12.03.2007 04:47 Uhr - 2. Bundesliga Nord - Ole Rosenbohm

Celle übernimmt in Oldenburg Tabellenführung

Anja Grüneberg verletzte sich in der SchlußphaseAnja Grüneberg verletzte sich in der Schlußphase
Quelle: SVG
Effektive Deckung, bundesligareife Technik und ein "sensationeller Tempogegenstoß" (VfL-Trainerin Heike Schmidt): Nach den Eindrücken des 35:30 (20:12)-Sieges beim VfL Oldenburg II kann nur Verletzungspech den Weg des SV Garßen-Celle in die Zweitliga-Play-offs verhindern, der nun von Platz eins auf die Konkurrenz herunter blickt. Die Gastgeberinnen bleiben dagegen unten drin: Zum rettenden zehnten Platz fehlen nun schon vier Punkte.

Vor knapp über 300 Zuschauern in der Robert-Schumann-Halle, darunter knapp 50 aus Celle, tat sich der VfL vor allem im ersten Durchgang schwer. Immer wieder rannten sich die Oldenburgerinnen an der sicheren 6-0-Deckung der Gäste fest, fast immer war ein überfallartiger und erfolgreicher Gegenstoß der Gäste die Folge - meist von Anja Grüneberg oder Susanne Büttner vollendet. Vorne standen Wiebke Kethorn, Irena Nürnberg oder Sarah Everding im Kreis, hinten fassten Julia Renner und Tanja Büsing im VfL-Tor kaum einen Ball an. Bereits früh war die Partie entschieden (8:18 in der 25. Minute). "Vorne waren wir zu statisch, hinten haben wir nur reagiert, nie agiert", kommentierte VfL-Co-Trainer Markus Stapenhorst die erste Hälfte.

Allerdings erkaufte sich Celle die neue Tabellenführung teuer. Schon vor dem Wechsel musste die erst seit Januar für die SVG spielberechtigte Josephine Techert (vorher Vertrag beim Frankfurter HC) ohne Fremdeinwirkung mit verdrehtem Knie verletzt raus (26.), später verletzte sich auch die ganz starke Grüneberg (56.) nach einer gewonnenen Eins-gegen-Eins-Situation auf der linken Seite gegen Oldenburgs Ines Gümmer und ihrem Tor zum 33:27.

Vorher versuchte der VfL alles, um nicht völlig abgeschossen zu werden. Und das mit Erfolg: Schmidt stellte mit Beginn der zweiten Halbzeit auf doppelte Manndeckung um, vorne wirkte das Oldenburger Spiel nun variabler und engagierter. "Uns hat die Aussicht auf die Tabellenführung motiviert, aber nach der Pause sind wir leicht nervös geworden", gab Celles Monic Burde zu. Vor allem Alexandra Temp drehte auf, warf nach der Pause acht Treffer. Allein viermal nutzte die Oldenburgerin ihre technischen Fertigkeiten und Lücken in der Gäste-Abwehr zum Durchbruch bis zum Kreis aus, auch aus dem Rückraum war die 24-Jährige erfolgreich. Auf der anderen Seite steigerte sich Torfrau Renner.

Dass die Gastgeberinnen nicht mehr als bis auf drei Treffer heran kamen, lag an der Chancenauswertung. Beispielhaft war eine Szene aus der 46. Minute: Ines Langkabel eroberte den Ball, spielte kurz zu Anna Badenhop, die, technisch perfekt, an drei Gegnerinnen den Ball bis vors SVG-Tor trug. Dort scheiterte die Linksaußen aber an Turid Arndt. Den langen - wie fast immer zielgenauen - Pass Arndts verwertete Nina Sass zum 27:23.

Stimmen zum Spiel:

Heike Schmidt, Trainerin VfL II:
Das Spiel haben wir in der ersten Halbzeit verloren. Da haben wir zu viele Fehler produziert. Letztlich haben uns aber die Tempogegenstöße das Genick gebrochen. Wir haben nach der Pause alles probiert, auch gut gegen gehalten, aber Celle hat verdient gewonnen. Punkte konnten wir gegen so eine Mannschaft nicht einplanen, aber wenn die Konkurrenz weiter gewinnt, wird es schwer, die Klasse zu halten.

Martin Kahle, Trainer Celle:
Wir hatten nur in den ersten fünf Minuten Probleme, dann haben wir eine sehr gute Halbzeit gespielt. Nach der Pause hat Oldenburg mehrmals die Deckungsformation gewechselt und uns das Leben sehr schwer gemacht. Außerdem waren wir vorne nicht mehr so konsequent und hinten hat uns der gleiche Trick mehrmals Probleme bereitet. Wenn Grüneberg und Techert länger ausfallen, hätten wir diesen Sieg sehr teuer erkauft. Insgesamt haben wir in den vergangenen Monaten mehr an Qualität gewonnen, gerade in der Abwehr. Ich glaube schon, dass wir die Play-offs erreichen, aber in dieser Liga musst du Woche für Woche topfit sein. Ob es dann für den Aufstieg reicht, ist allein abhängig von der Tagesform.