02.12.2017 16:00 Uhr - Weltmeisterschaft - Elisabeth Trübenbach

"Man versucht, in der Situation Profi zu sein": Nadja Mansson im Interview

Nadja ManssonNadja Mansson
Quelle: Michael Schmidt
Unverhofft schnell kam Nadja Mansson zu ihren ersten Spielminuten bei der WM 2017. Nachdem sich Kim Naidzinavicius verletzt hatte, übernahm Mansson, die selbst aufgrund einer Kapselverletzung erst kurzfristig ihren Einsatz zusagen konnte. Am Ende gab es für die deutsche Nationalmannschaft einen 28:15-Sieg. "Natürlich sind wir erstmal sehr froh über den Sieg. Das muss man ganz klar festhalten", so Mansson. Im Interview sprach die Rückraumspielerin über das Auftaktspiel, den heutigen freien Tag und den kommenden Gegner...

Hallo Nadja, zuerst einmal: Wie geht es dir und deinem Finger?

Nadja Mansson:
Gut, ich habe gedacht, es würde mich mehr belasten. Ich habe zum Glück gar keine Probleme. Ich tape den Finger beim Spiel und dann merke ich das kaum.

Schön zu hören. Kommen wir zum Sportlichen. Das Auftaktspiel gegen Kamerun konntet ihr deutlich für euch entscheiden. Wie fällt dein Fazit aus und was könnt ihr noch besser machen?

Nadja Mansson:
Natürlich sind wir erstmal sehr froh über den Sieg. Das muss man ganz klar festhalten. Das war aber auch ein hartes Stück Arbeit. Wir mussten uns erst in dieses Spiel kämpfen, es war für uns ein sehr unorthodoxes Spiel. Die Spielweise von dem Team aus Kamerun war ungewöhnlich, also nicht so, wie wir es von zu Hause kennen. Es war sehr körperbetont und sie haben sehr, sehr lange gespielt, sodass wir teilweise Minuten in der Abwehr standen.

Leider haben wir dann teilweise den Fokus verloren, bis zum Schluss voll da zu sein. Das ist ein Punkt, an dem wir definitiv noch arbeiten müssen, damit wir über die gesamte Dauer in der Abwehr sehr konzentriert stehen. Vorne müssen wir noch die Chancenverwertung verbessern. Da haben wir sicherlich vor allem am Anfang zu viele freie Chancen liegen lassen. Das muss einfach besser werden.

Aber insgesamt haben wir viele positive Ansätze gezeigt sowohl in der Abwehr als auch im Angriff. Wir haben die Bälle schön verteilt und schöne Chancen herausgespielt und in der Abwehr teilweise super aggressiv gedeckt, die nötige Konsequenz mitgebracht. Es gibt also sicherlich viele positive Ansätze aber auch noch genug Bausteine, die verbessert werde müssen.

Wie du bereits angesprochen hast, musstet ihr euch in das Spiel kämpfen, vor allem nach der Verletzung von Kim nach zwei Minuten. Du musstest dann auf die Platte und für sie übernehmen. Wie war das für dich?

Nadja Mansson:
Das war natürlich erst mal ein Schock. Das muss man schon so sagen. Da haben alle die Luft angehalten und glaube ich auch gespürt, dass irgendetwas Übles passiert ist. Zumindest habe ich das Gefühl gehabt, dass es nichts ganz Glimpfliches war. Das war gleich mein Bauchgefühl muss ich ehrlich gestehen. Man versucht dann wieder möglichst schnell den Fokus zu finden und dann einfach auch Profi zu sein. Ich habe versucht den Schock, die Sorgen um Kim und die Traurigkeit, die in dem Moment sofort da ist, abzuschütteln. Ich wollte dem Team bestmöglich helfen und in die Bresche springen. Es war dennoch gestern ein Schock, das kann man nicht anders formulieren.

Heute habt ihr spielfrei. Wie gestaltet sich euer Tag?

Nadja Mansson:
Wir trainieren heute Abend noch, haben auch eine Teambesprechung. Ein Block ist dabei, wo wir Freizeit haben, Das heißt, einige werden an die frische Luft und vielleicht ein wenig spazieren gehen. Die Zeit wird genutzt für Physiotherapie, für Massagen, wo ich jetzt auch gerade herkomme. Der Fokus liegt schon auf dem Training und der Vorbereitung auf den nächsten Gegner aber auch darauf, den Kopf freizukriegen und zu regenerieren.

Kannst du schon etwas zum nächsten Gegner - Südkorea - sagen?

Nadja Mansson:
Die direkte Vorbereitung haben wir noch nicht in Angriff genommen. Das steht erst später an. Südkorea wird aber sicherlich sehr schnell spielen. Dafür sind sie bekannt, dass sie sehr schnell auf den Beinen sind und sehr flinke Spielerinnen haben. Sie werden sicherlich eine offensive Abwehr spielen. Das wird wieder ein komplett anderes Spiel, es ist wieder kein europäischer Gegner, das heißt auch diese Partie wird für uns ganz unorthodox. Da müssen wir uns wieder umstellen und auf das Spielweise von Südkorea einlassen und einstellen, sodass wir das Spiel bestmöglich gestalten können.

Ein Wort zu den Zuschauern: Wie war es in der ausverkauften Arena Leipzig zu spielen?

Nadja Mansson:
Die Halle ist super. Wir waren sehr froh, dass die Halle so gut gefüllt war und dass wirklich so viele Menschen erschienen sind, um uns anzufeuern. Ich hab ja auch schon mit meinem Verein mehrmals in Leipzig gespielt, aber hab die Arena noch nie so voll gesehen. Meistens wurden hier auch noch nicht alles Tribünen ausgefahren, wenn man beim HCL in Leipzig gespielt hat. So war es für mich auch das erste Mal, dass ich die Halle gesehen habe, wenn alles belegt ist. Das war wirklich toll.