06.12.2017 10:01 Uhr - Weltmeisterschaft - Eric Dobias, dpa

Trotz Achtelfinale: DHB-Frauen hadern mit Remis gegen Serbien - heute gegen China

Svenja HuberSvenja Huber
Quelle: Michael Schmidt
Der Jubel-Tanz der deutschen Frauen nach dem vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der Heim-WM blieb aus. Zwar löste die DHB-Auswahl durch das 22:22 (9:11) im Krimi gegen Serbien vorzeitig das Ticket für die K.o.-Runde, doch der späte Ausgleich wenige Sekunden vor Schluss drückte auf die Stimmung.

"Die letzte Aktion tat weh. Deshalb fühlt es sich ein wenig wie eine Niederlage an", sagte die erneut starke Torfrau Katja Kramarczyk. "Wir wollten gewinnen. Das Beste ist daher der Achtelfinaleinzug." Viel Zeit zum Ärgern bleibt jedoch nicht, denn bereits am heutigen Mittwoch geht es gegen das punktlose China weiter (18:00 Uhr).

Immerhin blieb die DHB-Auswahl durch das Unentschieden auch im dritten Turnierspiel ungeschlagen und hat mit 5:1 Punkten im Kampf den Gruppensieg weiter alle Trümpfe in der Hand. Bundestrainer Michael Biegler spendete seinen Spielerinnen daher Trost. "Natürlich sind sie enttäuscht, dass sie sich nicht belohnen konnten. Und natürlich kann es sein, dass es sich für sie nicht so gut anfühlt. Aber wir haben den Sieg nicht aus der Hand gegeben, sondern heute den nächsten Schritt in unserer Entwicklung gemacht", sagte Biegler.

Die Gefühlslage bei den DHB-Frauen war jedoch eine andere, nachdem sie kurz vor dem Ende bei eigener Führung noch im Ballbesitz waren. "Wir sind generell enttäuscht", sagte Kapitänin Anna Loerper. "Am Ende müssen wir die knappe Führung 30 Sekunden vor Schluss besser über die Bühne bringen."

Ähnlich sah das Svenja Huber, die am Dienstag vor 3871 Zuschauern in Leipzig mit fünf Treffern beste Werferin ihres Teams war: "Wir geben den letzten Angriff aus der Hand, nachdem wir uns super zurückgekämpft haben. Wir müssen wohl noch konstanter werden, wissen aber auch, dass wir uns in ein Spiel zurückkämpfen können."

Anders als beim Sieg gegen Südkorea war das Biegler-Team in der Anfangsphase hellwach. Nach einem Raketenstart zum 5:1 (9.) nahm der WM-Zweite von 2013 eine frühe Auszeit und dem DHB-Team damit etwas den Wind aus den Segeln. "Nach dem starken Start haben wir uns verunsichern lassen", monierte Biegler.

Gegen die fortan aggressiver deckenden Serbinnen gab es kaum noch ein Durchkommen. Beim 7:7 (18.) war die Partie wieder auf Null gestellt. Nun reagierte Biegler mit einer Auszeit, die aber nicht den erhofften Effekt zeigte. Vielmehr geriet der WM-Gastgeber beim 8:9 (23.) erstmals in Rückstand, der bis zur Pause auf zwei Tore anwuchs.

Nach dem Wechsel gelang den Biegler-Ladies zwar schnell der Ausgleich, doch Serbien stellte umgehend wieder den Zwei-Tore-Abstand her. Zwölf Minuten vor Schluss gelang dann endlich der Ausgleich. Nun war Feuer in der Partie - auch wenn die Fehlerquote im deutschen Team unverändert hoch blieb. In der dramatischen Schlussphase konnte sich keine Mannschaft mehr einen entscheidenden Vorteil verschaffen.

Nächster Gegner ist am Mittwoch (18.00 Uhr) der punktlose Gruppenletzte China, gegen den nur zwei Punkte zählen. "Da muss ein Pflichtsieg her", sagte Rechtsaußen Huber. Zum Abschluss der Vorrunde geht es am Freitag gegen Vize-Weltmeister Niederlande, der wie die DHB-Auswahl und Serbien schon für das Achtelfinale qualifiziert ist.

"Die Taktung ist einfach schneller. Wir müssen ganz schön die Kurve kriegen, aber das werden wir auch tun", sagte Biegler. Einen Auftritt mit halber Kraft kann sich sein Team trotz des vorzeitigen Einzugs ins WM-Achtelfinale nicht leisten. "Wenn wir nach Hamburg wollen, muss es einen Pflichtsieg geben", formulierte Rechtsaußen Svenja Huber die Marschroute. "Wir tun gut daran, voll fokussiert in die Partie zu gehen. Wir müssen in unseren Köpfen festsetzen, dass es nur mit 100 Prozent geht."

Dafür wird Biegler sorgen. Einen Schlendrian will er nicht akzeptieren. "Wir werden dieses Spiel sehr ernst nehmen", verkündete er. "Aber ich bin mir auch sicher, dass wir dieses Spiel gewinnen werden." Auch wenn im Fernduell mit den punkgleichen Serbinnen (beide 5:1) eventuell das Torverhältnis im Kampf um den Gruppensieg den Ausschlag geben könnte, will Biegler keine wilde Torejagd forcieren. "Das wäre der falsche Weg", sagte der 56-Jährige.

Geduld statt Attacke lautet also das Motto. Zumal die DHB-Auswahl im Abnutzungskampf gegen Serbien viel Kraft gelassen hat. "Es wäre sehr gefährlich, China zu unterschätzen, nur weil sie bisher nicht erfolgreich waren", warnte Huber. "Das ist sicher nicht der stärkste Gegner in der Gruppe, aber angesichts des Doppelspieltages werden die Beine etwas schwerer sein als sonst." Ähnlich äußerte sich Torfrau Katja Kramarczyk: "Wir werden uns gut vorbereiten, denn es ist nicht einfach, innerhalb von 24 Stunden zwei Spiele zu bestreiten", sagte die 33-Jährige. "Wir brauchen volle Konzentration und beste Qualität auf der Platte."