07.12.2017 18:42 Uhr - Weltmeisterschaft - fcb

Krowicki sieht Polen "auf dem richtigen Weg", Rasmussen fühlt nach Sieg mit Ungarn zwei Herzen schlagen

Hängende Köpfe bei der polnischen MannschaftHängende Köpfe bei der polnischen Mannschaft
Quelle: Marco Schultz
Ungarn gelang am Donnerstag der zweite Sieg bei der Weltmeisterschaft in der Gruppe B. In Bietigheim-Bissingen sicherte sich das Team von Kim Rasmussen, der zuvor im polnischen Frauenhandball Aufbauarbeit geleistet hatte, einen 30:27 (13:11)-Erfolg und zugleich das Ticket für das Achtelfinale. Nach 20 Minuten war die Partie zugunsten der Magyarinnen gekippt. Zeitweise lagen sie mit acht Toren vorne. Erst im Endspurt konnte Polen noch einmal aufschließen, aber nicht mehr um den Sieg kämpfen. "Wir sind sehr enttäuscht. Dieses Spiel hat für uns eine sehr wichtige Rolle gespielt", bilanzierte Polens Trainer Leszek Krowicki, der sein Team auf dem richtigen Weg sieht.

"Ungarn hatte mehr Alternativen als wir", führte Krowicki nach dem Spiel an. " Wir haben einige wunderbare Spielerinnen, die seit einem Monat als Nationalspielerinnen große Fortschritte gemacht haben", lobte der ehemalige Oldenburger Trainer, betonte aber auch den Umbruch, den er zu meistern hat. Für den Umbruch führt er an, dass einige frühere Nationalspielerinnen eine Familie gegründet hätten. "Wir haben auf elf oder zwölf Spielerinnen verzichtet, weil sie andere Pläne und ihre familiären Prioritäten entdeckt haben." Krowicki, dessen Team nun im President´s Cup antritt, wirbt um mehr Zeit für den weiteren Umbau der Mannschaft: "Dieser Prozess dauert noch an."

Krowicki bedauerte, dass sein Team in der neuen Zusammensetzung bei der WM nicht über 60 Minuten auf einem Level agieren konnte. "Bei der WM ist aber eine gewisse Konstanz wichtig. Wir können nur mit unserer ersten Sieben konstant spielen und erleben dann regelmäßig Einbrüche, so auch gegen Ungarn." Die Ergebnisse, auch in der Vorbereitung mit unter anderem mit einem Sieg über Rumänien, würden aber zeigen, dass die polnische Druzyna "auf dem richtigen Weg" sei. "Wir haben gegen Ungarn gekämpft bis zur letzten Sekunde", fand Kapitänin Karolina Kudlacz-Gloc. "Wir wussten, was unser ehemaliger Trainer ungefähr vorhat, konnten uns aber nicht dagegenstellen."

Ungarns "Spielerin des Spiels" Aniko Kovacsics war derweil voller Freude darüber, dass ihrem Team im Entscheidungsspiel gegen Polen eine Großtat gelungen ist. Im Vergleich zu den ersten beiden Spielen am Wochenende, gegen Norwegen und Schweden, waren die Magyarinnen nicht wieder zu erkennen. Über nahezu 60 Minuten spielten sie druckvoll auf, suchten den Zweikampf - und gewannen ihn. "Ich bin sehr glücklich nach diesem Sieg. Ich bin stolz darauf, wie wir dieses Spiel vorbereitet haben. Wir haben viel geredet, uns zusammengerauft", so die achtfache Torschützin. "Wir sind gegen Polen als Team aufgetreten und haben füreinander eingestanden", lächelte sie.

Kovacsics´ Trainer Kim Rasmussen blickte derweil mit gemischten Gefühlen auf das Duell mit seinem ehemaligen Verband. " Ich bin sehr stolz auf meine Mädels, mit der Leistung in Abwehr und Angriff, aber auch sehr traurig wegen Polen. Polen hat in Bietigheim gut gespielt, aber Sport ist manchmal nicht fair. " Rasmussen berichtete über die gute Spielvorbereitung und das Spiel selbst, betonte aber auch, nach dem Abpfiff übermannt worden zu sein. "Ich wäre kaltherzig, wenn ich nicht mit Polen mitfühlen würde, nach alldem, was wir zusammen erlebt haben. Ich habe dort etwas aufgebaut. In Ungarn bin ich quasi dazugestoßen. Daher ist dieses Duell mit Polen etwas Besonderes für mich."