24.03.2007 16:52 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm - VfL Oldenburg

Oldenburg unterliegt Frankfurt 25:30 - VfL scheitert an Schülke und sich selbst

Mandy Hering erzielte neun ToreMandy Hering erzielte neun Tore
Quelle: sportseye.de
Die Frauen des Frankfurter HC haben am Samstag mit einem 30:25 (11:9)-Erfolg bei Verfolger VfL Oldenburg den zehnten Saisonsieg eingefahren. Der FHC verbuchte dabei einen ungefährdeten Erfolg, bei dem sich vor allem Torfau Katja Schülke Bestnoten verdiente. Damit könnten die Oderstädterinnen bei einer gleichzeitigen Niederlage des Thüringer HC, der am Sonntag beim Spitzenreiter 1. FC Nürnberg antreten muss, auf den fünften Tabellenplatz vorrutschen. Bei einem noch ausstehenden Spiel hat der FHC ein ausgeglichenes Konto von 21:21 Punkten.

Katja Schülke zeigte eine starke LeistungKatja Schülke zeigte eine starke Leistung
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Wenigstens die Kulisse stimmte an diesem Nachmittag. Oldenburgs Sponsor Spiekerooger Leidenschaft hatte mal wieder eingeladen, so dass über 1000 Zuschauer das eher durchschnittliche Bundesligaspiel erlebten. Doch das unter der Leitung von oeins-Moderator Manfred Scholz von rund 750 jugendlichen Handballern aus der Region eingeübte Lied "99 Tore werfen" half den personell geschwächten Gastgeberinnen offenbar zu wenig. VfL-Coach Krowicki hatte in Lamein, Scholl, Kowalska, Oborilova, Birke und Kethorn nur sechs Feldspielerinnen aus dem Kader der Ersten zur Verfügung, Magdalena Urdea fehlte weiterhin. Auch Torfrau Heike Zornow (Armprobleme) kam nur zu einem 30-Sekunden-Einsatz - und das nur deshalb, um der ebenfalls angeschlagenen Janice Fleischer die Gelegenheit zu geben, ihren Verband zu richten.

Gerade das "Torewerfen" wollte lange Zeit nicht klappen. "Wir haben das Spiel eindeutig im Angriff verloren", analysierte Oldenburgs Trainer Leszek Krowicki nach der Begegnung. Aus einer funktionierenden 3-2-1-Deckung wurde der Spielfluss der Gäste um den brandgefährlichen Rückraum mit Anne Jochin, Sabrina Neuendorf und Angie Geschke zwar zunächst gut gestört, im Angriff sahen die VfL-Anhänger aber Stückwerk. Fehlpässe, technische Fehler und schwache Würfe prägten das Spiel der Gastgeberinnen bis zur 40. Minute - zu diesem Zeitpunkt war die Entscheidung aber längst gefallen (12:18).

Dabei hatte der VfL gut begonnen. Frankfurt schien große Probleme gegen die Oldenburger Deckung mit Kathrin Scholl vorne sowie Dagmara Kowalska und Diane Lamein in der zweiten Reihe zu haben. Neuendorfs Wurf hielt Janice Fleische, danach verlor der FHC zweimal den Ball. Zwei der drei Gegenstöße verwandelte Kathrin Scholl zur 2:0-Führung. Bei eigenem Aufbau hatte Oldenburg aber ebenfalls Probleme. Zunächst parierte die hervorragende Katja Schülke im Gäste-Tor überragend gegen Kowalska vom Kreis nach Pass Jana Oborilovas (3. Minute), fischte dann gegen Lamein in Klasse-Manier einen Hüftwurf aus der rechten unteren Ecke (6.) und wehrte auch noch einen Siebenmeter Lameins (8.) ab. Währenddessen nutzte Frankfurt Oldenburgs Unzulänglichkeiten und kam zu einem leichten Tor von Linksaußen, einem Alleingang durch die VfL-Deckung und zwei Gegenstoßtreffern zur 4:2-Führung. Allesamt abgeschlossen von Mandy Hering.

Weil aber weiterhin der FHC nur zu wenigen Gelegenheiten kam, Fleischer im Tor zudem einen guten Tag erwischte, ließ sich der VfL nicht abschütteln. Spielgestalterin Lamein nahm mehr und mehr das Heft in die Hand und sorgte für Belebung. Aus zweiter Reihe abgezogen traf sie in der 15. Minute den Innenpfosten und verwandelte den Nachwurf vom Kreis selbst - 6:7. Oder zehn Minuten später: Oborilova legte auf die anstürmende Lamein auf, und die verwandelte in einer Bewegung vom Kreis. Doch von solchen Szenen sahen die Augenzeugen zu wenig. "Frankfurt war heute dynamischer und athletischer", stellte VfL-Geschäftsführer Peter Görgen fest.

Nach der Pause änderte sich nichts an der guten, aggressiven 6-0 Abwehr der Gäste, der Oldenburger Angriff war zunächst nur noch in Person der am Saisonende scheidenden Jana Oborilova präsent. Die ersten drei Treffer, davon zwei Knaller aus dem Rückraum, gingen auf ihr Konto. Das dritte Tor fiel aber erst in Minute 38 zum 12:17.

Immerhin ließ sich Oldenburg nicht abschießen, zeigte auch als alles entschieden war, engagierten Sport. Auch setzte der Nachwuchs aus dem Zweitliga-Team Akzente: Sarah Everding, in der 20. Minute für Wiebke Kethorn eingewechselt, zunächst am Kreis, später auf Rechtsaußen eingesetzt, gelangen zwei schöne Treffer, Anna Badenhop, die mit Beginn der zweiten Hälfte für Kim Birke auf die linke Außenbahn ging, ebenso. Julia Renner im Tor (ab 47.) konnte sich ebenso auszeichnen wie Alexandra Temp, die zwar mit ihren Würfen Pech hatte, aber mit drei schön anzusehenden No-Look-Pässen zum Kreis (Scholl, Everding) für Szenenapplaus sorgte.

Bei den Gästen war dagegen Anne Jochin zu selten zu bremsen, Hering gelangen auch im zweiten Durchgang schöne Treffer nach gewonnenen Eins-Gegen-Eins-Situationen auf links und Angie Geschke reichte teilweise ihre Cleverness: Zwei aufeinander folgende Angriffe (37. und 38.) des VfL unterbrach sie, indem sie erfolgreich je einen einfachen Pass antizipierte und die Konter locker zum 15:11 und 16:11 verwandelte. Überragende Spielerin war aber Schülke, die in 60 Minuten kaum eine Schwäche zeigte und dem VfL-Spiel damit sehr schadete. Auf die Oldenburger Würfe war sie anscheinend gut eingestellt, andererseits machten es der Tabellen-Siebte der Nationaltorhüterin aber auch zu oft zu einfach. Eine gute Erstliga-Leistung zeigten auf VfL-Seite Lamein, Fleischer und Oborilova, die auch zur Spielerin des Tages gewählt wurde.

Stimmen zum Spiel:

Leszek Krowicki, Trainer VfL:
Wir haben das Spiel eindeutig im Angriff verloren. Zunächst, weil Schülke unheimlich stark war, dann weil wir die Chancen, die wir durch Lameins gute Spielführung bekamen, zu oft nicht verwertet haben. In der Wurfeffektivität haperte es.

Dietmar Schmidt, Trainer FHC:
Für uns ging es darum, die starke Rückraumreihe und die offensive Deckung in den Griff zu kriegen. Das haben wir geschafft. Als der VfL nach 45 Minuten erst 15 Tore geworfen hatte, sah es schon sehr positiv für uns aus. Angriff und Abwehr haben bis dahin gut funktioniert. Dann wurden wir aber leichtfertiger, fast wäre es noch eng geworden. Schülke war gut, doch insgesamt hat die ganze Mannschaft funktioniert. Wir hatten eine Menge Lösungen heute, haben besonders auf unserer linken Seite die Lücken genutzt. Positiv für Oldenburg war, dass sich die Mannschaft nicht aufgegeben hatte. Sabrina Neuendorf hat eine gute Wahl getroffen. Sie bekommt in Leszek Krowicki einen guten Trainer; ich glaube auch, dass die Oldenburger Mentalität gut zu ihr passt.

Jana Oborilova:
Wir haben heute ganz gut angefangen. Dafür war die Abwehr ausschlaggebend, die insgesamt nicht schlecht war. Verloren haben wir aber, weil wir unsere Chancen wieder nicht genutzt haben. Davon hatten wir genug.

Katja Schülke, FHC:
Wir haben viel von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten, waren in der Abwehr aggressiv und auch im Angriff hat viel funktioniert. In der zweiten Halbzeit haben wir uns zwar eine kleine Schwächephase erlaubt, doch insgesamt haben wir konstant gespielt und verdient gewonnen.

Sabrina Neuendorf, FHC:
Wir freuen uns über den Sieg, auch wenn es keines der schönsten Spiele war. Wir haben heute nie den Kopf verloren. Wichtig war der gute Rückhalt hinten mit einer super Leistung Katja Schülkes. Nun wollen wir Platz fünf angreifen, die Challenge-Cup-Qualifikation wäre ein gelungener Abschied aus Frankfurt, nachdem wir die anderen Ziele leider verfehlt haben. Oldenburg ist eine schöne Stadt, beim VfL hoffe ich mich weiter zu entwickeln. Ich freue mich auf die neue Herausforderung.