20.03.2007 03:10 Uhr - 1. Bundesliga - Nina Wörz

"Ich wollte etwas Neues probieren" - Die Leipzigerin Rikke Nielsen im Interview

Rikke Nielsen im Leipziger TrikotRikke Nielsen im Leipziger Trikot
Quelle: sportseye.de
Die Dänin Rikke Nielsen kam vor dieser Saison von Aalborg DH zum Deutschen Meister und Pokalsieger HC Leipzig. Für handball-world.com und hbvf.de hat Nina Wörz, die den Wechsel in die andere Richtung, von Leipzig in die dänische Liga machte, mit der sympathischen Nationalspielerin gesprochen und sie u. a. zu den Unterschieden zwischen dem deutschen und dänischen Frauenhandball und den Gründen für den Wechsel in die Bunesliga befragt.


Hallo Rikke, wie bist Du nach Deutschland gekommen?

Rikke Nielsen:
Ich hatte schon immer den Traum, durch den Handballsport ein anderes Land zu erleben, eine neue Sprache zu lernen und mich einer anderen Mentalität anzupassen. Als dann Katrine Fruelund den Sprung in die deutsche Bundesliga wagte, dachte ich mir, dass es sehr spannend wäre, das selbst auszuprobieren. Ich habe mit Katrine über ihren Aufenthalt in Deutschland gesprochen, über ihren positiven und negativen Erlebnisse und ihre Erzählungen haben etwas in mir geweckt. Als der HCL dann Kontakt zu mir aufnahm, war ich sehr gespannt etwas über den Verein zu erfahren, seine Geschichte, Werte und Möglichkeiten für mich. Nachdem ich lange in der dänischen Liga gespielt hatte, war es die Herausforderung, die ich mir vorgestellt hatte.

Wieso hast Du Dich für den HC Leipzig entschieden?

Rikke Nielsen:
Ich hatte einen super Eindruck von Manager Kay-Sven Hähner, dem Verein und den Spielerinnen, als ich zum ersten Mal zu Besuch in Leipzig war. Ich kannte den neuen Trainer Morten Arvidson und da ich bereit für etwas Neues war, habe ich zugeschlagen.

Was war der Grund für Dich die dänische Liga zu verlassen?

Rikke Nielsen:
Darüber hinaus, dass ich etwas Neues ausprobieren wollte und ich bewiesen hatte, dass ich in der dänischen Liga mithalten konnte, hatte ich unzählige Spiele immer wieder gegen die selben Gegner absolviert. Deswegen dachte ich, dass es interessant wäre, ins Ausland zu gehen und gegen andere Spielerinnen zu spielen, denen ich vorher noch nicht gegenüber gestanden hatte. Das ist eine gewisse Herausforderung.

Worin siehst Du die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem dänischen Handball?

Rikke Nielsen:
Es gibt keinen Zweifel, dass man in Dänemark, die beste Frauenliga der Welt findet und mit den Zugängen der ausländischen Klassespielerinnen wird Handball auf sehr hohem Niveau gespielt. Ich habe schnell gemerkt, dass es viele deutsche Spielerinnen gibt, die den Traum haben in Dänemark Handball zu spielen. Beim HCL gibt es viele Vollzeitprofis gemischt mit vielen jungen, guten Talenten. Dadurch haben wir ein gutes Trainingsniveau. Außerdem haben wir in Leipzig Vorteile gegenüber anderen Vereinen in Deutschland, die nicht die gleiche Unterstützung, sei es Zuschauer- oder Sponsorenmäßig, bekommen. Da gibt es einen großen Unterschied zwischen der Spitze und dem Keller der Bundesliga, genauso wie in Dänemark.

Eines der ersten Dinge, die ich in Deutschland bemerkt habe, war die Abwehrarbeit. Die meisten Mannschaften spielen ganz anders, als ich es gelernt oder in Dänemark bisher gespielt habe, was wir aber zum Glück beim HCL nicht machen. Man geht davon aus, dass man der Kreisläuferin aus dem Mittelblock heraus folgt, anstatt mit der Nebenspielerin zu wechseln, was die Abwehr kompakter machen würde. Daran musste ich mich zuerst gewöhnen. Eine andere Sache ist, dass viele deutsche Mannschaften Schwierigkeiten damit haben, sich umzustellen und während eines Spieles die Taktik zu ändern. Das habe ich mehrmals erlebt. Manchmal muss man eben die Taktik ändern, gerade wenn es nicht gut für die Mannschaft läuft.

Was sagst Du zum unterschiedlichen Medieninteresse in den beiden Ländern?

Rikke Nielsen:
Ich denke, es ist angenehm für mich, dass ich anonym durch Leipzig gehen kann – keiner weiß wer ich bin. Das ist in Dänemark ganz anders. Das Interesse für Frauenhandball in Deutschland ist nicht gerade groß, obwohl wir gerade in Leipzig eine große lokale Unterstützung erfahren. In Dänemark werden alle Topspiele im Fernsehen gezeigt oder vom Hörfunk übertragen, was man selbst von unseren wichtigen Spielen hier in Deutschland nicht behaupten kann. Ich hoffe, dass nach der tollen Herren WM in Deutschland - auch nicht zu vergessen der gute dritte Platz von Dänemark - das generelle Interesse für Handball steigt, auch für den Frauenhandball.

Was ist hier in Deutschland anders für Dich, als in Dänemark?

Rikke Nielsen:
Ich fühle mich hier in Deutschland sehr wohl – aber meine Familie und meine Freunde sind in Dänemark.

Was sind Deine bisherigen Erfolge im Verein und mit der Nationalmannschaft?

Rikke Nielsen:
Mit der Nationalmannschaft die Vize-Europameisterschaft 2004. Und auf Vereinsebene das Halbfinale in der Champions League 2005 mit Aalborg. Außerdem die Dänische Vizemeisterschaft.

Was sind Deine persönlichen Ziele für 2007?

Rikke Nielsen:
Ich möchte gerne Deutscher Meister werden und den Pokal gewinnen.

Hast Du ein Ritual vor dem Spiel? Was machst Du vor einem Spiel?

Rikke Nielsen:
Ich habe keine Rituale. Ich sollte ausgeruht sein, ausreichend gegessen und getrunken haben und mental bereit sein.

Wie haben Deine Familie und Deine Freunde reagiert, als Du nach Deutschland gegangen bist?

Rikke Nielsen:
Die haben mich alle nach meiner Entscheidung unterstützt und ich habe bisher viel Besuch aus Dänemark bekommen. Alle denken, dass es eine große Herausforderung für meinen Freund und mich ist. So lange dauert es ja dann auch nicht zu fahren, falls man sich doch mal zu sehr vermissen sollte.

Hast Du mal dran gedacht wieder zurück nach Dänemark zu wechseln?

Rikke Nielsen:
Ich weiß bis jetzt noch nicht, was ich in der nächsten Saison mache. Ich bin sehr froh in Leipzig zu sein, aber es hängt viel davon ab, ob mein Freund endlich einen Job hier bekommt.

Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?

Rikke Nielsen:
Das ist schwer zu sagen – es konnte ja auch niemand vorhersagen, was in den letzten 10 Jahren in meinem Leben alles passiert ist? Ich hoffe jedoch, dass ich dann immer noch etwas mit Handball zu tun habe – vielleicht sogar als Trainerin. Privat möchte ich mit meiner Familie zusammen sein und diese Zeit genießen.

Viele Dank für das Interview und Viel Glück für die bevorstehenden Aufgaben in Pokal und Meisterschaft.