17.12.2017 16:08 Uhr - Weltmeisterschaft - Julia Nikoleit

Trotz 0:9-Lauf im zweiten Durchgang: Niederlande holt sich Bronze

Tess Wester und die Niederlande bejubeln BronzeTess Wester und die Niederlande bejubeln Bronze
Quelle: sportseye.de
Die erste Medaille bei der Frauen-Weltmeisterschaft 2017 ist vergeben: In einem furiosen Spiel um den dritten Platz besiegten die Niederlande das schwedische Team mit 24:21 (14:8). Zur Halbzeit sah das Team von Helle Thomsen bereits wie der sichere Sieger aus, doch ein 0:9-Lauf im zweiten Durchgang kostete den Vorsprung, sodass die Schlussphase noch einmal hochspannend wurde. Dort bewiesen die Niederländerinnen vor 11.261 Zuschauern die besseren Nerven und durften so über Edelmetall jubeln.

Im Spiel um den dritten Platz ging Schweden durch einen Treffer von Jamima Roberts zunächst in Führung; Estavana Polmann glich jedoch umgehend aus. Die beiden Mannschaften begegneten sich auf Augenhöhe, sodass die Partie ausgeglichen blieb. Die Niederlande wurden durch zwei Zeitstrafen kurz hintereinander jedoch geschwächt, was Schweden sofort ausnutzte: Carin Stroemberg netzte zum 4:2 (8.) ein.

Die Niederlande kamen nun jedoch immer besser ins Spiel, was auch den Paraden von Tess Wester zu verdanken war. Die Torhüterin der SG BBM Bietigheim lief zur Höchstform auf und parierte unter anderen einen Siebenmeter von Natalie Hagmann. Yvette Broch nutzte diese Vorlage und erzielte die erste Führung für die Niederlande: 5:4 in der 14. Spielminute.

Von der zweiten Zeitstrafe gegen Lois Abbingh ließen sich die Niederlande in dieser Phase ebenso wenig aus dem Konzept bringen wie von einer Auszeit Henrik Signells. Mit einem 4:0-Lauf zog das Team von Helle Thomsen innerhalb weniger Minuten auf 11:6 (24.) davon. Zwei dieser vier Tore gingen auf das Konto von Abbingh, die im ersten Durchgang insgesamt fünf Treffer erzielte.

Schweden machte sich das Leben - wie bereits im Halbfinale - durch viele einfache Fehler selbst schwer. Mehrere Ballverluste und Fehlwürfe verhinderten, dass die Skandinavierinnen wieder herankamen - insgesamt kam das Signell-Team in der ersten Halbzeit nur auf eine Trefferquote von 36 Prozent. So gingen die Niederlande mit einem Sechs-Tore-Vorsprung im Rücken in die Pause. Martine Smeets hatte wenige Sekunden vor dem Halbzeitpfiff das 14:8 geworfen.

Mit dem Seitenwechsel nahm Signell einen Torwartwechsel vor und schickte Filippa Idehn für die glücklose Johanna Bundsen zwischen die Pfosten. Es war ein Tausch mit Erfolg: Nicht zuletzt durch die Paraden von Idehn hatte Schweden nach wenigen Minuten die Chance, wieder auf vier Tore zu verkürzen, doch Wester hielt den Vorsprung mit zwei Paraden fest - zunächst.

In der niederländischen Offensive lief in dieser Phase nichts mehr zusammen. Nach dem 16:9 (34.) blieb das Thomsen-Team über zehn Minuten lang torlos, während Schweden konterte. Hanna Blomstrand glich schließlich zum 16:16 (46.) aus, Louise Sand krönte den 8:0-Lauf mit der Führung zum 17:16 (47.). Thomsen legte die Auszeit. Sinnbildlich für das niederländische Angriffsspiel war eine Szene kurze Zeit später: Die Niederlande agierten mit dem siebten Feldspieler, doch der Pass auf die Außenbahn ging ins Leere - Angela Malestein war bereits zum Wechsel gelaufen.

Kurz darauf wurden die Niederlande personell geschwächt: Broch kassierte ihre dritte Zeitstrafe und musste die verbleibenden elf Minuten von der Tribüne verfolgen. Gullden verwandelte den Siebenmeter sicher zum 18:16 (49.), während die Niederlande weiter auf ihr erstes Tor seit der 34. Minute (!) warten musste. Erst weitere drei Minuten später erlöste Malestein die Oranje-Fans mit dem Treffer zum 18:17-Anschluss. Abbingh legte kurz darauf nach, sodass der Spielstand wieder ausgeglichen war.

So entwickelt sich eine hochspannende Schlussphase. Roberts brachte Schweden in der 56. Spielminute wieder in Führung, doch Polman glich aus. Zwei Minuten vor dem Ende lagen dann die Niederlande in Front. Olivia Mellegard hatte die Chance zum Ausgleich, doch ihr Wurf sprang vom Innenpfosten zurück. Die Chance nutzten die Niederländerinnen: Polman sorgte mit einem Doppelpack und dem 23:20 (59.) für die Entscheidung. Am Ende holten sich die Niederlande mit einem 24:21 die Bronzemedaille.