02.12.2017 19:35 Uhr - Weltmeisterschaft - Felix Buß

Polen gewinnt mitreißenden Fight gegen Schweden

Mit vierzehn Paraden ein starker Rückhalt bei Polen: Adrianna PlaczekMit vierzehn Paraden ein starker Rückhalt bei Polen: Adrianna Placzek
Quelle: Marco Schultz
Am frühen Abend trafen in der Gruppe B in Bietigheim-Bissingen Polen und Schweden aufeinander. Für beide Teams war die Begegnung eine interessante Messlatte, vor den Partien gegen Tschechien und Ungarn möglichst erstmals zu punkten. Die Polinnen waren nach den guten Leistungen beim Turnier Lublin selbstbewusst ins Schwäbische gereist. Die Schwedinnen hatten bei ihrer WM-Generalprobe Dänemark geschlagen. Beide Teams befinden sich in einem Umbruch, spielen aber im Kern schon einige Zeit zusammen. 3.620 Zuschauer in der ausverkauften EgeTrans Arena sahen dann, wie Polen Schweden mit 30:33 (15:17) niederkämpfte.

Schweden und Polen gestalteten von Beginn an einen offenen Schlagabtausch. Rasant ging es hin und her. Nach kaum Minuten stand es bereits 4:3. Das Tre-Kronor-Team profitierte von zwei frühen Paraden Filippa Idehns. Drabik war dann am Kreis aber nur auf Kosten eines Siebenmeters zu stoppen, mit dem Kudlacz-Gloc den zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Rückstand egalisierte.

In Überzahl, während einer Zeitstrafe gegen Alm, setzte dann zunächst Kobylinska Grzyb zum 6:6 (10.) in Szene. Dann erkämpfte Roberts einen Siebenmeter, den Gulldén unterbrachte. Kurz darauf servierte Kobylinska für Janiszewska. Polen war über die Flügel gefährlich, Schweden eher aus dem Rückraum.

Nach 14 Minuten lag Polen beim 8:9 erstmals vorne. Drabik hatte über die erste Welle getroffen - für Henrik Signell Grund genug, erstmals die Grüne Karte zu zücken. Kapitänin Isabella Gulldén gelang es zunächst nicht, Ruhe ins Spiel zu bringen. Sie warf beim Siebenmeter an die Querlatte.

Hinten konnte Tre Kronor zwar Polen erstmals ins passive Spiel zwingen, Blomstrand traf aber ebenfalls nur Holz. Die Polinnen ließen sich offenbar von der Leitung der deutschen Unparteiischen irritieren, die das passive Spiel unterschiedlich auslegten. Es wurde unruhig auf dem Spielfeld, gehäuft waren nun Fehler zu sehen. Hagman konterte dann zum 11:10 (21.). Leszek Krowicki beantragte eine Auszeit.

Die Unterbrechung tat dem beherzt geführten Duell gut. Beide Teams agierten danach mit mehr Struktur und nutzten ihr gutes Kreisläuferspiel aus. Polen lag dabei alsbald wieder vorne, da Placzek zwischen den Pfosten ein hervorragendes Stellungsspiel zeigte und Idehn um Längen voraus war. Nach Achruks 13:15 (26.) sah Gulldén sich zu einer Einzelaktion gezwungen. Spielerisch überzeugten vor allem die Polinnen. Die Schwedinnen brachten gegen den beweglichen polnischen Rückraum keine solide Deckung zustande. Anders die Weiß-Roten: Zawistowska verdiente sich nach einem Steal im Gegenstoß den Siebenmeter, den Achruk zum 14:17 (30.) verwertete. Alm traf noch zum 15:17.

Schweden wechselte im Tor, Johanna Bundsen stand nun zwischen den Pfosten. Bei Polen machte Placzek weiter, die in den ersten 30 Minuten achtmal pariert hatte. Weiß-Rot verteidigte den Vorsprung fürs Erste, obschon Tre Kronor nun in Roberts eine wurfstarke Rückraumspielerin hatte. Achruk traf beim 17:20 (35.) zum zweiten Mal. Beim 19:23 (38.) warf Kudlacz-Gloc ins verwaiste Netz, abermals Achruk und die Bietigheimerin erhöhten danach auf die gleiche Weise zum 19:25 (40.). Schweden fand trotz einer Auszeit und sieben Feldspielerinnen keinen Spielrhythmus. Die polnischen Fans feierten ihr Team bereits nach zwei Dritteln der Spielzeit mit Sprechchören.

Henrik Signell musste seinen Spielerinnen zugutehalten, dass sie in der Schlussphase Moral zeigten. Toft Hansen, Mellegard und Roberts verkürzten auf 21:26, ehe Leszek Krowicki die T2-Karte zur Anwendung brachte. Bis auf 23:26 (45.) rückte Schweden heran. Hagman verlieh ihnen mit den 26:28-Konter (49.) weiteres Selbstbewusstsein. Doch Polen ließ sich nicht beeindrucken. Bedingt durch fortwährenden Misserfolg in der Abwehr konnte Schweden das Spiel aber nicht mehr drehen. Szarawaga vergab zwar den 27:32-Vorentscheid (53.) und Schweden kam in Überzahl auf 29:32 (56.) heran. Gulldén nutzte ihr 700. Länderspieltor jedoch nichts mehr. Polen gewinnt verdient mit 30:33.