08.11.2017 13:15 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine, red

"Im Angriff sind sie wurfstark und klug" - Metzingen ist gegen Dortmund gewarnt

Marlene ZapfMarlene Zapf
Quelle: Mario Genzel
Es ist ein astreines Verfolgerduell. Die TuS Metzingen (8:2 Punkte, vierter Platz) empfängt Borussia Dortmund (7:3, fünter Platz). "Dortmund ist für mich eine Spitzenmannschaft. Die Abwehr funktioniert gut, im Angriff sind sie wurfstark und klug", sagt TuS-Trainer René Hamann-Boeriths. Jüngstes Beispiel des erfolgreichen Tuns: Dortmund war drauf und dran, den deutschen Meister, die SG BBM Bietigheim, aus dem DHB-Pokal zu kegeln. Ein 90-sekündiger Blackout kurz vor Feierabend verhinderte dies dann allerdings.

Bei Metzingen wird Dorina Korsos fehlen. Sie musste am Meniskus operiert werden. "Nach einem Sprungwurf habe ich bei der Landung gemerkt, dass das Knie wegging", erklärte sie gestern bei der Pressekonferenz vor dem Dortmund-Spiel. Der Meniskus ist kaputt, bereits am Mittwoch wird operiert. "Vielleicht kann ich die letzten drei Monate der Saison je noch spielen", hofft das Energiebündel.

René Hamann-Boeriths hat etliche Videos mit BVB-Spielen gesichtet, geführt hat dies zu folgender Einschätzung: "Wir haben großen Respekt - aber nicht zu viel." In der Tat muss sich die TuS Metzingen nicht verstecken. Der Pokalsieg in Buxtehude war ein Galaauftritt in pink - zumindest in der zweiten Halbzeit. "Man hat gesehen, wie viel in dem Team steckt. Es war eine Super-Leistung, vor allem im kämpferischen Bereich", lobt der Trainer auch noch im Nachhinein und hofft, dass eine große Portion mit ins Mittwochspiel genommen werden kann. Sowieso gilt es, das eigene Spiel aufzuziehen und sich nicht über die Maßen nach dem Gegner zu richten. Noch einmal kurz skizziert von Hamann-Boeriths, wie er sich den Handball vorstellt: "Gute Abwehr, Gegenstöße laufen, Tempo ins Spiel bringen."

Das hat in Buxtehude ohne die Hilfe von Anna Loerper (Muskelfaserriss in der Wade) geklappt, die vor der WM-Pause nicht mehr auflaufen wird. "Es ist natürlich hart, dass Anna nicht spielt, ich weiß aber, dass Delaila es auch kann", verweist der Coach der Pink Ladies darauf, dass es ihm wichtig ist, für jede Position Alternativen zu haben. Die junge Delaila Amega hat in Buxtehude ihr immenses Leistungsvermögen abgerufen, für ihre niederländische Nationalmannschaftskollegin Kelly Vollebregt lief es auf Rechtsaußen ganz geschmeidig. Sie ist nach ihrem krankheitsbedingten Ausfall schon wieder am Optimum. Gegen Dortmund wird Stina Karlsson wieder mit von der Partie sein, die nach ihrer Knieverletzung zuletzt in der zweiten Mannschaft Spielpraxis sammelte.

In Buxtehude war auffallend, wie treffsicher sich die TusSies von Außen präsentierten. "Man muss aus allen Positionen torgefährlich sein, taktisch immer kleine Änderungen vornehmen und versuchen, klüger als der Gegner zu sein", zeigt René Hamann-Boeriths auf, wie einfach Handball sein kann. Wenn dann die Zuschauer noch mitmachen, geht die Aufgabe auch gegen ein Spitzenteam wie Dortmund lockerer von der Hand.

Im Dortmunder Lager ist jedem klar, dass die Aufgabe bei den "TuSsies" gleichermaßen schwierig wird und dass man wieder als Außenseiter in die Partie geht. "Wir dürfen uns auch in Metzingen keine Schwächephase erlauben, das nutzen sie aus", weiß BVB-Trainerin Ildiko Barna.

Barna warnt vor dem Teamgeist des TuS Metzingen. Jener Teamgeist kann in Verbindung mit dem lautstarken Publikum in der stets gut besuchten Öschhalle ein großes Pfund sein. "Natürlich haben wir im Gegensatz zum vergangenen Sonntag nicht unsere Fans im Rücken sondern die Halle gegen uns", erklärt die Dortmunder Trainerin. Umso wichtiger sei es, die Einstellung vom Wochenende zu konservieren: "Wenn wir die Herangehensweise so mitnehmen, kämpfen und lange im Spiel bleiben, können wir es spannend machen", legt die Ungarin ihren Matchplan dar.

Es gilt abzuwarten, wie der BVB den erneuten Ausfall von Mira Emberovics (gebrochener Finger) verarbeitet. Die Ungarin war gegen Bietigheim Teil einer sehr stabilen Abwehrreihe, die in Metzingen auch wieder stehen muss: Über die Achse der beiden deutschen Nationalspielerinnen Anna Loerper und Julia Behnke suchen die "Pink Ladies" immer wieder den Abschluss über den Kreis und das zielstrebige Tempospiel in Verbindung mit einem starken Torhüterduo Jankovic/Roch kann man nicht oft genug erwähnen. Lange Rede, kurzer Sinn: Es braucht einen über 60 Minuten vorne wie hinten konzentrierten BVB, um etwas Zählbares mit auf die lange Heimreise zu nehmen.