red

Ein Punkt wird bei der SG 09 Kirchhof wie ein Sieg gefeiert

Franziska RinglebFranziska Ringleb
Quelle: SG 09 Kirchhof
Mit einem nachträglichen Geburtstagsgeschenk zum 60. hatte Berthold Denk nicht zwingend gerechnet. "Das wird schwerer als in Berlin", sagte der Teammanager der SG 09 Kirchhof nach dem Coup in der Hauptstadt und vor der Partie in der 2. Handball-Bundesliga gegen die SG H2Ku Herrenberg. Und war folgerichtig nach dem 28:28 (14:11) glücklich: "Wir brauchen jeden Punkt. Dieser fühlt sich wie ein Sieg an."

Damit drückt Denk vielerlei aus. Zum einen eine neu gewonnene Demut, sodass es nach drei Siegen in Serie keine Spur von Überheblichkeit gab. Auch, dass der Respekt vor dem Tabellennachbarn nach dem überraschenden Trainerwechsel besonders groß war. Und auch, dass das junge Team eine ungewöhnliche Woche mit Vorbereitung im Zeitraffer zu meistern hatte. Denn mit Blick auf den Orkan Friederike hatte Kirchhof in Berlin auf den geplanten Besuch im Wachsfigurenkabinett Madam Tussauds verzichtet. Ebenso fiel die Einheit am Donnerstagabend flach, weil die Heimfahrt statt vier gut sieben Stunden dauerte.

Immerhin: Per Video bereitete Trainer Christian Denk seine Mannschaft selbstredend vor. Auf ein Team, das sich wie erwartet mit Qualität auf allen Ebenen präsentierte und munter ohne Leistungsabfall durchwechselte. Umso wichtiger, dass Danique Boonkamp, Christin Kühlborn und Leona Svirakova die Gastgeberinnen schnell mit 3:0 in Führung brachten.

Herrenberg stemmte sich hart, aber meistens fair dagegen, und lieferte der SG 09 einen leidenschaftlichen Kampf auf Augenhöhe. Nicht immer auf der Höhe waren indes die Unparteiischen Julian Fedtke und Niels Wienrich. Eine der Leidtragenden war die formstarke Danique Boomkamp, die kurz vor und nach der Pause Zwei-Minuten-Strafen kassierte. Bis dahin (18:15, 37.) hielt Kirchhof seinen Vorsprung.

Dann kippte die Partie zusehends. Im zweiten Durchgang traf für die Grün-Weißen zunächst nur Diana Sabljak - aber immerhin viermal in Serie. Die Außen hingen in der Luft und Herrenberg erwies sich in der Deckung vor allem dank Anika Leppert und Sulmith Klein als unangenehm. Auf der Gegenseite übernahmen im Rückraum die Neubrander-Schwestern Lea und Sarah das Zepter. Ein Fehlpass der gerade eingewechselten Paulina Muchocka ebnete den Weg zur ersten Gästeführung (20:21, 45.). Drei Minuten später lag Herrenberg 24:21 vorne. "Zu Beginn der Saison hätten wir sicherlich verloren. Aber jetzt glauben wir immer an uns und ich traue mir mehr Würfe zu", sagte Boomkamp.

Die 21-Jährige brachte ihr Team im Verbund mit Kreisläuferin Dionne Visser mit drei Treffern zurück. Eine 18-Jährige trieb Kirchhof zu noch mehr Mut an. Paula Küllmer nämlich, die mit ihrer ersten Aktion einen Siebenmeter von Lea Neubrander parierte und mit einer Selbstverständlichkeit die Fans animierte, dass es nur so eine Freude war. Auch Sarah Neubrander scheiterte vom Punkt an ihr. Besser machte es Diana Sabljak, die drei der letzten vier Tore des Neulings erzielte. Das letzte davon zehn Sekunden vor Schluss. Damit bleibt Kirchhof nach Ende der Hinrunde Zehnter. Nicht nur zur Freude von Berthold Denk.