10.09.2017 15:01 Uhr - 1. Bundesliga - PM NSU und Südwestpresse - Wolfgang Seitz

"Unterschiedliche Halbzeiten": Metzingen sichert sich Auftaktsieg im Derby

6 Tore: Alena Vojtiskova6 Tore: Alena Vojtiskova
Quelle: Neckarsulmer Sport-Union
30 Minuten lang ärgert die Neckarsulmer Sport-Union den Favoriten TuS Metzingen am Samstagabend vor 1.150 Zuschauern im Baden-Württemberg Derby gewaltig. Nach einem deutlichen Leistungsabfall in der zweiten Hälfte muss sich die NSU allerdings am Ende deutlich mit 24:36 im ersten Saisonspiel der Handball Bundesliga Frauen (HBF) geschlagen geben. Beste Torschützinnen waren auf Neckarsulmer Seite Isabel Tissekker und Alla Vojtiskova mit sechs Treffern, bei den TusSies konnten hingegen Anna Loerper (10/9) und Monika Kobylinska (7) die meisten Tore erzielen.

Das soll etwas heißen. Da war doch TuS-Geschäftsführer Ferenc Rott am Samstag schon eine Stunde nach dem Abpfiff nicht mehr bereit, sich über die erste Halbzeit zu ärgern, in der seine TusSies sich in Neckarsulm einen 15:17-Rückstand eingehandelt hatten, der hauptsächlich einer unerklärlichen Defensiv-Zurückhaltung zuzuschreiben war. Die Erinnerung kam bei Rott dann doch wieder: "Wir haben, glaube ich, 15 Tore aus dem Rückraum ohne jeglichen Körperkontakt kassiert. Wir hatten keine Abwehr und keine Torhüterleistung", bilanzierte der TusSies-Boss. Man sollte an dieser Stelle vielleicht die Keeperinnen in Schutz nehmen, die von ihren Vorderleuten doch schmählich im Stich gelassen wurden.

Die Neckarsulmerinnen um Trainer Emir Hadzimuhamedovic hatten sich für den Auftakt in der heimischen Ballei viel vorgenommen und sind ohne Linda Mack und mit einigen angeschlagenen Spielerinnen gegen den großen Konkurrenten aus Metzingen super gestartet. In den ersten 20 Minuten liefern sich beide Mannschaften ein munteres Scheibenschießen mit unglaublich hohem Tempo. Angetrieben von NSU-Spielmacherin Maike Daniels setzt vor allem Rückraumschützin Isabel Tissekker im Angriff gute Akzente und sorgt so für eine frühe Zwei-Tore-Führung. Die TusSies-Abwehr findet aber auch nach einer Umstellung auf eine 5:1-Deckung keinen Zugriff auf den Neckarsulmer Rückraum, lässt sich aber durch Metzingens Monika Kobylinska im Angriff und einige verwandelte Siebenmeter auch nicht weiter abschütteln. Nach einer Neckarsulmer Auszeit stellen die Gastgeberinnen dann eine bessere Abwehr, haben in dieser Phase mit Ann-Cathrin Giegerich einen starken Rückhalt im Tor und können somit zufrieden mit 17:15 in die Halbzeitpause gehen.

Was danach auf dem Feld passiert, ist aus Neckarsulmer Sicht nur schwer nachzuvollziehen. Metzingen kommt mit Wut aus der Kabine und die Sport-Union bringt sich innerhalb von wenigen Minuten um den Lohn der starken ersten Halbzeit. Mit einem 2:12-Lauf übernehmen die TusSies die Führung und werden von der NSU durch Fehler zu ihrem geliebten Umschaltspiel und leichten Toren im Gegenstoß eingeladen. Metzingen spielt sich immer weiter in einen Rausch und lässt Neckarsulm keine Chance, den Weg zurück in das Spiel zu finden. War doch ein Durchkommen in der Gäste-Abwehr scheiterten die Neckarsulmerinnen nun leider häufiger an Jasmina Jankovic im TuS-Tor oder mit Wurfpech am Gehäuse, wodurch nach 60 Minuten eine deutliche 24:36-Niederlage der NSU auf der Anzeigetafel der Ballei steht.

"Ich muss leider gestehen, so unterschiedliche Halbzeiten erlebt man auch als Trainer nicht oft. Wir haben uns auf die Qualität sowie das Tempo von Metzingen eingestellt, haben uns auch einige Sachen einfallen lassen und die Mädels haben das gnadenlos gut umgesetzt. Diese 6:0-Abwehr fand in der ersten Halbzeit überhaupt keinen Zugriff, Alla und vor allem Isabel Tissekker konnten nach Belieben werfen. Auch nach der Umstellung auf 5:1 von Metzingen haben wir adäquate Lösungen gefunden, die TusSies weiter vor Probleme gestellt und dass wir mit zwei Toren in die Pause gehen ist mit Sicherheit gerechtfertigt gewesen", fasst NSU-Trainer Emir Hadzimuhamedovic die gute Leistung aus der ersten Hälfte zusammen.

"Was in der zweiten Halbzeit passiert, ist für mich sehr schwer nachzuvollziehen. Ich finde, dass wir rechtzeitig gewechselt und noch ausreichend Körner hatten, um da am Anfang dagegen zu halten. Wir haben durch unsere Fehler im Angriff dann den Gegner zu ihrem Lieblingsspiel eingeladen und am Ende haben wir das verdient verloren", so Hadzimuhamedovic weiter.

"So deutlich hätte ich es nicht erwartet", schüttelte Ferenc Rott ungläubig den Kopf. Auf Nachfrage ließ er sich dann sogar noch hinreißen, eine Spielerin aus dem pinken Kollektiv herauszuheben. "Was Monika Kobylinska gespielt hat, war schon überragend", lobte er den Neuzugang auf halbrechts. Man wird an ihr sicher noch viel Freude haben. An ihren Mitspielerinnen freilich auch - sofern sie nicht vergessen, dass die Abwehr ein wesentlicher Bestandteil des Handballs ist.