09.04.2007 13:25 Uhr - 1. Bundesliga - Frank Mebik - dpa

Licht und Schatten bei DHB-Frauen - Diskussion um Wechselflut

Nadine Krause nach dem Länderspiel gegen Frankreich mit dem SiegerpokalNadine Krause nach dem Länderspiel gegen Frankreich mit dem Siegerpokal
Quelle: Tim Oliver KalleTim Oliver Kalle
Licht und Schatten auf dem Spielfeld, dazu Diskussionen über die Wechselflut nach Dänemark: Während sich die deutschen Handball-Frauen zwei Tage nach dem Sieg zum Auftakt des Länderspiel-Doppels gegen Frankreich über die 19:23 (8:13)-Niederlage am Ostersamstag beim EM-Dritten ärgerten, droht der Ausverkauf ihrer Aushängeschilder die Bundesliga zu schwächen. «Insgesamt bin ich zufrieden mit dem Gesamteindruck, aber im zweiten Spiel haben wir zahlreiche Schwächen gezeigt. Gerade im Angriff haben wir zu viele Fehler gemacht», monierte Bundestrainer Armin Emrich.

Nora Reiche und Sophie Herbrecht beim Länderspiel in Le MansNora Reiche und Sophie Herbrecht beim Länderspiel in Le Mans
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Am Gründonnerstag hatte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) die Neuauflage des verlorenen EM-Spiels um Platz drei in Le Mans nach mit 28:26 gewonnen. Zwei Tage darauf blieben das Team um Ersatz-Kapitän Nadine Krause (Leverkusen) vieles schuldig. Emrichs Mannschaft lag schnell 2:9 hinten, kämpfte sich bis zur Pause heran und hatte beim 18:21 sogar einige Chancen, die Partie zu kippen. Doch in der Schlussphase wurden wieder zu viele Torchancen vergeben.

Allerdings musste Emrich auch auf Stammkräfte wie Grit Jurack, die mit ihrem dänischen Club Viborg HK das Liga-Halbfinale bestritt, oder die verletzten Stefanie Melbeck und Clara Woltering verzichten. «Wir haben am Donnerstag eine gute Partie abgeliefert, über das, was wir am Samstag boten, muss man nicht groß reden», sagte Spielmacherin Nina Wörz, die seit einem Jahr in Dänemark für Randers HK spielt.

In Zukunft wird es im Norden zahlreiche deutsch-deutsche Duelle geben. Von den 14 Spielerinnen, die das Gerüst des EM-Kaders bildeten, spielen in der kommenden Saison acht in der stärksten Frauen-Liga der Welt. Nach Wörz und Jurack, die schon vor der EM in Dänemark ihr Geld verdienten, laufen demnächst auch Krause und Maren Baumbach (beide FC Kopenhagen), Nora Reiche und Anja Althaus (beide Viborg HK) sowie Angie Geschke (Randers HK) und Stefanie Melbeck (Kolding IF) für dänische Vereine auf. Zudem wechselt Torfrau Sabine Englert zu Hypo Niederösterreich.

«Ich hätte nie gedacht, dass so viele auf einmal zu uns in den Norden kommen», sagte Wörz. Die Gründe für die Wechselwelle sind vielschichtig. «Mit den Erfolgen der Nationalmannschaft wurde man in
Dänemark auf uns aufmerksam, man honoriert die Arbeit, die hier gemacht wird», meinte Baumbach. «Wir Deutschen lernen schnell die Sprache, können uns gut anpassen. Und außerdem wird hier zu Lande nun ein ähnlicher Tempohandball gespielt wie in Dänemark», sagte Wörz.

Doch der Abgang der Aushängeschilder wird die Bundesliga schwächen. «Natürlich wird die Bundesliga unattraktiver», gab Baumbach zu. Bundestrainer Emrich hat immerhin noch die Hoffnung, dass «andere junge deutsche Spielerinnen nachrücken werden». Für sein Nationalteam sieht Emrich keine Probleme: «Für die DHB-Auswahl ist das sicher nicht negativ. Jede Spielerin, die geht, sucht eine neue Herausforderung, das ist für eine Nationalmannschaft nie schlecht.»