09.09.2017 08:00 Uhr - 1. Bundesliga - Astrid Hofmann, dpa

Rödertal startet als Außenseiter ins Abenteuer Bundesliga

Acht Jahre nach Vereinsgründung starten die Handballerinnen des HC Rödertal in das Abenteuer 1. Bundesliga. Den Klassenverbleib will der Aufsteiger trotz Mini-Etat und personeller Handicaps auf jeden Fall schaffen.

Viel schwerer hätten es die Handball-Frauen des HC Rödertal nicht treffen können - ausgerechnet bei Pokalsieger Buxtehuder SV geben sie an diesem Samstag ihr Erstliga-Debüt. "Wir gehen als krasser Außenseiter in diese Partie und das werden wir im Grunde genommen in jedem Spiel sein", sagte Trainer Karsten Knöfler, der das erst Amt im Sommer übernahm, und blickt realistisch auf das "Unternehmen Bundesliga".

Er weiß nur zu gut, welch große Herausforderung auf den Liga-Neuling aus Großröhrsdorf, der knapp 10.000 Einwohner zählenden Kleinstadt im Landkreis Bautzen, zukommen wird. Denn die Ausgangslage ist keinesfalls optimal.

Das wurde schon durch die Umstände des Aufstiegs im Sommer deutlich. Im März hatten die "Rödertalbienen" den Lizenzantrag für die 1. Bundesliga eingereicht. Als diese jedoch erteilt war, fehlten dem drittplatzierten Zweitligisten 20.000 Euro zur Bürgschaft von 50.000 Euro. Deshalb entschieden die Verantwortlichen um Vereinspräsident Andreas Zschiedrich, den Aufstieg wegen der wirtschaftlichen Risiken nicht wahrzunehmen.

Nachdem ein Sponsor die notwendigen finanziellen Grundlagen doch noch bereitstellte, sprang Rödertal kurzfristig für den insolventen Zwangsabsteiger HC Leipzig auf den Erstliga-Zug auf und verpflichtete gleich fünf Spielerinnen des sechsmaligen deutscher Meisters. Darunter Torhüterin Nele Kurzke und die österreichische Nationalspielerin Tamara Bösch.

"Weil sich das aber alles erst Mitte Juli entschied, fehlen uns sechs Wochen der Vorbereitung", räumte Präsident Zschiedrich ein. Das bestätigt auch Karsten Knöfler: "Menschlich ist die Mannschaft gut zusammengewachsen, sind die elf Neuzugänge hervorragend integriert, aber sportlich hinken wir der Musik hinterher. Da brauchen wir sehr viel Geduld, zumal wir auf zwei Schlüsselpositionen unbedingt noch Handlungsbedarf haben. Uns fehlen eine Kreisspielerin und eine Linkshänderin für die rechte Außenbahn."

Zwar sind die Verantwortlichen schon auf der Suche, stoßen aber mit einem Mini-Etat von 400.000 Euro an finanzielle Grenzen. Und dass keine seiner Spielerinnen Profi ist, sondern neben dem Handball alle arbeiten oder studieren, macht die Trainingsgestaltung für Knöfler nicht gerade leicht. "Vormittagseinheiten sind kaum drin, zumal uns da auch die Halle in Großröhrsdorf nicht zur Verfügung steht", sieht der Coach auch noch strukturelle Reserven.

Zu diesem Problem gesellten sich schon in der Vorbereitung zwei schwere Verletzungen. So fällt Grete Neustadt mit einem Kreuzbandriss voraussichtlich die komplette Saison aus und Neuzugang Sandra Szary befindet sich nach einer Knie-Operation erst wieder im Aufbau. Beim Auftakt wird auch noch die erfahrene Jurgita Markeviciute (Fußbeschwerden) fehlen.

Dennoch ist die Euphorie im Umfeld groß und die Verantwortlichen hoffen, dass die Halle im Großröhrsdorfer Gymnasium, die maximal 800 Zuschauer fasst, zu den Heimspielen immer rappelvoll ist. "Auch wenn unsere Ausgangslage besser sein könnte, gehen wir zuversichtlich in die Saison", betonte Zschiedrich.