18.03.2007 18:41 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß

Göppingen macht mit 29:26-Sieg über Oldenburg großen Schritt Richtung Klassenerhalt

Zwei gegen Carina Fuchs vergebene Strafwürfe kosteten Oldenburg nach über 50 gleichwertigen Minuten die SiegchanceZwei gegen Carina Fuchs vergebene Strafwürfe kosteten Oldenburg nach über 50 gleichwertigen Minuten die Siegchance
Quelle: sportseye.de
Einen wichtigen Sieg im Kampf um den Klassenverbleib feierte heute Aufsteiger Frisch Auf Göppingen vor 1800 Zuschauern, der in der entscheidenden Schlußphase die größere Nervenstärke zeigte. Am Ende verbuchte die Mannschaft von Hagen Gunzenhauser so einen 29:26 (13:16) Erfolg über den Ersatz geschwächten VfL Oldenburg. Nach Punkten schlossen die Göppingerinnen mit diesem erst in einer umkämpften Schlussphase errungenen Sieg zu den auf dem rettenden zehnten Platz liegenden Buxtehuderinnen auf. Vorentscheidenden Charakter hat für die Göppingerinnen nun das nächste Duell gegen die auf dem letzten Tabellenplatz liegenden Dortmunderinnen, denn durch diesen Sieg kann Göppingen den Klassenerhalt nun mit eigener Kraft schaffen. „Diese Ambitionen wären mit einer Niederlage heute erledigt gewesen“, machte FA-Coach Gunzenhauser deutlich. „Jetzt haben wir die Möglichkeit, weiter zu kämpfen.“ Für Oldenburg ist allerdings die Chance auf Rang sechs Vergangenheit.

Allerdings schien Göppingen bereits nach 16 Minuten auf der Verliererstraße. Jessica Schulz fiel mit einer Knieverletzung aus und der VfL konnte erstmals eine Führung etablieren Erst die konsequente Abwehrarbeit ermöglichte es den FA Frauen später wieder, sich wieder an den Gästen vorbei zu kämpfen. „Wir haben dann ziemlich schnell gemerkt, dass wir auf der Bank keine Ersatzspielerin für den Rückraum hatten“, analysierte Gästecoach Leszek Krowicki, dessen Mannschaft erst durch einen von Oborilova an Fuchs vergebenen Strafwurf (58.) auf die Verliererstraße gelangte.

Wie schon im Pokalspiel gegen Trier startete Göppingen gegen Oldenburg mit Tempohandball. „Wir wollten der Mannschaft 50 Minuten lang alles abverlangen, sie kaputtlaufen, sie in der Abwehr und im Angriff ständig fordern und dann die letzten 10 Minuten nutzen um die Partie für uns zu entscheiden“, beschrieb Göppingens Hagen Gunzenhauser nach dem Spiel die Strategie. Grundstein der guten Göppinger Startphase war vor allem die Abwehr, Katrin Schröder gelang nach einem „Steal“ das 3:1 (5.). Sie musste die Grippe geschwächte Tine Dangel zeitweise auch im Angriff vertreten. Im Angriff hatten die Gastgeberinnen diese Sicherheit allerdings noch nicht gewonnen, mehrere Würfe wurden vergeben, doch auch Mami Tanaka hatte in der Startphase Gelegenheit sich auszuzeichnen. Oldenburg blieb dennoch am Drücker, hatte nach neun Minuten durch Treffer von Scholl und Kowalska den 4:4-Ausgleich hergestellt, da Breidert den Ball verloren und Jessica Schulz mit ihrem Wurfversuch aus der schnellen Mitte an Janice Fleischer hängen geblieben war.

In der Abwehr des VfL erwies sich nun besonders Kathrin Scholl als wichtige Spielerin. Die groß gewachsene und bewegliche Akteurin konnte das Spiel der Gastgeber immer wieder stören, teilweise mit grenzwertigen Aktionen. Im Angriff zog nun im rechten Rückraum Dagmara Kowalska fast ungestört ihre Kreise, erhöhte nach 13 Minuten auf 4:6. Ihre Teamkollegin Janice Fleischer hatte da bereits vier Bälle abgewehrt, Göppingen begann aber im Angriff nun eine größere Sicherheit zu gewinnen, die dem ambitionierten Kellerkind mehrfach den Anschlusstreffer ermöglichte. Nach 16 Minuten (7:9) wollte sich dann Jessica Schulz im Angriff gegen Scholl durchsetzen und verdrehte sich nach einem Stoß unglücklich das Knie. Über weite Strecken musste danach Dagmar Siegert die Rolle der Regisseurin übernehmen. „Man hat natürlich gemerkt, dass sie im Angriff noch nicht ganz in unser Spiel eingebunden ist, aber in der Defensive hat sie uns auf jeden Fall weitergeholfen“, lobte Gunzenhauser seine routinierte Teilzeit-Spielerin.

Dennoch saß der Schock im Göppinger Lager nach dem Ausfall von Schulz tief. Oborilova und Scholl erhöhten schnell auf 8:11 (19.), Hagen Gunzenhauser nahm die fällige Auszeit. Anna-Lena Unseld wurde auf die Mittelposition geschickt, Inga Frey übernahm die vakante Position auf dem linken Flügel, Alena Vojtiskova sorgte im rechten Rückraum für neuen Schwung. Nach einem Foul an Oborilova musste Katrin Schröder jedoch erst einmal auf die Bank. Die Grippe geschwächte Tine Dangel vergab nun zweimal an der Siebenmeterlinie die Chance für Zählbares, Mami Tanakas Paraden hielten den Rückstand allerdings konstant. Kurz vor dem Pausenpfiff war es dann noch einmal Jana Oborilova, die mit einer Einzelaktion den 13:16-Halbzeitstand herstellte. Göppingen tat sich gegen eine gut eingestellte Abwehr zunehmend schwer, Oldenburg bislang mit Janice Fleischer die bessere Torwartin und mit vier Treffern von Oborilova und fünf von Kowalska den druckvolleren Angriff auf seiner Seite. Die Gäste gingen jedoch nach einem Foul von Lamein in Unterzahl in die zweite Hälfte.

Die personelle Überlegenheit konnte Göppingen allerdings zunächst nicht nutzen. Nach zwei Minuten beim 14:17 hatte der VfL noch immer seinen soliden Vorsprung und auch Fritz scheiterte nun beim Strafwurf. Doch der Nachwurf saß und Göppingen bließ während der nun angebrochenen Überzahl zur Aufholjagd: Schröder gelang das 16:17 (35.). Da Göppingen aber weiterhin keine hervorragende Trefferquote hatte, waren zwei Paraden von Mami Tanaka nötig, darunter ein Strafwurf von Lamein, um nach einer konzentrierten Phase den 19:19-Ausgleich (39.) trotz Unterzahl erzielen zu können. Doch gleich wieder war für Göppingen eine Frau weniger auf dem Platz, Oldenburg zog dank einer Fleischer-Parade wieder auf 19:21 (42.) davon.

Man merkte Göppingen weiter an, dass der Underdog Oldenburg ein viertes Mal niederringen wollte. Munteanu und Fritz (Strafwurf) brachten wieder den Ausgleich, aber Lamein rollte kurz darauf den Ball über Tanakas Fingerspitzen und Göppingen war wieder hinten. Doch beim VfL, bei dem fünf Spielerinnen bereits am gestrigen Samstag in der zweiten Liga um den Klassenerhalt spielen mussten, war angesichts nur drei verfügbarer Rückraumspielerinnen allmählich ein Aderlasse zu bemerken, zumal Kowalska und Oborilova gegen die Abwehr der FA Frauen kaum noch zum Zug kamen. Dangel per Siebenmeter und Munteanu warfen Göppingen nach 50 Minuten erstmals wieder in Führung. Die Strategie schien aus Sicht der Göppinger aufzugehen.

Dass dies am Ende wirklich so kam, lag vor allem auch an der Torhüterleistung und der wachen Abwehr. Carina Fuchs parierte in der Schlussphase gegen Diane Lamein zwei Strafwürfe, Unseld ging bei einem angesagten VfL-Spielzug dazwischen und erzielte per Konter das 24:23 (54.). Hinzu kam eine teils glückliche Angriffsleistung. Munteanus Wurf zum 25:24 fuhr in den linken Winkel, kurz darauf bediente sie Katrin Schröder am Kreis, die mit links den Treffer zum 26:25 (57.) setzte. Den zweiten vergebenen Gästestrafwurf nutzte die gute Martina Fritz, die nach dem Ausfall von Jessy Schulz viel Verantwortung übernahm, zum 27:25, etwas später traf sie nach einem Bodenpass von Breidert zum 28:26. Inga Frey, die während der gesamten zweiten Hälfte eine wichtige Rolle in der Abwehr spielte, war dann der letzte Treffer der Partie zum 29:26 vorbehalten. "Wir waren zwar 56 Minuten ebenbürtig, haben dann aber zwei Siebenmeter verworfen und zwei Bälle verloren, mit denen Göppingen natürlich prompt das Spiel entschieden hat", ärgerte sich Leszek Krowicki über die Niederlage, sah aber in seiner kurzen Bank die Hauptursache für den doppelten Punktverlust.


Stimmen:

Leszek Krowicki: „Natürlich sind wir mit der Niederlage nicht glücklich. Wir hatten uns viel vorgenommen. Wir hatten die Hoffnung, dass wir uns für die zwei knappen Niederlagen revanchieren können. Wir haben gut bekommen, vor allem die kämpferische Leistung in der ersten Halbzeit hat überzeugt, hatten eine starke Torhüterin. Aber wenn man sich die Statistik anschaut: Wir haben in der zweiten Halbzeit nur zehn Tore geworfen. Wir haben dann ziemlich schnell gemerkt, dass wir auf der Bank keine Ersatzspielerin für den Rückraum hatten, Oborilova konnten wir nicht auswechseln. Dass wir so wenige Spielerinnen zur Verfügung hatten, war am Ende entscheidend. Wir waren zwar 56 Minuten ebenbürtig, haben dann aber zwei Siebenmeter verworfen und zwei Bälle verloren, mit denen Göppingen natürlich prompt das Spiel entschieden hat. Wir waren zwar kämpferisch gut, aber die Punkte sind weg. Die Niederlage hat Göppingen sicher sehr geholfen im Kampf um den Klassenerhalt.“

Hagen Gunzenhauser: „Ich muss meiner Mannschaft zunächst ein riesen Kompliment machen. Wir haben gegen einen Gegner gespielt, der im Grunde nichts mehr holen kann, aber für uns war es dennoch ein kritisches Spiel. Bisher haben wir in solchen wichtigen Spielen oft gegen uns selber gespielt, weil wir uns Druck gemacht haben. Das hat man heute vor allem am Anfang auch wieder gemerkt. Die Vorbereitung auf dieses Spiel war nicht ganz glücklich. Der Einzug ins Final Four und die glückliche Auslosung waren eher hinderlich, uns wieder auf die Runde zu konzentrieren. Die ersten Tage ging es im Training nur um Riesa, wie wir hinkommen, wie wir uns dort am besten präsentieren können. Erst am Freitagabend war dann ein normales, konzentriertes Training möglich. Außerdem hat Christine Dangel, ebenso wie ich, seit heute eine Grippe, was uns auch im Spiel eingeschränkt hat. Wir wollen für das zweite Endspiel in Dortmund nichts riskieren. Aber auch wir sich meine Mannschaft nach dem Ausfall von Jessica Schulz verkauft hat: Hut ab! Wir haben zwar etwas länger gebraucht um wieder ins Spiel zu finden, doch das Publikum hat uns dann klasse unterstützt. Wir haben zwar nicht immer das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten, aber wir wussten, dass Oldenburg nur drei Rückraumspielerinnen zur Verfügung hat. Wir wollten der Mannschaft 50 Minuten lang alles abverlangen, sie kaputtlaufen, sie in der Abwehr und im Angriff ständig fordern und dann die letzten 10 Minuten nutzen um die Partie für uns zu entscheiden. Dass das so geklappt hat, war natürlich auch ein wenig glücklich, Carina hält am Ende den Siebenmeter gegen Oborilova und wir machen dann den Sack zu.“