02.12.2017 20:15 Uhr - Weltmeisterschaft - jun

"Wir müssen jetzt noch enger zusammenrücken": Jenny Karolius im Interview

Jenny KaroliusJenny Karolius
Quelle: Michael Schmidt
Gemeinsam mit Julia Behnke besetzte Jenny Karolius im WM-Eröffnungsspiel die Kreisläuferposition und trug sich zweimal in die Torschützenliste ein. Im Interview am nächsten Tag sprach die Leverkusenerin über die Verletzung von Kim Naidzinavicius, ihre Rolle in der Mannschaft und die Stimmung in Leipzig ...

Jenny, ihr habt einen deutlichen Sieg gegen Kamerun gefeiert. Wie fällt dein Fazit aus?

Jenny Karolius:
Natürlich freuen wir uns, dass wir das erste Spiel gewonnen haben. Auf dem Papier war es ja auch ein souveräner Sieg. Ganz zufrieden sind wir aber nicht, vor allem mit der Chancenauswertung können wir das nicht sein. Da müssen wir noch einmal drüber reden. Die Verletzung von Kim wiegt natürlich auch sehr, sehr schwer.

Wie schwer ist es für euch als Team, damit umzugehen?

Jenny Karolius:
Auf dem Spielfeld mussten wir das so schnell es geht zur Seite schieben; auch, wenn man es natürlich immer noch im Hinterkopf hatte. Abends, als sie aus dem Krankenhaus zurückgekommen ist, war die Stimmung schon sehr gedrückt. Kim war so gut in Form und ist eine extrem wichtige Spielerin. Es tut mir einfach auch persönlich so leid.

Michael Biegler hat erzählt, dass ihr euch noch in der Mannschaft zusammengesetzt habt. Worüber habt ihr gesprochen?

Jenny Karolius:
Wir haben gesagt, dass es in Ordnung ist, wenn wir den Abend noch traurig sind, aber wir brechen deswegen ja das Turnier nicht ab... Wir müssen jetzt - wie damals nach dem Verletzung von Anne - noch enger zusammenrücken, um diesen Ausfall zu kompensieren. Jeder muss und möchte für Kim noch eine Schippe drauflegen.

Wie siehst du deine Rolle in der Mannschaft?

Jenny Karolius:
Das ist eine gute Frage (lacht). Jule (Julia Behnke, Anm. d. Red.) und ich teilen uns die Position am Kreis sehr gut. Wir sind vom Spielertyp her ähnlich und bekleiden auch die gleiche Position in der Abwehr. Es ist schon gut, dass wir uns die Zeiten teilen können. Ich bin ja auch schon ein bisschen älter und kann nicht jedes Spiel bei einem Turnier 60 Minuten durchpowern (lacht). Daher ist es gut, dass da ein zweiter Kreis ist, der die Leistung fortsetzen kann. Jule und ich verstehen uns auch super.

Also ist es zwischen euch eher ein Miteinander als Konkurrenz?

Jenny Karolius:
Auf jeden Fall! Wir spielen zusammen und sprechen uns ab. Das ist sehr positiv.

Du warst vor einem Jahr in Schweden bei der EM dabei, nun spielt ihr im eigenen Land. Wie wirkt sich das auf die Stimmung aus?

Jenny Karolius:
Für mich persönlich ist es super, denn es sind so viele Leute in der Halle, die mich kennen - Bekannte, Freunde und Familie. Ich war früher vier Jahre in Leipzig und habe in Markranstädt gespielt und es kommen ganz viele Leute an: "Kennst du mich noch? Weißt du noch?". Das ist so schön. Hier ist jedes Spiel für uns ein Heimspiel und das pusht uns unglaublich. Es ist ein tolles Gefühl.

Sind das die entscheidenden zehn Prozent, die den Weg ins Halbfinale ebnen können?

Jenny Karolius:
Genau! Wir kennen die ganzen Wege in der Halle, wir fühlen uns wohl, fühlen uns heimisch. Das macht einen großen Unterschied.

Im ersten Spiel ging es gegen Kamerun, nun kommt mit Südkorea der zweite unorthodoxe Gegner. Wie schwierig ist es, sich darauf einzustellen?

Jenny Karolius:
Man hat den Unterschied gesehen, es war ein anderes Spiel. Kamerun war ungewohnt von den Bewegungen, das kann man auch im Training nicht simulieren. Es macht aber auch Spaß, dass man mal gegen andere Mannschaften spielt.

Zum Abschluss: Was bedeutete euch der Auftaktsieg?

Jenny Karolius:
Das war total wichtig. Vor einem Auftaktspiel zitterst du immer, die Spannung ist hoch und du weißt nie, was kommt. Es ist gelungen, die Nervosität zur Seite zu schieben und wir sind umso glücklicher, dass es am Ende doch so souverän war.





cs