18.12.2017 15:49 Uhr - 2. Bundesliga - PM Mainz

Mut zum Unüblichen bringt den Sieg gegen angriffsstarke Bremerinnen für Mainz 05/Budenheim

Paulina GollaPaulina Golla
Quelle: Axel Kretschmer - Handball-Zeitung.de
Mit einem 28:24 Erfolg beenden die Meenzer Dynamites den Negativlauf des Novembers und rücken auf Platz vier vor. Legt man den Verlauf der letzten Saison zu Grunde, lag die Favoritenrolle im letzten Heimspiel in 2017 bei den Gästen. Kein anderes Team hatte im direkten Vergleich den Meenzer Dynamites mehr den Zahn gezogen als Werder Bremen. Und der Angriff um die Bremer Topscorerin auf Linkshalb Merle Heidergott wurde mit Juniorennationalspielerin Isabelle Dölle auf Rückraum rechts noch einmal kräftig verstärkt.

Und in der ersten Halbzeit sollte sich auch die Erwartung von Thomas Zeitz erfüllen, dass "Bremen eine der angriffsstärksten Mannschaften stellt" und "mit Heidergott und Dölle auf den Halbpositionen richtig Alarm in der Abwehr macht". Die 6:0 Abwehr sollte damit trotzdem einige Probleme haben.

Anfangs legten die Dynamites allerdings vor. Angeführt von Jugendnationalspielerin Paulina Golla, die sich für ihre Aufstellung in der Startformation und ihren 45 minütigen Einsatz mit guten Aktionen bedankte, stand es 2:0 nach zwei Minuten. Doch Bremen blieb fokussiert und glich knapp zwei Minuten später aus. Ab dann war es eine enge Partie mit leichten Vorteilen für die Gäste, eben weil die Dynamites Abwehr viel zu passiv blieb und keinen Zugriff auf die beiden Halben bekam, die meist selbst abschlossen oder den Kreis bedienten.

Clara Bohneberg, die im Tor begann, wurde so oft im Stich gelassen und fand nicht in die Partie. Für sie kam Mitte der ersten Hälfte Kristin Schäfer und Thomas Zeitz entschied sich zu einer vor allem für ihn ungewöhnlichen Maßnahme. Er stellte die Abwehr auf eine eigentlich nicht trainierte 5:1 um und beorderte Janka Bauer nach vorn. Beide Maßnahmen trugen maßgeblich dazu bei, dass aus einem Zwei-Tore-Rückstand (8:10, 10:12) eine 14:13 Führung wurde, auch wenn der Bremer Ausgleich per Siebenmeter zum 14:14 Halbzeitstand folgte, nachdem vorher ein eigener Siebenmeter erneut nicht verwandelt wurde.

Bremens Trainer Florian Marotzke hatte in der Kabine eigentlich von seiner Abwehr gefordert, besser als in den ersten 30 Minuten zu arbeiten. Das funktionierte nur bedingt. Und die 5:1 Abwehr der Dynamites raubte dem Bremer Angriffsdruck weiter entscheidend die Wege. Die Partie verlief erneut eng umkämpft aber dennoch sportlich fair, sodass die gut leitenden Schiedsrichter nicht übermäßig einschreiten mussten. Die einzige Zweiminutenstrafe auf Seiten der FSG erwischte Janka Bauer in der 37. Minute, nachdem das Kontingent der gelben Karten aufgebraucht war. Und sofort schlug der Bremer Angriff Kapital daraus und erzielte drei Tore in Folge zum 16:19.

Wichtig war zu diesem Zeitpunkt, dass Kristin Schäfer im Tor der Dynamites zu Hochform auflief und etliche Bremer Großchancen entschärfte. Nach Janka Bauers Rückkehr lief der ?Jugend forscht? Rückraum der Dynamites mit den DHB-Youngstern Soffel (18), Golla (16) und Maidhof (19), flankiert von Rechtsaußen Romana Gerisch, auf Hochtouren und in der 47. Minute hatten die Dynamites plötzlich mit 22:20 die Nase vorn. Nachdem dem erneuten Bremer Ausgleich zum 22:22 nahm Thomas Zeitz seine 2. Grüne Karte und fand in der Phase ?auf des Messers Schneide? die richtigen Worte.

Vier Treffer der Dynamites in Folge brachten jetzt das vorentscheidende 26:22 in der 53. Minute, Schäfer parierte erneut stark, und belegte mit ihrem Team die Rückkehr des Siegeswillens. Die Auszeit des Bremer Coachs konnte daran auch nichts mehr ändern. Die Dynamites verfielen nicht mehr in Hektik und beendeten mit einem letztlich verdienten 28:24 Heimsieg die 1:5 Negativspirale des Novembers.

Im Trainergespräch betonte der Bremer Coach Florian Marotzke sportlich fair und ohne Umschweife, dass der "Mainzer Sieg völlig in Ordnung geht". "Wir waren nach der ersten Halbzeit mit unserer Abwehr eigentlich nicht zufrieden, und wollten das in der 2. Hälfte ändern. Aber wenn man je 14 Tore in beiden Halbzeiten fängt, hat das offensichtlich nicht funktioniert und war nicht in Ordnung. Problematisch waren dann sicher auch die nicht verwandeltem 100prozentigen. Vor allem in der Phase, als wir mit drei vorne liegen. Machen wir hier noch das vierte und fünfte Tor, bringt das mehr Sicherheit. Aber wir sind auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt und wissen jetzt, was wir noch verbessern müssen."

Für Dynamites-Coach Thomas war der Sieg "brutal wichtig, weil wir uns vor der WM-Pause in einen 1:5 Negativstrudel gefahren haben. Hinten raus betrachtet, war der Erfolg denn auch verdient. Beeindruckt hat mich, wie das Team eine Abwehr umgesetzt hat, die eigentlich nicht zu unserem Repertoire gehört. Durch die Umstellung war auf einmal eine ganz andere Körperspannung da, mehr Aggressivität, mehr Laufbereitschaft, mehr Konzentration. Der starke Auftritt von Kristin kam hinzu. Deshalb sage ich: Die Mannschaft hat sich diesen Erfolg selbst erarbeitet und erkämpft."

Großartig Pausen gibt es aufgrund der Spielansetzung am 30.12. außerhalb der Weihnachtsfeiertage nicht mehr. Die Dynamites empfangen heute Abend um 20:00 Uhr in der GSW-Halle die Flames aus Bensheim und trainieren normal weiter. Ab dem 27.12. liegt der Fokus dann voll auf der Vorbereitung gegen den SV Union Halle Neustadt.