02.12.2017 10:31 Uhr - Weltmeisterschaft - jun

"So wirklich glaube ich das alles noch nicht": Friederike Gubernatis im Interview

Friederike Gubernatis (li.) wurde als "Spielerin des Spiels"  ausgezeichnetFriederike Gubernatis (li.) wurde als "Spielerin des Spiels" ausgezeichnet
Quelle: Michael Schmidt
Als ihre Mitspielerinnen schon lange in den Katakomben der Leipziger Arena verschwunden waren, stand Friederike Gubernatis noch in der Mixedzone und beantwortete geduldig die Fragen der Journalisten. Die Linkshänderin des Buxtehuder SV - von der IHF als als "Spielerin des Spiels" ausgezeichnet und von den Lesern von handball-world als "Lady of the Match" gewählt - war nach dem Auftaktsieg gegen Kamerun eindeutig die begehrteste Gesprächspartnerin, zumal sie relativ spät auf den WM-Zug aufgesprungen war. "So wirklich glaube ich das alles noch nicht", gestand Gubernatis dann auch ein, betonte jedoch auch: "Dass ich der Mannschaft helfen kann, macht mich glücklich."

Friederike, zum WM-Auftakt gab es einen Sieg gegen Kamerun. Wie fällt dein Fazit aus?

Friederike Gubernatis:
Es war schon ein hartes Stück Arbeit, da wir uns nicht mit einfachen Toren belohnt haben. Zudem haben wir Kamerun zu einfachen Chancen kommen lassen - zum Beispiel, dass wir den Abpraller vom Tor nicht bekommen. Wir müssen jetzt das Positive mitnehmen, wissen aber auch um einige negative Dinge, die wir für das Spiel am Sonntag verbessern müssen.

Wie schwierig war die Vorbereitung auf Kamerun und ihre teilweise eher unorthodoxe Spielweise?

Friederike Gubernatis:
Wir hatten zwei Videos, mit denen wir uns vorbereitet haben. Wir wussten, dass Kamerun sehr wild in der Abwehr spielt, eher offensiv agiert und viel auf Ballsteals aus ist. Wir haben versucht, uns entsprechend vorzubereiten, aber ich denke, wir können das auf jeden Fall noch besser spielen.

Zwischendurch habt ihr euch immer wieder schwer getan. Was war der Grund?

Friederike Gubernatis:
Die Passgenauigkeit fehlte und manchmal haben wir einfach diesen Druck zum Tor verloren und die Bälle quer gespielt. Wir müssen einfach alle Zug zum Tor haben, dann funktioniert unser Spiel auch wieder.

Wie sehr hat euch der frühe Ausfall von Kim mitgenommen?

Friederike Gubernatis:
Es war für uns alle ein großer Schockmoment, weil sie eine wichtige Spielerin ist. Wir haben dann versucht, für sie zu spielen.

Ein Wort zu dir: Du bist relativ spät auf den WM-Zug aufgesprungen. Kannst du es schon fassen, jetzt hier zu stehen und im Eröffnungsspiel zur "Spielerin des Spiels" gewählt worden zu sein?

Friederike Gubernatis:
Nein, so wirklich glaube ich das alles noch nicht (lacht). Hätte mich im Sommer jemand nach der WM gefragt, hätte ich gesagt: "Nee, eigentlich rechne ich nicht damit." Dann ging aber alles ganz schnell. Die Mannschaft hat mir sehr geholfen, sodass ich gut ins Spiel integriert worden bin. Dass ich jetzt so viele Spielanteile bekomme und der Mannschaft helfen kann, macht mich glücklich. Ich kriege auch immer gutes Feedback von Michael Biegler.

Wie nervös warst du vor dem Spiel?

Friederike Gubernatis:
Den Tag über war ich sehr nervös und beim Einlaufen hatte ich Gänsehaut, als wir die Kulisse gesehen haben. Sobald der Anpfiff kam, war es aber ein ganz normales Handballspiel. Das haben mir auch die anderen Mädels immer wieder gesagt: "Wir stehen im Sechs-gegen-Sechs auf der Platte plus Torhüter, versuch einfach, dein Ding zu machen." Der ein oder andere Ballverlust hätte gewiss nicht sein dürfen, da muss ich mehr Ruhe bewahren, aber das nehme ich ins nächste Spiel mit.

Was erwartet euch gegen Südkorea - und was müsst ihr besser machen?

Friederike Gubernatis:
Uns wird ebenfalls eine offensive Abwehr erwarten; außerdem sind sie im Eins-gegen-Eins sehr stark. Die genaueren Analysen folgen heute, bisher war Kamerun erst einmal wichtig. Wir müssen aber auf jeden Fall unsere Chancen besser verwerten - und in der Abwehr die einfachen Tore verhindern. Wir haben viele Abpraller bekommen und hatten einige Situationen, in denen wir zu offensiv waren, in denen uns der Kreisläufer einfach hinterlaufen konnte. Wir müssen kompakter stehen und vorne unsere Chancen reinmachen.

Zum Abschluss: Wie hast du die Stimmung in der Halle erlebt

Friederike Gubernatis:
Das war klasse! Wir haben die Tage schon hier trainiert und da noch die leeren Bänke gesehen und gedacht: "Die werden dann alle voll sein." Es war wirklich eine super Stimmung.